Fallstudie · Podcast

Insert Moin: Wie ein Spiele-Podcast mit einer Paywall zum Beruf wurde

Manuel Fritsch hat Insert Moin fünf Jahre lang neben seiner Agentur als täglichen, kostenlosen Spiele-Podcast gemacht. Freiwillig kamen so nie mehr als 500 Dollar im Monat zusammen. Erst als er die meisten Folgen hinter eine Paywall stellte, stiegen die Einnahmen so weit, dass er die Agentur verlassen konnte. Bezahlt hat er dafür mit vielen verärgerten Hörer:innen und deutlich weniger Reichweite.

Mit Manuel Fritsch (Freiberuflicher Journalist und Podcaster, spezialisiert auf Spiele, Hauptverantwortlicher von Insert Moin) · Video 55:18 · Als Podcast hören

Folgen seit 2010 (zum Zeitpunkt des Gesprächs)
3.000
im Monat auf Patreon, solange alle Folgen kostenlos waren
500 $
im Monat auf dem Höhepunkt, vor der großen Podcast-Welle
5.000 $
zahlende Unterstützer:innen (zum Zeitpunkt des Gesprächs)
rund 1.000

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0:00Vom Agenturchef zum Spiele-Podcaster

Johannes Heim: … und schon mal ein bisschen was erzählen, während noch andere dazukommen. Es kommen sicher noch ein paar Leute. Also, hier ist Manuel von Insert Moin. Manuel spricht seit ganzen zehn Jahren über die verschiedensten Nerd-Themen und hat es auch geschafft, daraus einen Job zu machen. Davon erzählt er uns jetzt: wie das angefangen hat, wie es besser geworden ist und wie es sich am Ende sogar finanzieren ließ. Bitte schön.

Manuel Fritsch: Genau, das war die Kurzzusammenfassung. Ich bin Manuel Fritsch, ich bin freiberuflicher Journalist und Podcaster und spezialisiert auf den Spielebereich. Man sieht hinter mir vielleicht auch ein paar Brettspiele und ein paar Videospiele. Ich komme aber eigentlich aus der Agenturwelt. Ich war schon immer selbstständig, war noch nie angestellt, habe 15 Jahre lang eine Agentur geleitet und Unternehmen ins Internet gebracht. Dabei habe ich mich, berufsbedingt natürlich, schon immer für neue Medien interessiert und dann auch angefangen zu bloggen.

Manuel Fritsch: Und dann habe ich überlegt: Okay, wenn ich jetzt mein eigenes Blog mache – das war so in den 2000ern –, worüber schreibe ich denn da? Da war immer diese große Spieleleidenschaft, das ist mir sofort eingefallen. Das war der Startschuss: Ich habe angefangen, mich mit Spielen zu beschäftigen und über Spiele zu schreiben, und das hat sich immer weiterentwickelt. Dann hatte ich überlegt, ich muss jetzt mal Podcasts ausprobieren. Das war quasi der Schlüsselmoment: Ich habe Podcasts gehört und gedacht, das ist ein Medium, das reizt mich, das will ich auch ausprobieren.

Manuel Fritsch: Das war der Startschuss zu dem, was ich heute mache. Ich mache inzwischen hauptberuflich Podcasts und lebe tatsächlich auch vom Podcastmachen. Eine Sache ist Insert Moin, das hast du ja gerade schon angesprochen, Johannes. Das ist mein Hauptprojekt und meine Haupteinnahmequelle, komplett über Crowdfunding finanziert. Da können wir nachher noch im Detail drüber reden. Und inzwischen produziere ich auch Podcasts für andere: Ich schneide, produziere und moderiere und habe mir daraus ein zweites Standbein gemacht.

2:05Warum Kickstarter nicht passte und Werbung zu früh kam

Manuel Fritsch: Vielleicht noch kurz zur Ursprungsgeschichte: Vor zehn Jahren war das ganze Podcast-Thema noch ein bisschen neuer und frischer, das war noch nicht diese Riesen-Hypewelle. Deswegen habe ich das eher nebenberuflich angefangen. Dass ich heute davon leben kann und das hauptberuflich mache, war wirklich eine sehr lange Geduldsprobe.

Johannes Heim: Was meinst du, wie lange?

Manuel Fritsch: Na ja, 2010 habe ich mit dem Podcast angefangen, das war die erste Folge. Davor hatte ich schon meine Fühler in Richtung Spielejournalismus ausgestreckt. 2015, 2016 habe ich erstmals darüber nachgedacht, das mit Crowdfunding zu machen. Da gab es ja euren großen Mitbewerber aus den USA, euer Vorbild, der das etabliert hat. Ich kannte damals nur Kickstarter. Durch den Spielejournalismus hatte ich mitgekriegt, dass Kickstarter das heiße neue Ding war, und habe überlegt, ob das vielleicht etwas für uns wäre.

Manuel Fritsch: Aber Kickstarter hatte das Problem, dass es keine kontinuierliche Einnahmequelle ist. Du kündigst ein großes Projekt an, ein Spiel, eine Entwicklung, und kriegst dann auf einen Batzen Geld. Das hat für mich nicht funktioniert, weil wir ein Podcast waren, der relativ viele Folgen hatte und ein dauerhaftes Projekt war. Ich habe immer nach dem gesucht, was Steady oder damals Patreon dann neu reingebracht haben: dass man für ein Projekt dauerhaft Supporter und Supporterinnen findet. Als ich das gesehen hatte, war für mich klar: Das ist genau das, wie ich das finanzieren möchte.

Manuel Fritsch: Wir hatten davor nämlich auch recht viele Misserfolge und schlechte Erlebnisse mit Sponsoring. Wenn man heute über Podcast-Sponsoring redet, kennt man das, aus den USA natürlich auch: eingespielte Werbung und so weiter. Aber versetzt euch mal zurück ins Jahr 2010. Ich bin zu Kunden hin und habe gesagt: Hey, wollt ihr nicht Podcast-Werbung machen? Die haben mich alle angeschaut, als würde ich mit sonst einer komischen Idee um die Ecke kommen. Es war einfach noch viel zu früh, das Thema war noch nicht präsent, es gab keine Agenturen, die so etwas machen.

Manuel Fritsch: Deswegen war es wie ein Erweckungsmoment für mich zu sehen, dass es Crowdfunding für Künstler und Künstlerinnen und Comiczeichner gibt. Ich habe gedacht, das könnte genau etwas für mich sein, und das haben wir dann auch ausprobiert. 2015 oder so um den Dreh muss es gewesen sein – 2014 habe ich, glaube ich, meine Crowdfunding-Kampagne aufgesetzt. Das war der Startschuss zu dem Punkt, an dem wir heute sind.

4:31Einnahmen, Team und fünf Jahre nebenberuflich

Johannes Heim: Geil. Wie verteilt sich denn das, wenn du etwas dazu sagen magst: Wie viel ist Insert Moin, und wie viel ist die Produktion nebenher, anteilig an deinen Einnahmen? Ohne dass das jetzt eine Zahl sein muss.

Manuel Fritsch: Je nach Monat natürlich und je nach Auftragslage. Eine Zeit lang war Insert Moin tatsächlich so 80 zu 20, würde ich sagen. Im letzten Jahr habe ich durch die Pandemie auch relativ viele Aufträge angenommen, die Podcast-Branche ist auch gewachsen. Inzwischen würde ich sagen so 60 zu 30, 70 zu 30, je nach Schwankung. Wie gesagt, das ist immer schwer zu sagen, weil es als Freelancer mal mehr ist und mal weniger.

Johannes Heim: Alles spannend. Und Insert Moin machst du tatsächlich größtenteils alleine?

Manuel Fritsch: Ich habe ein Team. Ich bin schon der Hauptorganisator und mache die meisten Folgen. Aber ich habe zwei feste Komoderatoren, eine Komoderatorin und einen Komoderator, Anne und Micha, die im Monat ein bis zwei Folgen beisteuern, mal drei, vier. Die machen das auf Freelancer-Basis, gehören aber fest zum Team dazu. Ich sage auch immer: Wir sind Insert Moin. Aber rein wirtschaftlich ist es meine Firma, und ich bin der Hauptverantwortliche dafür.

Johannes Heim: Und die kosten auch ein bisschen Geld, das meine ich. Das muss man schon sagen.

Manuel Fritsch: Ja, die bezahle ich pro Folge. Wir rechnen das so ab, dass wir einen Satz ausgehandelt haben, wie viel sie pro Folge bekommen. Das ist aber auch erst durch das Crowdfunding möglich geworden. Vorher war Insert Moin wirklich ein Liebesprojekt, nenne ich es mal, in das sehr viel Herzblut und sehr viel Energie hineingegangen sind. Ich habe das echt fünf Jahre lang nebenberuflich gemacht. Ich hatte ja einen Hauptjob, ich habe eine Agentur geleitet, da steckt man eh schon mehr als 100 Prozent hinein.

Manuel Fritsch: Ich bin abends immer heimgekommen und hatte diese crazy Idee. Für die Leute, die Insert Moin nicht kennen: Wir waren zu der Zeit ein täglicher Podcast. Ich hatte diese verrückte Idee, jeden Tag einen Podcast zu veröffentlichen. Manchmal frage ich mich, warum ich auf diese Idee gekommen bin. Mein Grundgedanke dahinter war, eine Kontinuität zu schaffen, wirklich ein Projekt zu machen, eine Nische zu finden, die es so noch nicht gibt. Es gab schon Spiele-Podcasts zu der Zeit, es gab auch schon Onlinemagazine. Aber was es nicht gab, war ein täglicher Podcast, der jeden Tag über Spiele redet.

Johannes Heim: Das stimmt, guter Punkt.

Manuel Fritsch: Das war tatsächlich unser Unique Selling Point, unser Alleinstellungsmerkmal. Aber man kann sich vorstellen, das ist natürlich ein irrer Arbeitsaufwand, wenn man das nebenberuflich macht. Ich war jung und brauchte kein Geld.

7:16Patreon, Steady und das Plateau bei 500 Dollar

Johannes Heim: Das ist auch ein ganz interessanter Punkt: wann. Du bist ja mit Insert Moin seit Mitte 2018 bei Steady, das habe ich vorhin noch mal nachgeschaut. Ohne jetzt Zahlen zu nennen: Ich habe den Eindruck, es hat sich ab 2019, irgendwann Mitte 2019, langsam gelohnt. Was würdest du sagen?

