Fallstudie · Podcast

Wie der Podcast Psychoaktiv ohne Werbekunden auf 1.000 