Manuel Fritsch: Ich bin ja leider nicht komplett auf Steady, auch wenn ich das gerne wäre, weil wir vorher auf Patreon waren, seit 2014.

Johannes Heim: Und 2018 dann Steady, okay, wichtig.

Manuel Fritsch: Genau. Und ich habe immer gebettelt: Macht doch bitte SEPA, die Deutschen mögen gern SEPA.

Johannes Heim: Das haben sie bei Patreon, glaube ich, immer noch nicht eingeführt. Und auch die Euro-Währung kam erst letztes Jahr. Die haben sich jetzt ein bisschen hier in Berlin breitgemacht. Das hatten wir vorhin auch bei der Lage der Nation: Die sind ja bei Memberful, nicht bei Steady und nicht bei Patreon, auch wenn Memberful zu Patreon gehört. Und Memberful hat auch nur Kreditkarte, es gibt nicht mal PayPal.

Manuel Fritsch: Also, 2014 haben wir das etabliert. Wir waren schon relativ erfolgreich, was die Zahlen angeht, die Downloads, da waren wir schon ganz gut positioniert. Es gab zu der Zeit noch nicht so viele Podcasts, deswegen waren wir in den iTunes-Charts auch immer relativ weit oben. Durch das tägliche Format waren wir auch in der Bloggerszene relativ präsent und hatten schon eine ganz gute Community aufgebaut. Dann haben wir diese Patreon-Kampagne gestartet, und es kamen auch die ersten Supporter und Supporterinnen. Und dann ist es bei 500 Dollar stehen geblieben.

Johannes Heim: Was ja schon mal nicht schlecht ist.

Manuel Fritsch: Immerhin, genau. Das fand ich auch erst mal ein schönes Ziel, das wir da erreicht haben. Aber es ging dann nicht weiter. Dabei hatten wir Tausende von Downloads am Tag. Es war nicht mehr das Thema, dass man uns nicht kennt. Aber der Podcast war komplett frei, einfach im offenen Feed. Ich habe immer dazu aufgerufen: Wenn ihr uns unterstützen wollt – wir machen das komplett werbefrei, wir wollen auch werbefrei bleiben –, bitte unterstützt uns für unabhängigen Spielejournalismus. Und dann ist es einfach bei 500 stehen geblieben, damals waren es Dollar.

9:22Die Paywall: mehr Geld, weniger Hörer:innen

Manuel Fritsch: Ich habe dann immer überlegt: Irgendwie müssen wir da etwas machen. Wir müssen, glaube ich, eine kleine Schranke einführen. So blöd das immer klingt: So eine Paywall führt dann doch dazu, dass die Leute sagen, alles klar, jetzt muss ich mich doch mal überwinden und etwas in den Topf werfen. Das war wirklich der Moment, ab dem es aufwärts ging. Wir haben den schweren Schritt getan, ich musste mich schon sehr überwinden. Wir haben gesagt: Wir geben jetzt nicht mehr alle Folgen frei. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie krass der Schritt damals war. Aber wir haben gesagt: So und so viele Folgen gibt es noch frei, und der Rest ist nur noch für Supporter und Supporterinnen.

Johannes Heim: Okay.

Manuel Fritsch: Zwischendurch war es dann so, dass wir gesagt haben: nur noch die Sonntagsfolge. So ist es momentan auch: Nur die Sonntagsfolge ist frei, die restlichen Folgen sind für Supporter:innen.

Johannes Heim: Wie ist das angenommen worden? Wir haben oft Leute, die sagen: Bloß nicht. Oder: Das traue ich mich nicht.

Manuel Fritsch: Das war tatsächlich auch ein sehr schwieriger Schritt. Einerseits war es erfolgreich, weil wir in die Tausender hochgegangen sind. Wir waren relativ schnell bei 1.500 Dollar, 2.000 Dollar und so weiter. Die Leute haben gesagt: Gut, dass ihr endlich diesen Schritt geht, jetzt habe ich mich auch überwunden und werfe etwas in den Topf. Aber wir haben auch wahnsinnig viele Leute verloren, die wirklich sauer waren, weil wir ihnen etwas weggenommen haben. Das war rückblickend ein Fehler, andererseits aber auch wieder nicht.

Manuel Fritsch: Es war jetzt kein Shitstorm, aber wir haben wirklich sehr viele treue, loyale Menschen und Hörer:innen verloren. Wobei man auch sagen muss: Waren die wirklich so loyal und treu, wenn es ihnen das nicht wert ist, für diesen Podcast zu zahlen? Sie haben uns angeblich jeden Tag gehört und anscheinend total gemocht und gefeiert, aber konnten nicht damit klarkommen, dass wir jetzt Geld für unsere Dienstleistung wollen. Heute ist das ein bisschen etablierter, fast jeder Podcast hat irgendein Finanzierungsmodell. Aber wir waren tatsächlich die Allerersten in Deutschland, die als Podcast eine Paywall und eine Patreon-Kampagne hatten. Das gab es zu der Zeit nicht. Es gab nur Spiegel Online, die mal Flattr hatten, und solche einzelnen Versuche. Wir waren da relativ früh dabei und haben diese Wut, in Anführungsstrichen, auch ein bisschen abbekommen.

11:40Was die Paywall mit Reichweite und Downloads gemacht hat

Johannes Heim: Fragen können wir auch gerne jetzt gleich einbauen. Wie hat sich denn die Einführung so einer Paywall auf die Zahlen ausgewirkt, bei iTunes und so? Da waren ja wahrscheinlich auf einmal weitaus weniger Folgen pro Woche online. Wie viel weniger waren es denn? Wie war das Verhältnis, zehn Prozent oder so? Okay, das ist eigentlich überschaubar.

Manuel Fritsch: Nein, also, wir hatten nur noch zehn Prozent.

Johannes Heim: Ach so, sorry, dann habe ich das nicht gesehen.

Manuel Fritsch: Also, das ist ja eigentlich schon eine ganz gute Quote, wenn man aus dem Marketingbereich kommt. Ich war ja früher in der Agentur: Wenn man einen Newsletter versendet und drei, vier, fünf Prozent Conversion-Rate hat, dann ist das schon recht erfolgreich. Wir hatten, glaube ich, eine ganz gute Conversion-Rate von den Leuten, die uns frei gehört haben und dann zu Patreon oder zu Steady gekommen sind. Ich bin eigentlich nicht unzufrieden mit dem, was wir da erreicht haben. Aber wir hatten locker fünfstellige Downloadzahlen bei dem Podcast.

Manuel Fritsch: Das ist bei Podcasts ein bisschen schwer zu sagen, weil man keine Analytics hat, sondern nur die reinen Downloads. Bei einem monothematischen Podcast wie unserem ist es schwer zu messen, wie viele Leute tatsächlich deinen Podcast hören. Aber im Endeffekt haben wir jetzt nur noch um die 1.000 Leute, die uns unterstützen und hören. Die offenen Folgen sind immer noch vier- bis fünfstellig, aber wir haben schon ordentliche Reichweiteneinbußen gehabt. Fürs Sendungsbewusstsein oder fürs Ego ist das erst mal schmerzhaft. Ich hatte vorher 20.000, 30.000, 40.000 Downloads pro Folge, und dann gucke ich auf die Steady-Kampagne, und da sind es ein paar Hundert Leute, die die Folge herunterladen.

Manuel Fritsch: Aber gut, es sind die Leute, denen das wirklich etwas wert ist. Man muss sich darauf ein bisschen einstellen. Das Problem finde ich gar nicht so sehr das Selbstverständnis. Man macht es ja für die Leute, die einen wirklich schätzen und die das wirklich wollen. Das macht weiterhin sehr viel Spaß. Wir haben, glaube ich, auch eine sehr gute Community aufgebaut, auf Discord, mit der man direkter in Kontakt stehen kann als mit der großen, breiten Masse. Aber man hat nicht mehr dieses: Oh geil, ich bin in den iTunes-Top-10. Hinter der Paywall tauchen die Folgen ja nirgends mehr auf, man kann sie nicht mehr frei abonnieren.

Manuel Fritsch: Das größere Problem sehe ich eher darin, neue Leute für sich zu begeistern. Davor waren wir komplett frei und konnten sagen: Schaut her, wir sind jetzt auf Steady, kommt zu uns. Aber neue Leute zu erreichen, wenn 80, 90 Prozent deiner Inhalte hinter einer Bezahlschranke sind, ist wahnsinnig schwer.

14:09Was er heute anders machen würde

Johannes Heim: Wenn ich mit Leuten rede, die das einführen wollen, sagen wir oft: Das ist natürlich auch eine Frage der Kommunikation. Wir sagen dann so etwas wie: Sagt den Leuten, ihr macht dann mehr, und dann gibt es exklusive Extrafolgen. Aber in eurem Fall war es ja sehr viel. Konnte man das den Leuten von den Zahlen her nicht besser verpacken, als es gemacht wurde?

Manuel Fritsch: Das Grundproblem war einerseits, dass das unser Alleinstellungsmerkmal war: Wir waren der einzige tägliche Podcast, und ich glaube, bis heute gibt es so etwas nicht – vielleicht bei den Öffentlich-Rechtlichen, im Radio, aber sonst nicht, für Gaming nicht. Wir haben inzwischen 3.000 Folgen. Ich glaube, in der deutschen Podcast-Landschaft hat niemand in der kurzen Zeit, in zehn Jahren, so viele Folgen gemacht. Das Problem war, dass wir von Anfang an täglich waren, das Grundkonzept aber nicht für Monetarisierung gedacht war. Ich habe gedacht: Irgendwann haben wir eine große Reichweite, dann schalten wir Werbung, und dann finanziert sich das unter Umständen.

Manuel Fritsch: Aber ich habe dieses Projekt gar nicht mit dem Hintergedanken angefangen, dass das mal mein Hauptjob werden könnte. Dass es sich so entwickelt hat, hat sich eher ergeben. Ich hatte ja einen Job, eine Agentur. Aber wenn ich jetzt ein neues Projekt starten würde, würde ich definitiv sagen: die Hauptinhalte freilassen und dann Bonusfolgen anbieten, immer mehr zusätzliche Sachen dazugeben. Das ist von der Kommunikation her sehr viel einfacher. Aber bei einem täglichen Format zu sagen, wir machen noch mehr, das war weder organisatorisch noch inhaltlich sinnvoll.

Johannes Heim: Nee, klar. Den Leuten etwas wegzunehmen, das ging nicht anders. Aber es hat sich tatsächlich gerechnet.

Manuel Fritsch: Das war nicht so ideal.

Johannes Heim: Aber in the long run war es dann schon okay. Das muss man eben immer sagen. Das ist auch ein Problem: Du machst das schon so lange, und es gab eine Zeit, in der das noch weniger selbstverständlich war. Es ist auch immer noch nicht selbstverständlich.

Johannes Heim: Ich weiß, dass die meisten Leute in meinem Umfeld auf Patreon und Steady niemanden unterstützen, und schon gar nicht so viel wie ich. Ich bin da eine Anomalie in der Statistik: Ich gebe insgesamt 30, 40 Euro im Monat auf Steady und Patreon aus. Deswegen wird das noch ein bisschen dauern.

16:25Warum es keine Einzelfolgen zu kaufen gibt

Johannes Heim: Man liest auch immer wieder, dass Einmalzahlungen so oft gewünscht werden. Das Problem ist, dass die Leute nicht verstehen: Bei Einmalzahlungen musst du jemanden immer wieder dazu bringen, dass er mal wieder etwas zahlt. Leute, die über Patreon oder Steady unterstützen, bleiben dagegen in der Regel sehr lange dabei, wenn sie erst mal dabei sind. Das ist auch eine der meistgefragten Sachen: Ist es bei euch nicht möglich, eine einzelne Folge zu kaufen?

Manuel Fritsch: Das ist halt schwierig, weil man diesen ganzen organisatorischen Aufwand hat. Klar übernehmen Patreon und Steady die Abrechnung für einen. Aber wir hatten auch mal einen Ein-Dollar-Pledge, also eine Unterstützung für einen Dollar. Da bleibt halt nichts übrig.

Johannes Heim: Nee. Das ist der Grund, warum Patreon das mal abschaffen wollte und es dann auf Druck doch nicht gemacht hat. Damals fand ich das auch blöd, da war ich noch nicht bei Steady. Als ich das dann verstanden habe, war mir klar, dass es von Patreon eigentlich sogar eine gute Idee war, aber eben zu spät.

Manuel Fritsch: Klar wäre es im ersten Gedanken wünschenswert. Es wäre auch ein Markt für uns, einzelne Folgen zu einzelnen Spielen für einen Euro oder so nachzuhören, wenn dieser Verwaltungsaufwand nicht wäre. Flattr hatte so etwas mal probiert. Für Podcasts wäre es natürlich sinnvoll, dass man ein Budget hat. Aber ich denke mir auch immer: Wenn man bestimmte Folgen hören will, ist es wie bei einem Zeitungsabo. Man kauft ja auch nicht nur einen einzelnen Artikel bei einer Tageszeitung, sondern hat dann auch den Sportteil, auch wenn man nur das Feuilleton lesen will. So sehe ich uns auch. Wir bieten ein breites Themenangebot.

Manuel Fritsch: Dann wirft man halt mal 5 Euro ein und hat Zugriff auf alle Folgen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn man uns nur monatsweise abonniert, oder alle paar Monate für einen Monat, und sich dann die Folgen anhört. Man kann das theoretisch gleich wieder deabonnieren und hat trotzdem die 30 Tage Zeit. Das stört viele Leute aus irgendeinem Grund trotzdem, und das wundert mich. Bei Patreon und bei Steady ist es verhältnismäßig einfach, mit ein paar Klicks zu kündigen, und dann kann ich trotzdem 30 Tage alles anhören.

Johannes Heim: Dann hat man eigentlich die Einmalzahlung, man muss halt gleich wieder kündigen. Aber es lohnt sich auf Dauer nicht, wie du schon gesagt hast, wegen des Aufwands, der dahintersteckt. Und wegen der Gebühren natürlich auch.

Manuel Fritsch: Genau, hauptsächlich auch wegen der Gebühren. Das tut mir den Leuten gegenüber manchmal ein bisschen leid. Aber in the long run bringt das tatsächlich nichts.

18:41Der Schritt in die Selbstständigkeit

Manuel Fritsch: Genau so hat sich das dann weiterentwickelt. Es war wirklich dieser Schritt, bei dem wir gesagt haben: Alles klar, wir haben jetzt zwar sehr viele Zuhörer:innen verloren, in Anführungszeichen, aber die wertvollen dazugewonnen. Da war dann erst mal klar: Okay, das könnte tatsächlich ein Job werden. Als ich gesehen habe, die Zahlen gehen hoch, wir sind bei 1.500, bei 2.500, bei 3.000 Dollar, da dachte ich: Ich könnte mich trauen. Das ist natürlich immer der nächste große Schritt: den Hauptjob aufzugeben und zu sagen, ich stürze mich voll in diese Crowdfunding-basierte Geschichte, die ja keine Sicherheit ausstrahlt.

Manuel Fritsch: Da hatte ich natürlich den Vorteil, dass ich diese Sicherheit als Selbstständiger sowieso nie gespürt habe. Ich hatte noch nie einen festen Job, deswegen war das für mich nur ein Transfer.

Johannes Heim: Guter Punkt.

Manuel Fritsch: Ich musste mir eigentlich nur organisatorisch klarmachen: Wenn ich so weitermache, renne ich wirklich in den Burn-out. Ich hatte die Agentur, ich hatte Familie mit zwei jungen Kindern, und ich habe abends bis in die Puppen gepodcastet, um dieses Projekt am Laufen zu halten. Über die Weihnachtsfeiertage vor fünf Jahren oder so habe ich mir dann wirklich die Ruhe genommen und mich gefragt: Wo schlägt mein Herz? Ich will das wirklich versuchen mit Insert Moin, diesen Schritt gehen, und ich traue mir das auch zu. Auch wenn es jetzt vielleicht mit 2.000 Euro im Monat oder so – das muss man ja auch noch alles versteuern – noch nicht zum Leben reicht.

Manuel Fritsch: Aber ich kann zumindest meine Miete zahlen, und mit anderen Projekten als Freelancer werde ich schon irgendwie über die Runden kommen. Mit der Hoffnung, dass es natürlich noch wächst, wenn ich die Energie habe, mehr hineinzustecken. Diesen Schritt musste ich dann irgendwann gehen. Ich bin aus meiner Agentur ausgestiegen, die Kollegen dort machen fleißig weiter. Und das war echt gut: auf einmal die Freiheit zu haben, auch tagsüber an diesem Herzensprojekt weiterzuarbeiten, mit dem Gefühl im Hintergrund: Okay, geil, dieses Crowdfunding finanziert mir das jetzt, und ich kann mich den ganzen Tag um dieses Projekt kümmern. Ich bin dieser Crowdfunding-Idee unendlich dankbar, weil das genau das ist, was ich immer machen wollte.

Johannes Heim: Großartig. Ich muss auch sagen: Als ich damals über ein, zwei YouTuber, die ich mochte, auf Patreon gestoßen bin, dachte ich auch: Endlich macht es jemand. Einfach weil ich dachte, toll, dann kann der das den ganzen Tag machen, das ist ja dann sein Job. Das erlebt man heute immer noch oft. Ich habe gerade vor ein paar Tagen gesehen, dass jemand unter einem YouTube-Video schrieb: Wie schade, dass wir mit unseren Videos kein Geld verdienen können. Da dachte ich: Natürlich könnt ihr das. Das ist eine Frage von Konsistenz, wie du schon gesagt hast, von Geduld und all diesen Geschichten, aber das geht.

Johannes Heim: Ich glaube, man muss den Leuten ganz oft erklären: Du bist dann halt selbstständig. Das ist den Leuten oft nicht klar. Die sagen dann, ich bin Podcaster, sehen das aber nicht als richtigen Job. In Deutschland ist alles immer sehr normiert. Ich glaube, man muss einfach sagen: Ja, du machst dann den Schritt in die Selbstständigkeit.

21:46Netzwerken und wechselnde Gäste

Manuel Fritsch: Genau. Und ganz wichtig noch, weil es immer so klingt, wenn die Leute hören: Ich bin freier Spielejournalist und Podcaster. Ich mache den ganzen Tag nichts als spielen. So ist es ja nicht.

Johannes Heim: Schön wär's.

Manuel Fritsch: Das muss man noch mal dazusagen. Man hat überhaupt erst mal die Zeit, sich um das Projekt zu kümmern, und zwar nicht nur um die Inhalte, die man sowieso machen muss, sondern auch um das ganze Drumherum. Mein Tag besteht nur zu einem kleinen Teil daraus, wirklich einen Podcast aufzunehmen und Spiele zu spielen. Ich mache Community-Management, verwalte die Seite, schicke den Leuten ihre Stretch Goals zu und solche Geschichten. Man hat diesen ganzen Verwaltungsaufwand drumherum, und das ist eigentlich der Job.

Manuel Fritsch: Ein ganz wichtiger Teil, weil vorhin im Vorgespräch auch nach Tipps gefragt wurde: Netzwerken, Networking. Das klingt immer wie etwas, das man schon oft gehört hat. Aber beim Podcasten war das bei mir einer der Schlüsselmomente, warum unser Podcast so angenommen wurde und funktioniert hat. Die Grundidee war: Ich mache mit einem Freund von mir jeden Tag einen Podcast. Wir haben uns jeden Morgen, nachdem die Kinder im Kindergarten waren und bevor ich in die Agentur bin, darüber unterhalten, was wir am Vorabend gespielt haben.

Manuel Fritsch: Und auf einmal gehe ich in mein Skype – wir haben damals noch Skype genutzt –, und er sagt: Ich habe keine Stimme, ich bin erkältet, meine Stimme ist weg. Und ich so: Wie? Wir sind bei Folge 74 von unserem Megaprojekt, wir können jetzt nicht vor Folge 100 aufhören. Ich will dieses Projekt nicht abbrechen, bevor wir Folge 100 erreicht haben. Dann bin ich durch meine Skype-Kontaktliste gegangen, habe einen anderen Blogger-Freund angerufen und gesagt: Bitte rede mit mir über Spiele, ich muss dieses Projekt am Laufen halten.

Manuel Fritsch: Da haben wir gemerkt: Das ist ja viel reizvoller, immer wieder neue Gäste dabeizuhaben. Unser Podcast besteht in der Regel aus drei Hauptmoderator:innen, die immer mit unterschiedlichen Gästen aus der gesamten Branche und der ganzen Industrie reden. Das war für mich der Schlüsselmoment, in dem ich gemerkt habe: Damit kriegt man auch Reichweite. Damit bereichern wir den Podcast inhaltlich und sind nicht nur diese Kerntruppe, drei Männer, die über irgendetwas reden, wie fast jeder Podcast. Wir bringen auch Perspektiven und Menschen ans Mikrofon, die vielleicht sonst nicht so viel zu Wort kommen.

Manuel Fritsch: Das hat mich auch total erfüllt, als ich gemerkt habe: Das ist inhaltlich genau das, was ich machen möchte, mich mit neuen Leuten austauschen, neue Perspektiven auf Spiele und Themen haben. Und es ist auch ein Tipp, um die Reichweite zu erhöhen. Natürlich hören dann auf einmal neue Leute zu, wenn du einen bekannten YouTuber einlädst oder jemanden von einem Format, das vielleicht schon ein bisschen größer ist, dich mit ihm über Spiele austauschst und dann einen Retweet oder so etwas bekommst. Eine ganz einfache Sache, aber sie hat uns über die Jahre, glaube ich, sehr viel geholfen.

24:56Wenn das Hobby zum Beruf wird

Johannes Heim: Was mir noch eingefallen ist, gerade weil du gesagt hast, die Leute denken, der spielt den ganzen Tag Computer: Selbst wenn das der Fall wäre – und das gilt nicht nur für Nerd-Themen, sondern allgemein, wenn man sein Hobby zum Beruf macht. Ich hatte mal etwas gelesen, über GameStar-Redakteure oder wer es war, die gesagt haben: Man darf nicht vergessen, dass man dann spielen muss. Du hast ein Spiel, das dir nicht gefällt, aber du musst einen Artikel darüber schreiben, weil es gerade das Spiel ist oder weil es dir zugeteilt wurde. Und dann ist es zu schwer oder einfach nervig.

Johannes Heim: Das gilt für alle Themen, die man vielleicht erst in seiner Freizeit gemacht hat und dann professionalisiert. Da muss man sich überlegen, ob das etwas für einen ist. Wir wollen hier natürlich niemanden davon abbringen, aber das sollte man wahrscheinlich nicht unterschätzen. Es ist natürlich trotzdem immer toll, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann.

Manuel Fritsch: Ganz klar, das ist eine ganz wichtige Sache. Ich mache auch den offiziellen Shopify-Podcast, in dem ich mit Gründern und Gründerinnen über ihre Gründungsgeschichte rede. Auch da ist es immer wieder ein Thema: Du liebst eine Sache, du glaubst, du kannst sie besonders gut, und dann gründest du eine Firma darüber, und auf einmal ist das nur noch ein Teil des Ganzen. Beim Spielen ist das genauso. Wenn du das Hobby zum Beruf machst, musst du dich so sehr damit auseinandersetzen, dass nicht alles daran immer Spaß macht. Das gehört dazu.

Manuel Fritsch: Wir hatten auch einen ehemaligen Moderator, dem das zu viel wurde. Er hat gesagt: Ich habe die Lust am Spielen verloren, weil ich immer spielen muss für den Podcast. Es gehört dazu, sich solche Dinge einzugestehen und dann vielleicht mal ein paar andere Dinge zu machen. Wenn ich solche Phasen habe, mache ich zum Beispiel mehr Interviews. Dann hole ich Entwickler:innen ans Mikrofon und rede mit ihnen übers Spielemachen, wenn ich nicht so richtig Lust habe, ein Spiel spielen zu müssen. Weil es das eigene Projekt ist, kann man die Inhalte ja selbst gestalten.

Manuel Fritsch: Ich schreibe ja auch für die GameStar, ich kenne das genauso. Da muss man auch mal Spiele spielen, die keinen Spaß machen. Aber als Freelancer hat man auch die Freiheit zu sagen: Ich mache nur die Sachen, die mich interessieren.

27:11Wie die Podcast-Feeds mit Steady funktionieren

Johannes Heim: Tubi fragt: Heißt das bei eurem Podcast, dass die Abonnent:innen den Podcast hauptsächlich über die Steady-Plattform anhören?

Manuel Fritsch: Nein. Ein Podcast wird ja über einen RSS-Feed ausgesendet. Das Schöne an Steady, und das ist ein Riesenvorteil gegenüber Patreon: Die Datei kommt wirklich von unserem Server. Ich lade den Podcast auf unseren eigenen Server hoch, ein WordPress-Hosting, über das auch der öffentliche Feed ausgespielt wird. Die privaten Folgen hinter der Paywall lade ich bei Steady hoch, und dort wird pro Nutzer:in ein eigener RSS-Feed erzeugt. Ich sehe in meinen Statistiken aber trotzdem, wie oft die Folgen heruntergeladen wurden.

Manuel Fritsch: Bei Patreon dagegen muss ich die Folge wirklich einzeln hochladen, und dort habe ich eine absolute Blackbox. Ich sehe nicht, wie viele Leute die Folge gehört haben. Es ist tatsächlich ein großer Vorteil von Steady, dass ich in der Statistik, in meinem Analysetool, trotzdem diese Downloads sehe. Das Tool kriegt nicht mit, ob das über Steady läuft oder sonst wie. Es kriegt nur diesen RSS-Feed, den Paywall-Feed, den Steady erzeugt. Und Steady prüft, ob das Abonnement noch läuft oder nicht, und je nachdem ist der Feed gültig oder nicht.

Johannes Heim: Bei Patreon ist das natürlich auch ein bisschen eine Glaubens- und Philosophiefrage. Die haben da teilweise sehr YouTube-zentrierte Funktionen auf der Website, und die sorgen natürlich auch dafür, dass die Leute Patreon nutzen. Die YouTuber ziehen eben auch die Leute zu Patreon. Wir sagen da immer relativ offen: Das ist nicht so sehr unser Interesse. Wir wollen eigentlich, dass die Leute nur zum Zahlen zu uns kommen und eigentlich beim Publisher sind. Wie gesagt, das ist auch eine Glaubensfrage. Das kann auch Vorteile haben, wenn man das auf Patreon macht, wo dann alle sagen: Du kannst meine Videos drei Tage vorher angucken, und das ist dann dahinter, und so weiter und so fort. Aber ich kann gut verstehen, dass jemand sagt: Das andere gefällt mir deutlich besser.

29:13Was die Paywall inhaltlich verändert hat

Johannes Heim: Es gibt noch eine Frage: Hat die Paywall den Podcast inhaltlich verändert, dadurch dass mehr Fokus auf dem Podcast liegt?

Manuel Fritsch: Gute Frage. Sie hat ihn insofern verändert, dass er meiner Meinung nach qualitativ besser geworden ist, weil wir dadurch unabhängig bleiben können. Das ist für mich eigentlich der Hauptzweck: Ich bin nicht klickorientiert. Ich kenne das ja als Onlinejournalist. Wenn ein neues Thema da ist, muss es zack, zack, zack sofort online sein. Zum Beispiel: Das neue Halo kommt raus, dann muss dieser Test online sein, sonst verpasst du die Klicks, und dann verlierst du wieder die Werbekunden.

Manuel Fritsch: Durch die Paywall haben wir den Vorteil, dass wir sagen können: Das ist ein Thema, das uns wichtig ist, da möchte ich auch diese Arbeit hineinstecken, die Recherche, und mir die Zeit nehmen, den Podcast erst dann zu veröffentlichen, wenn ich das Gefühl habe: Jetzt kann ich mich gut damit auseinandersetzen, jetzt habe ich den passenden Gast dafür, ich habe es genügend gespielt und genügend recherchiert. Das ist eine ziemliche Befreiung, finde ich: nicht von Klickzahlen abhängig zu sein und von Werbekunden unabhängig zu bleiben. Das ist für mich der größte Gewinn, und der hat meiner Meinung nach auch inhaltlich Auswirkungen. Man kann es so nennen: Es liegt mehr Fokus auf der Qualität und nicht so sehr auf der Aktualität.

Johannes Heim: Das ist eigentlich fast schon ein natürlicher Shift, der da stattfindet. Wenn ich zum Beispiel mit meinem YouTube-Kanal 20 Euro im Monat über Steady bekomme, wäre es natürlich anders, wenn es jetzt, sagen wir mal, 200 wären. Dann würde ich sagen: Gut, 200 Euro, da erwarten die Leute schon etwas. Dann habe ich aber auch eine positive Erwartung, weil ich mir sage: Ich sitze hier nicht nur und mache für mich Videos. Insofern kann so eine Monetarisierung auch einen ganz direkten positiven Einfluss auf die Produktion haben.

Manuel Fritsch: Absolut. Es ist sehr viel entspannter, und man kann auch Nischenthemen fördern. Mir ist zum Beispiel wichtig: Ich habe die fantastische Journalistin Nina Kiel bei uns ins Team geholt, die ein sehr spezielles Thema hat, nämlich Sexualität in Videospielen. Sie hat auch ein Buch dazu geschrieben. Sie schaut sich wirklich obskure Indiespiele an, die sich mit Sexualität beschäftigen und teilweise auch sehr explizit sind. So etwas hat bei uns jetzt ein eigenes Format bekommen, monatlich, das ich ihr auch bezahlen kann. Für so ein Format würdest du keine Werbekunden finden, und es würde auch keine Klicks erzeugen. Das sind Nischenthemen für ein Nischenpublikum. Aber mir ist es wichtig, auch so eine Perspektive inhaltlich abzubilden und journalistisch die Bandbreite zu zeigen, die Videospiele haben. Erst die Paywall ermöglicht mir, solche Dinge zu machen und auszuprobieren.

32:05Unabhängig von Klicks und Werbekunden

Johannes Heim: Das ist nämlich das, was vielen Leuten nicht klar ist. Viele denken, Monetarisierung sei eine Art Sellout, wie wenn eine Band zu einem großen Plattenlabel geht. Mir ist es bei YouTube immer aufgefallen: Jemand, der eine bestimmte Fanbase hat und das über Steady oder Patreon finanziert, kann in seinen YouTube-Videos reden, worüber er will. Solange YouTube nichts dagegen hat, kann er erzählen, was er will und wie er will. Die Leute denken oft, dass das Geld einen bindet. Klar bindet es an die Produktion, aber das wollen die Leute eh machen, und sie wollen es mehr machen. Gleichzeitig befreit es dich, weil dich deine Community, die Leute, die das eh mögen, befähigt, noch mehr von dem zu machen, was du willst, und es noch viel spezifischer zu machen.

Johannes Heim: Und das ist ja das, was gebraucht wird. Oft wird gesagt: Ich muss allgemein aufgestellt sein, damit ich das finanzieren kann. Die GameStar zum Beispiel muss alle großen Spiele besprechen. Jemand mit einem Podcast wie deinem könnte theoretisch sagen: Man kennt mich für meine Indie-Berichterstattung, wir machen nur noch Indie-Games. Das geht ja erst durch die Monetarisierung, dass du diese Macht hast zu entscheiden, wohin es geht.

Manuel Fritsch: Ganz genau. Ich finde, man wird eher vom Geld der Werbekunden abhängig, wenn man sich darauf einlässt, weil man sich dann gewisse Themen vielleicht nicht mehr traut, aus Angst, Werbekunden zu verlieren. Die GameStar selbst hat es inzwischen auch – ich schreibe ja, wie gesagt, für die GameStar. Die haben ihren Plus-Bereich, und auch da kommen jetzt Themen, Artikel, Essays und Reportagen, die nur finanzierbar sind, weil sie nicht klickabhängig sind. Auch die haben das Modell inzwischen sehr erfolgreich umgesetzt, mit ihrem eigenen System.

Johannes Heim: Ich persönlich fand es ein bisschen umständlich, aber wenn es für die funktioniert, ist es ja gut. Die hätten wir natürlich gerne gehabt. Ist nicht passiert.

34:10Höchststand, Konkurrenz und weniger Folgen

Johannes Heim: Hatte noch jemand eine Frage? Sonst kannst du auch noch ein bisschen erzählen, was dich gerade beschäftigt. Hast du aktuell ein Ziel? Hättest du gerne, dass der Podcast zum Beispiel noch mehr Raum in deinem Berufsalltag einnimmt? Oder gab es gewisse finanzielle Meilensteine, die du erreicht hast oder bei denen du gemerkt hast: Da würdest du gerne hin, dann könntest du das und das anders machen?

Manuel Fritsch: Wir waren mit dem Podcast schon mal deutlich erfolgreicher finanziell aufgestellt, kurz bevor die große Welle an Podcasts kam. Wir waren zwischenzeitlich kurz bei 5.000 Dollar im Monat. Da war ich richtig happy, total glücklich, weil ich das Gefühl hatte: Okay, das ist jetzt wirklich ein Standbein, das kann man auch nach Steuern als Gehalt bezeichnen, auch wenn ich ein paar Freelancer habe. Dann kam aber die große Welle. Ich schätze die Kollegen sehr, die jetzt alle in Deutschland aufgetaucht sind. Aber inzwischen ist wirklich jeder Konkurrenz geworden, gar nicht mal inhaltlich oder auf einer menschlichen Ebene. Wir arbeiten alle eng zusammen, ich habe mit allen Kontakt, wir sind ständig zu Gast bei den anderen Podcasts und sie bei uns. Ich tausche mich mit ihnen auch über Dinge aus, die uns bei Steady und Patreon nerven.

Johannes Heim: Klar, das ist gar kein Thema.

Manuel Fritsch: Aber die Menschen, die in Deutschland Podcasts hören, sind insgesamt nur ein paar mehr geworden. Wenn ich jetzt in den Spielebereich gucke, gibt es sehr viele Spiele-Podcasts, sehr viel Angebot. Und die Aufmerksamkeit, die Zeit und das Geldbudget sind einfach bemessen, gerade für das Thema. Die würden vielleicht noch einen Politik-Podcast bezahlen, aber nicht noch einen.

Ich merke das bei mir auch. Ich verschiebe mein Geld auf Patreon und Steady, wenn ich irgendetwas nicht mehr so mag oder etwas anderes unbedingt unterstützen will. Dann denke ich mir: Vielleicht musst du da mal etwas abziehen. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, 100 Euro im Monat oder so.

Manuel Fritsch: Ganz genau, und damit muss man klarkommen. Wir haben schon gemerkt, dass wir jetzt natürlich auch auf dem absteigenden Ast sind. Es ist immer noch relativ stabil, aber das Angebot ist einfach größer geworden, und das merken wir. Deswegen mussten wir irgendwann in den sauren Apfel beißen, als wir gemerkt haben, es wird immer weniger und es reicht nicht, um es hauptberuflich zu nennen. Wir haben gesagt: Wir reduzieren die Folgen ein bisschen und arbeiten an unserer Qualität. Wir sind von täglich runtergegangen auf Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag. Das ist immer noch mehr als genug. Aber ich habe jetzt jeweils einen Tag dazwischen Zeit, um mich besser auf den Podcast vorzubereiten, ihn inhaltlich ein bisschen aufzuwerten und nebenher auch andere Projekte zu machen.

Manuel Fritsch: Ich habe mir, wie ich vorhin schon angekündigt habe, ein zweites Standbein aufgebaut, weil ich auch langfristig geguckt habe: Wie sieht das in 10 oder 15 Jahren aus? Werde ich dann immer noch der sein, der täglich über Spiele redet? Wo bin ich in zehn Jahren? Dann habe ich gedacht: Mit dieser Expertise, seit zehn Jahren Podcasts zu produzieren und zu schneiden, muss man doch etwas machen können. Das hat auch ganz gut funktioniert. Ich kann jetzt sehr entspannt auf das letzte Jahr und die letzten zwei Jahre gucken. Ich bin nicht mehr zu 100 Prozent davon abhängig, dass Insert Moin wächst und sich finanziert, sondern habe mir aus meiner Expertise weitere Standbeine aufgebaut.

Manuel Fritsch: Das finde ich immer einen ganz wichtigen Punkt für die Selbstständigkeit: sich nicht von einer Plattform oder einer Sache abhängig zu machen, sondern mehrere Standbeine aufzubauen. Das gehört zur Selbstständigkeit dazu, dieses Pareto-Prinzip: 80 Prozent des Umsatzes kommen von 20 Prozent. Wenn dir der Kunde oder diese eine Sache wegbricht … Durch Crowdfunding ist das schon ein bisschen aufgefangen. Aber man hat es an den YouTubern gesehen: Als bei YouTube das Werbegeld auf einmal auf viel mehr Leute verteilt war, gab es auch viele, die gesagt haben, ich kann davon nicht mehr leben. Genauso ist es bei uns im Podcast-Geschäft jetzt auch ein bisschen passiert: Es verteilt sich auf sehr viel mehr Podcasts, und bei den einzelnen Personen bleibt, bis auf ein paar große, sehr viel weniger hängen.

38:16Apple-Abos, YouTube und die Abhängigkeit von Plattformen

Johannes Heim: Das hast du deutlich gemerkt. Maurice hat auch geschrieben: Was hältst du von den neuen Abos, die jetzt zum Beispiel durch Apple angeboten werden? Steht das in Konkurrenz zu Steady, oder wie lässt sich das gut kombinieren? Da kann ich auch noch etwas erzählen, aber erzähl du mal.

Manuel Fritsch: Apple ist da viel zu spät dran. Die hätten vor zehn Jahren die Chance gehabt, Marktführer zu werden, und ich verstehe bis heute nicht, warum sie dieses Geld haben liegen lassen. Apple ist zwar nie die Firma, die als Erste etwas macht. Aber spätestens als Patreon angefangen hat und Abos für Inhalte gang und gäbe waren, hätte ich eigentlich erwartet, dass Apple früher mit Abos einsteigt. Irgendwie waren ihnen Podcasts nie wichtig. Das verstehe ich auch nicht, obwohl iTunes lange Zeit der zentrale, fast der einzige Ort für Podcasts war.

Johannes Heim: Das stimmt. Sie hatten die Inhalte ja nie.

Manuel Fritsch: Ich glaube, weil es ein offenes Format mit RSS ist, hat Apple immer gesagt: Wie sollen wir das denn monetarisieren? Und sie haben sich nie herangetraut. Ich bin froh, dass sie es jetzt machen, aber es ist mir zu teuer. Die Gebühren sind völlig unverhältnismäßig, bei YouTube ist es das Gleiche. Deswegen haben wir das für uns abgelehnt. Ich glaube nicht, dass ich durch Apple-Abos arg viel mehr neue Leute erreichen würde, und der Aufwand rechtfertigt sich für mich nicht bei den Kosten, die dahinterstehen. Also: zu spät und zu teuer.

Johannes Heim: Bei YouTube war es, glaube ich, ein total logischer Schritt, dass sie dieses Mitgliedschaftsprogramm eingeführt haben, und manche nutzen es auch gerne. Ich hatte das gerade auch mit einem neuen Publisher auf Steady, der gesagt hat, er startet mit dem YouTube-Mitgliedschaftsprogramm und mit Steady. Ich habe gesagt: Das ist dir vollkommen überlassen. Das Ding ist: YouTube ist teurer, weil die Gebühren für die Plattform sehr hoch sind. Und es macht natürlich immer Sinn zu diversifizieren, woher das Geld kommt.

Johannes Heim: Wenn jemand auf YouTube ist und sich über Patreon und Steady finanziert und YouTube auf einmal entscheidet, den gesamten Kanal zu löschen, was durchaus passieren kann, dann kriegst du immer noch das ganze Geld. Du kannst deinen Leuten mitteilen, dass du deine Videos jetzt da und dort hochlädst oder meinetwegen auf Google Drive, und sie sollen sie sich da herunterladen. Wenn du aber alles auf YouTube hast, auch dein Geld, und die löschen deinen Kanal, dann ist dein gesamtes Geld sofort weg. Bei Apple ist es ähnlich. Es schadet, glaube ich, nicht, das dazuzunehmen, wenn man auf Apple Podcasts unterwegs ist. Aber es kann Sinn machen, dass man seine Leute über so etwas wie Steady erreicht und sich darüber finanziert, weil man dann, wenn es hart auf hart käme, wahnsinnig plattformunabhängig ist. Und Apple hat ja auch kein Pay-per-Listening oder so etwas als Alternative.

Manuel Fritsch: Das wäre für mich noch eine Möglichkeit: Wenn Apple gesagt hätte, einzelne Folgen lassen sich über iTunes kaufen, so wie bei den Filmangeboten oder bei den Songs, jeder Podcast 99 Cent, dann würde ich darüber nachdenken. Das wäre für mich eine Alternative, die Steady und Patreon ergänzen würde. Aber so ist es nur ein weiteres Abo, das auch wieder Kommunikation erfordert. Mir wird ja auch immer gesagt: Warum lädst du die Podcasts nicht auf YouTube hoch? Da sage ich: Man muss gucken, welche Zeit man in was investiert und was dabei herumkommt.

Manuel Fritsch: Investiere ich jetzt die Zeit in ein Apple-Abo, muss ich es auch wieder kommunizieren. Ich habe ja jetzt schon immer diese doppelte Geschichte, dass ich sage: Unterstützt uns auf Patreon oder auf Steady. Das sind schon zwei Sachen. Und ich muss den Podcast jeden Tag an drei Stellen hochladen: bei uns auf dem Server, ich muss ihn bei Steady posten, und ich muss ihn bei Patreon posten. Wenn jetzt auch noch YouTube und Apple dazukommen, habe ich den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als irgendwo Podcasts hineinzustellen. Das will ich auch nicht. Es ist immer eine Abwägung, was sich rechnet und was sich lohnt.

42:02Kann Steady jemanden rauswerfen?

Johannes Heim: Die nächste Frage ist vielleicht etwas allgemeiner, finde ich auch sehr gut. Angelika fragt: Ist Steady nicht auch eine Drittplattform, die mich jederzeit deplatformen kann? Ich kann mich zum Beispiel bei Patreon an eine Situation erinnern, als es um sexuelle Inhalte ging. Das ging eine Zeit lang bei Patreon ganz gut, und dann haben die Plattformen in Amerika das ein bisschen anders entschieden, und bums waren alle Creator aus der Ecke weg. Bei Steady ist das theoretisch natürlich genauso, das stimmt. Wir haben da keine Beispiele, bei denen wir Leute von jetzt auf sofort rausgeschmissen haben, ohne dass sie vorgewarnt wurden.

Johannes Heim: Das ist der Grund, warum ich gesagt habe, dass es Sinn machen kann, über mehrere Plattformen zu gehen. Wenn ich auf YouTube meine Videos habe und mich auf Steady finanziere, habe ich das zumindest über zwei Plattformen diversifiziert. Wenn ich das nur auf einer Plattform habe, nur auf YouTube zum Beispiel, ist es einfach ein größeres Risiko. Wie gesagt, wir haben das kaum gehabt. Wir hatten eine unschöne Zeit mit KenFM, darüber kann man auch ruhig reden. Aber das hatte andere Gründe.

Das ist ja sinnvolles Deplatforming.

Johannes Heim: Ja, schon, aber das ist trotzdem passiert. Die waren bei uns, und wir haben gedacht, es geht. Wir haben das intern besprochen und gesagt: Die sind schwierig, aber sie sind so on the edge. Und irgendwann haben wir gemerkt: Nee, sie sind doch nicht on the edge. Da hatten sie natürlich schon einen gewissen Erfolg bei uns. Das kann man ruhig auch mal sagen. Aber daran merkt man vielleicht auch, dass es bei uns sehr viel unwahrscheinlicher ist als bei Patreon, weil die Amerikaner da immer sehr viele Befindlichkeiten haben, selbst wenn es kein amerikanischer Content Creator ist, er es aber trotzdem über Patreon macht.

Manuel Fritsch: Um die Frage von Angelika noch zu beantworten: Ja, aber nur, wenn man rein auf Steady postet, was natürlich die wenigsten Content Creator wahrscheinlich machen. Mein Tipp wäre definitiv: Besorgt euch einen eigenen Server und eine eigene Plattform, und nutzt Steady als Finanzierungsplattform und nicht als Contentplattform. Ich finde die Startseite, die Steady jetzt automatisch für unseren Podcast erzeugt, auch schön. Die ist eigentlich genauso nutzbar wie eine eigene Website. Wenn ich jetzt einen frischen Podcast anfangen würde, könnte ich auch sagen, ich mache das nur auf Steady. Aber ich muss ja trotzdem irgendwo meine Folgen hosten, und das möchte ich immer noch selbst in der Hand haben.

Manuel Fritsch: Bei Patreon kann ich das nicht, bei Steady habe ich die Möglichkeit. Selbst wenn ihr mich deplatformen würdet, wäre mein Podcast nicht weg. Ich habe immer noch meine Website, ich habe immer noch die Folgen online. Nur der RSS-Feed und die Finanzierung wären weg, und dafür kann man zur Not schnell eine Alternative schaffen. Es kommt darauf an, wie man die Inhalte selbst verwaltet. Für mich war immer wichtig: Es ist mein Podcast, es sind meine Inhalte, die möchte ich auch selbst hosten und bereitstellen. Viele Plattformen bieten einem eine Erleichterung an. Aber gerade YouTube ist das beste Beispiel: Wie schnell hat man mal aus Versehen drei Strikes, und dann ist der komplette Kanal weg. So etwas muss man, denke ich, von Anfang an mitdenken: dass man eine Alternative hat.

45:09Wie Hörer:innen neue Podcasts finden

Johannes Heim: Genau: Own your data. Das ist schon wichtig. Und das ist auch einer der Gründe, warum wir weniger das Bedürfnis haben als zum Beispiel Patreon, die Leute auf die Plattform zu ziehen. Das kann man, denke ich, ganz offen so sagen.

Manuel Fritsch: Ich habe auch nicht das Gefühl, dass uns das groß Leute zugespült hat. Patreon macht es, glaube ich, immer mit dem Hintergedanken: Das ist doch gut für euch Creator, weil die Leute dann auf Patreon sind und andere Sachen entdecken. Aber das mache ich selbst auch nicht. Wenn ich jemanden unterstütze, gehe ich auf die Seite, klicke auf Unterstützen und bin wieder weg von der Plattform.

Johannes Heim: Das ist auch die Erfahrung. Ich weiß nicht mehr genau, wie die Zahlen bei Patreon sind, aber wir stellen auch fest: Wir fänden es natürlich toll, wenn Leute mehr entdecken würden, aber die Realität sieht so aus, dass die Leute, vollkommen zu Recht und zum Glück, wegen des Creators kommen, den sie gerade unterstützen wollen. Bei Patreon siehst du dann manchmal: Der und der hat jetzt XY unterstützt, dann kriegst du eine E-Mail. In diese E-Mails gucke ich nie rein. In dem Moment, in dem ich sehe, dass der und der jemand anderen unterstützt, ignoriere ich das sofort. Das tut mir fast immer ein bisschen leid. Aber Patreon hofft inständig, dass das dazu führt, dass die Leute andere Leute unterstützen. So lernt man Content Creators aber nicht kennen.

Johannes Heim: Das ist anekdotische Evidenz, aber trotzdem: Alle Unterstützungen, die ich tätige, kommen daher, dass ich irgendwo den Podcast gehört, das YouTube-Video gesehen oder den Blogartikel gelesen habe. Nicht über die Plattform, sondern über den Content Creator an sich.

Manuel Fritsch: Oder persönliche Empfehlungen, genau. Jemand twittert etwas, jemand retweetet etwas, jemand macht einen Facebook-Post. So entdecke ich neue Leute, oder eben durch Interviews. Das ist natürlich auch immer eine schöne Möglichkeit, neue Leute zu erreichen. Hallo an alle neuen Leute hier, moin!

Manuel Fritsch: Weil du mich ja gefragt hast, was die Ziele sind: Mein großes Hauptthema ist zurzeit wirklich, wie ich an neue Leute komme. Wir machen diesen Podcast seit zehn Jahren, und ich habe das Gefühl, alle Leute, die in Deutschland spielen oder sich mit Videospielen auseinandersetzen oder Brettspiele spielen, haben in irgendeiner Form schon mal von uns gehört. Aber wie erreiche ich neue Leute? 50 Prozent der deutschen Bevölkerung spielen gerne und regelmäßig. Ich glaube, da haben wir mit den Steadys und Patreons, die wir haben, noch ordentlich Potenzial.

Manuel Fritsch: Aber das ist das große Thema, weil ich einerseits nicht ständig noch mehr Inhalte komplett freigeben kann. Ab und zu machen wir das. Als die Pandemie losging, habe ich gesagt: Der komplette März ist wieder offen für alle, damit ihr etwas zu tun habt, weil ihr alle zu Hause sitzt, viel Spaß, hört doch mal rein. Solche Aktionen kann man hin und wieder machen. Oder größere Folgen: Wenn ich weiß, da ist jemand dabei, der eine große Reichweite hat, dann stelle ich die Folge natürlich auch frei. Aber das sind immer punktuelle Situationen.

Manuel Fritsch: Wir kriegen keine Aufmerksamkeit mehr, weil wir kein neuer Podcast sind. Wir kriegen keine Presse mehr, weil wir über Spiel XY reden. Am Anfang, als wir die Ersten auf Patreon waren, gab es auch mal Zeitungsartikel, in denen ich als Stellvertreter für Crowdfunding interviewt wurde. Das passiert jetzt natürlich nicht mehr. Bei solchen Themen bin ich gerade ein bisschen ratlos: Wie erreicht man als bestehender Podcast, bei dem du das Gefühl hast, deine Zielgruppe kennt dich eigentlich, neue Leute?

48:33Podcastfolgen auf YouTube

Johannes Heim: Das ist vielleicht auch für alle interessant. Eine Kleinigkeit, die ich immer wieder beobachtet habe, ist der Klassiker, gerade bei Podcastern: dass man die Folgen auch auf YouTube hochlädt. Die Leute sagen immer wieder: Man darf nicht vergessen, YouTube ist keine Videoplattform, sondern eine Suchmaschine, und du willst möglichst oft gefunden werden. Deswegen haben viele angefangen, ihre Podcastfolgen auf YouTube hochzuladen. Das erscheint erst ein bisschen kontraintuitiv, weil man denkt: Da gibt es ja nichts zu sehen.

Johannes Heim: Dazu kann ich nur sagen: Wie oft gucke ich YouTube-Videos und gucke dann doch nicht, sondern höre nur, weil ich merke, es geht eigentlich nur darum, was jemand erzählt. Es gibt sogar YouTuber, die man nicht angucken muss, weil sie nur erzählen, und die werden als YouTuber wahrgenommen. Dabei machen sie, böse gesagt, einen Podcast auf einer Videoplattform, wo man sie halt sieht. Das ist nichts anderes, als ob man ins Studio hineinschauen könnte. Man kann nur sagen: Nutzt alle Plattformen, die es gibt, solange es nicht in wahnsinnig viel Extraarbeit ausartet. Auch etwas leicht Unkonventionelles: Schaut, ob andere Plattformen ein bisschen zweckentfremdet werden können, wie eben Podcasts auf YouTube. Irgendwann geht es nur noch darum, wie viele Leute oben in den Trichter hineinkommen, und das wird irgendwann schwieriger.

Manuel Fritsch: Und YouTube ist natürlich auch ein Dilemma, wenn man eigentlich Bezahlinhalte hat, die man da nicht einfach kostenlos hineinwerfen will.

Johannes Heim: Und Podcasts im Speziellen haben die Schwierigkeit, dass sie bei Google selbst einfach nicht auftauchen.

Manuel Fritsch: Genau. Du hast bei jedem Podcast einen kleinen Text dran, aber der ist nicht so SEO-intensiv. Wenn man nach einem aktuellen Spiel sucht, wird man unsere Podcastseite nicht finden, weil sie auch keine großen Aufrufe hat. Ich glaube, 1 Prozent unserer Podcast-Hörer:innen hört auf der Website.

Johannes Heim: 1 Prozent. Deswegen hat das mit Podcasts auf YouTube eben immer den Vorteil, dass man bei YouTube etwas in die Beschreibung schreiben kann. Für die Suchmaschine merkt man: YouTube gehört zu Google, und es ist sehr wichtig, was in den ersten fünf, sechs Sätzen der Beschreibung steht. Insofern kann man den Podcast für Suchmaschinen besser sichtbar machen, wenn man ihn dort hochlädt und zumindest einen kleinen Auszug in die Beschreibung schreibt. Und man erreicht auch eine etwas jüngere Zielgruppe, das kommt noch dazu.

Manuel Fritsch: Das ist die Frage, die ich mir dann immer stelle. Ich probiere das zurzeit auch ein bisschen aus. Ich habe so einen Automatismus, ein Skript, das die freien Folgen auf YouTube hochlädt. Aber es ist nicht ganz die Zielgruppe, die wir dort erreichen oder vielleicht auch haben wollen: die bereit ist, für einen regelmäßigen Podcast 5 Euro im Monat zu bezahlen. Vom Tool her geht das natürlich, aber ich habe da noch nicht so richtig die Resonanz, dass wir großen Zuwachs gespürt hätten.

51:18Bekanntheit, Geduld und die Brettspiele im Hintergrund

Johannes Heim: Das verstehe ich. Wir könnten noch eine Frage machen. Ich wollte aber schon mal darauf hinweisen: Parallel läuft noch Leon Fryszer von Krautreporter, die sind aber auch bald durch. Und um halb sieben gibt es dann noch das letzte Panel-Interview mit Joscha Sauer von Nichtlustig. Das ist auch ganz interessant: Er ist spät zu Steady gekommen, es läuft aber auch gut. Wenn jemand noch eine Frage hat, können wir die noch beantworten, sonst darf Manuel uns auch noch viel erzählen.

Was natürlich auch immer hilft, aber ein schlechter Tipp ist: so bekannt zu sein wie Joscha Sauer, bevor man ein Crowdfunding startet.

Johannes Heim: Ja. Da muss ich ganz ehrlich sagen, und das will ich nur allgemein loslassen: Einer der kleinen Schmerzpunkte meines Daseins im Sales Consulting bei Steady ist, dass ich manchmal Kontakt mit Leuten habe, die sagen: Vielen Dank, wir brauchen das nicht. Ich möchte ihnen am liebsten sagen: Doch, ihr habt keine Ahnung, was ihr für Geld sausen lasst. Die sind so glücklich, dass sie einen Affiliate-Link haben, der ein bisschen Geld abwirft, und dass sie bei YouTube genug Aufrufe haben, um ein bisschen Geld zu verdienen. Und dann denken sie, in dem Moment, in dem ein signifikanter Betrag reinkommt, so ähnlich wie jetzt bei dir: Wie geil, das hätte ich mir nie zu träumen gewagt. That's it.

Johannes Heim: Aber die haben keine Ahnung, dass es teilweise auch das Potenzial für Sachen gibt, die total abgehen, wie meinetwegen bei The Pod. Man sieht an The Pod immer: Man kann auch mit Gaming-Journalismus sehr viel Geld verdienen. Punkt. Das machen sich die Leute, glaube ich, oft nicht klar, dass das mit vielen Sachen geht. Aber auch da wieder: eine große Bekanntheit vor dem Start der Kampagne.

Manuel Fritsch: Die haben aus den Fehlern gelernt, die wir gemacht haben. Ich hatte mit den Jungs auch gesprochen. Sie haben von Anfang an klargemacht: Das funktioniert nur mit Crowdfunding, weil sie auch gesehen haben, wie das bei uns lief. Sie haben nicht einfach so angefangen, sondern das war von Anfang an eine klare Kampagne mit einer klaren Strategie dahinter. Aber man muss fairerweise dazusagen: Die beiden waren schon mal Chefredakteure in bekannten Medien und hatten da schon eine große Reichweite. Der Zeitpunkt, wann man ein Crowdfunding startet, ist schon elementar, und die Vorbereitung auch. Natürlich hilft es, vorher schon eine gewisse Community aufzubauen, genauso wie bei Kickstarter und solchen Geschichten.

Manuel Fritsch: Aber ich glaube, unser Beispiel zeigt auch, dass man mit viel Geduld, einer kontinuierlichen Community und Dranbleiben auch etwas erreichen kann. Wir hatten diese Bekanntheit nicht. Wir haben uns Schritt für Schritt über die Jahre hochgearbeitet, und das funktioniert auch.

Johannes Heim: Das haben wir gut geschafft. In fünf Minuten ist es sozusagen offiziell rum. Vielen, vielen Dank, Manuel, für die Einblicke. Ich denke, das hat den Leuten viel geholfen. Wie gesagt, wir haben das auch aufgenommen und laden es dann hoch. Die Infos, wo das alles später zu finden ist, folgen noch. Wer möchte, kann jetzt noch zu Joscha Sauer rüberwandern.

Manuel Fritsch: Vielen Dank im Chat, das ist sehr schön und sehr erfreulich. Wenn noch jemand Fragen hat: Ich bin jederzeit erreichbar, auf Twitter oder über Steady, einfach eine Mail schreiben.

Johannes Heim: Das ist sehr gut. Ich habe noch zwei Fragen, tatsächlich: Was sind die beiden Brettspiele neben Underwater Cities? Die Cover sehen so toll aus.

Manuel Fritsch: Was? Du warst akustisch gerade weg.

Johannes Heim: Die Brettspiele hinter dir, neben Underwater Cities. Das eine sieht sehr römisch aus, und das andere sieht aus wie ein Kupferstich.

Manuel Fritsch: Das eine ist Hadrian's Wall.

Johannes Heim: Ah, okay.

Manuel Fritsch: Das ist richtig gut. Und der Kupferstich ist ein MacGyver-Escape-Room.

Johannes Heim: Okay, gut. Das schlage ich mal nach, ich suche noch nach neuen Brettspielen. Dann allen noch einen schönen Abend und vielen Dank noch mal. Bis dahin, dann drücke ich auf Schluss.

Das kannst du übernehmen

  1. Verlass dich nicht auf Bitten um freiwillige Unterstützung; bei Insert Moin blieben sie trotz Tausender Downloads am Tag bei 500 Dollar im Monat stehen.
  2. Plan die Bezahlung von Anfang an ein: Hauptfolgen kostenlos, zusätzliche Folgen für Unterstützer:innen. Etwas wegzunehmen verärgert mehr Menschen, als etwas dazuzugeben.
  3. Gib auch hinter einer Paywall gezielt Folgen frei, etwa mit reichweitenstarken Gästen, damit neue Hörer:innen dich finden.
  4. Hoste deine Folgen selbst und nutze die Plattform für die Bezahlung, damit du nicht von einem Anbieter abhängst.
  5. Bau dir neben dem Podcast ein zweites Standbein auf, bevor die Einnahmen sinken.

Manuel Fritsch ist freiberuflicher Journalist und Podcaster mit dem Schwerpunkt Spiele. Sein Hauptprojekt ist Insert Moin, ein Podcast über Video- und Brettspiele, den er 2010 gestartet hat. Zum Zeitpunkt des Gesprächs gab es rund 3.000 Folgen, und der Podcast finanzierte sich ohne Werbung, allein über monatliche Beiträge seiner Hörer:innen auf Patreon und Steady. Im Steady Growth Talk erzählt Fritsch Johannes Heim von Steady, wie lange es gedauert hat, bis er davon leben konnte, und was ihn die Paywall gekostet hat.

Ausgangslage: ein täglicher Podcast neben dem Hauptberuf

Fritsch war nie angestellt. 15 Jahre lang leitete er eine Agentur, die Unternehmen ins Internet brachte. In den 2000ern begann er, über Spiele zu bloggen, 2010 erschien die erste Podcastfolge. Fünf Jahre lang machte er Insert Moin nebenberuflich, abends nach der Arbeit.

Die Idee war ungewöhnlich: ein Podcast, der jeden Tag erscheint. Spiele-Podcasts und Onlinemagazine gab es damals schon, einen täglichen Podcast über Spiele nicht. Darin lag das Alleinstellungsmerkmal, und es bedeutete einen enormen Aufwand. Er sei jung gewesen und habe kein Geld gebraucht, sagt Fritsch heute.

Werbung in Podcasts ließ sich 2010 noch nicht verkaufen. Kund:innen, denen er Podcast-Werbung anbot, schauten ihn an, als komme er mit einer seltsamen Idee um die Ecke. Kickstarter kam nicht infrage, weil eine einmalige Kampagne nicht zu einem dauerhaften Projekt mit vielen Folgen passt. Die Lösung fand er erst in Plattformen, über die Menschen ein Projekt dauerhaft unterstützen.

Warum freiwillige Beiträge nicht reichten

Um 2014 startete Fritsch eine Kampagne auf Patreon. Insert Moin stand damals gut da: Tausende Downloads am Tag, Plätze weit oben in den iTunes-Charts, eine Community in der Bloggerszene. Alle Folgen waren kostenlos. Immer wieder bat er um Unterstützung für unabhängigen, werbefreien Spielejournalismus.

Die Beiträge stiegen auf 500 Dollar im Monat und blieben dort stehen. An der Bekanntheit lag es nicht. Solange alles kostenlos war, sahen die meisten keinen Grund zu zahlen.

Der schwere Schritt: die meisten Folgen nur für Unterstützer:innen

Fritsch entschied sich für eine Schranke, und es fiel ihm schwer. Zuerst blieb ein Teil der Folgen kostenlos, später nur noch die Sonntagsfolge. So war es auch zum Zeitpunkt des Gesprächs. Alle anderen Folgen hören nur Unterstützer:innen.

Die Beiträge stiegen schnell auf 1.500 und 2.000 Dollar, später auf 2.500 und 3.000 Dollar im Monat. Viele Hörer:innen sagten, sie hätten nur auf diesen Anstoß gewartet. Zugleich verlor Insert Moin sehr viele Menschen, die sauer waren, weil man ihnen etwas weggenommen hatte. Einen Shitstorm nennt Fritsch das nicht. Er fragt aber, wie treu Hörer:innen sind, die einen Podcast angeblich täglich hören und ihm trotzdem nichts zahlen wollen. Nach seiner Darstellung war Insert Moin der erste Podcast in Deutschland mit Paywall und Patreon-Kampagne und bekam den Ärger entsprechend ab.

Seit Mitte 2018 nutzt Insert Moin zusätzlich Steady. Patreon hatte Fritsch lange vergeblich gebeten, die SEPA-Lastschrift anzubieten, mit der viele Deutsche lieber bezahlen.

Was die Paywall gebracht hat

Als die Einnahmen stiegen, wagte Fritsch den Wechsel. Er hatte die Agentur, eine Familie mit zwei kleinen Kindern und podcastete abends bis spät. Über die Weihnachtstage beschloss er, die Agentur zu verlassen, obwohl etwa 2.000 Euro im Monat vor Steuern noch nicht zum Leben reichten. Für die Miete genügte es, den Rest verdiente er mit Aufträgen als Freiberufler dazu. Die Sicherheit einer Festanstellung habe er als Selbstständiger ohnehin nie gekannt.

Das Geld ermöglichte ein Team. Zum Zeitpunkt des Gesprächs moderierten Anne und Micha als freie Mitarbeiter:innen ein bis zwei Folgen im Monat und bekamen einen festen Satz pro Folge. Die Journalistin Nina Kiel erhielt ein eigenes monatliches Format über Sexualität in Videospielen. Für so ein Nischenthema fände man keine Werbekund:innen, sagt Fritsch. Erst die Paywall mache es möglich.

Auch die Arbeitsweise hat sich geändert. Fritsch muss einen Test nicht mehr als Erster veröffentlichen, um Klicks und Werbekund:innen zu halten. Er veröffentlicht, wenn er genug gespielt und recherchiert und den passenden Gast gefunden hat. Mehr Qualität und weniger Aktualität, so fasst er es zusammen.

Was die Paywall gekostet hat

Vorher hatte eine Folge 20.000 bis 40.000 Downloads. Hinter der Paywall laden einige Hundert Menschen eine Folge herunter, die kostenlosen Folgen erreichen weiter vier- bis fünfstellige Zahlen. Fürs Ego sei das schmerzhaft, sagt Fritsch. Dafür ist er mit der Community auf Discord enger in Kontakt.

Schwerer wiegt, dass kaum neue Hörer:innen dazukommen, wenn 80 bis 90 Prozent der Folgen hinter einer Bezahlschranke liegen. Bezahlfolgen tauchen in keinen Charts auf. Fritsch gibt deshalb gezielt Folgen frei: zu Beginn der Pandemie den kompletten März, außerdem Folgen mit Gästen, die eine große Reichweite haben. Ein Skript lädt die kostenlosen Folgen auf YouTube hoch, spürbaren Zuwachs brachte das bis zum Gespräch nicht.

Dann kam der Podcast-Boom. Zwischenzeitlich lagen die Einnahmen bei 5.000 Dollar im Monat. Danach sanken sie, weil das Angebot wuchs, das Budget der Hörer:innen aber nicht. Fritsch reduzierte von täglich auf vier Folgen pro Woche, montags, mittwochs, freitags und sonntags. Daneben baute er ein zweites Standbein auf. Er produziert, schneidet und moderiert Podcasts für andere, darunter den offiziellen Shopify-Podcast, und schreibt für die GameStar. Zum Zeitpunkt des Gesprächs stammten nach seiner Schätzung 60 bis 70 Prozent seiner Einnahmen aus Insert Moin.

Im Rückblick hält Fritsch die Paywall für einen Fehler und zugleich für richtig. Würde er neu anfangen, ließe er die Hauptinhalte kostenlos und böte Unterstützer:innen zusätzliche Folgen an. Bei einem täglichen Format sei „noch mehr“ aber weder organisatorisch noch inhaltlich sinnvoll gewesen. Wie du exklusive Folgen technisch einrichtest, steht in der Lektion Exklusive Podcast-Folgen für Mitglieder.

Was du übernehmen kannst

  • Plan die Bezahlung von Anfang an. Insert Moin war nicht auf Einnahmen ausgelegt. Etwas wegzunehmen ist schwerer, als etwas dazuzugeben.
  • Lade wechselnde Gäste ein. Als sein Mitmoderator bei Folge 74 erkältet war, rief Fritsch einen befreundeten Blogger an. Seitdem gehören Gäste aus der Branche zum Konzept. Sie bringen neue Perspektiven und neue Hörer:innen mit. Mehr dazu in Reichweite für deinen Podcast aufbauen.
  • Behalte deine Dateien bei dir. Fritsch hostet alle Folgen auf seinem eigenen Server. Für die Bezahlfolgen erzeugt Steady für jedes Mitglied einen eigenen RSS-Feed und prüft, ob das Abo läuft. So sieht er die Downloads in seiner eigenen Statistik. Sein Rat lautet, Steady als Plattform für die Bezahlung zu nutzen und nicht für die Inhalte.
  • Verkauf Zugang zu allem statt Einzelfolgen. Bei einer Unterstützung von einem Dollar blieb nach Aufwand und Gebühren nichts übrig. Für 5 Euro gibt es alle Folgen, und wer will, kündigt nach einem Monat wieder.
  • Bau mehrere Standbeine auf. Fritsch erinnert an das Pareto-Prinzip, nach dem 80 Prozent des Umsatzes oft von 20 Prozent der Kund:innen kommen. Bricht eine Quelle weg, trägt die andere.
  • Rechne mit Geduld. Fritsch hatte keine große Bekanntheit, als er anfing. Er hat sich über Jahre Schritt für Schritt hochgearbeitet und hält das für einen gangbaren Weg.

Häufige Fragen

Wie finanziert sich der Podcast Insert Moin?

Zum Zeitpunkt des Gesprächs über Crowdfunding, also über monatliche Beiträge von Unterstützer:innen auf Patreon und Steady. Werbung gibt es nicht. Kostenlos ist nur die Sonntagsfolge, alle anderen Folgen hören zahlende Unterstützer:innen. Rund 1.000 Menschen unterstützten den Podcast damals.

Verliert ein Podcast durch eine Paywall Hörer:innen?

Bei Insert Moin deutlich. Vor der Paywall hatte eine Folge 20.000 bis 40.000 Downloads, hinter der Paywall laden einige Hundert Menschen eine Folge herunter. Viele Hörer:innen waren verärgert. Die Einnahmen stiegen trotzdem schnell, weil diejenigen blieben, denen der Podcast etwas wert ist.

Kann ich mit Steady die Downloads meiner Bezahlfolgen messen?

Manuel Fritsch hostet seine Folgen auf dem eigenen Server. Für die Bezahlfolgen erzeugt Steady für jedes Mitglied einen eigenen RSS-Feed und prüft, ob das Abo noch läuft. Weil die Dateien von seinem Server kommen, sieht er die Downloads in seiner eigenen Statistik. Bei Patreon war das für ihn eine Blackbox.

Sollte ich einzelne Podcastfolgen verkaufen?

Manuel Fritsch rät davon ab. Bei kleinen Beträgen bleibt nach Aufwand und Gebühren nichts übrig. Er vergleicht seinen Podcast mit einem Zeitungsabo: Für 5 Euro gibt es Zugang zu allen Folgen, und wer will, kündigt nach einem Monat wieder.

Die Methoden dahinter

Gespräch

Johannes Heim

Sales & Support bei Steady

Johannes kümmert sich bei Steady um Sales und Support und beantwortet die Fragen von Medienmacher:innen. Im College erklärt Johannes, warum der Anfang so schwerfällt und wie du ihn trotzdem schaffst.

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    Frohmann Verlag

    Wie der Frohmann Verlag Bücher über Subskriptionen auf Steady vorfinanziert

    12 € im Monat für die Subskription der Reihe Kleine Formen, dafür alle drei Monate ein Buch (zum Zeitpunkt des Gesprächs, Dezember 2021)

    Mit Christiane Frohmann

  • YouTube-Talkshow

    Karakaya Talks

    Was Karakaya Talks aus der ersten Mitglieder-Kampagne gelernt hat

    1.000 neue Mitglieder erwartet, laut Umfrage vor der ersten Kampagne (Oktober 2020)

    Mit Esra Karakaya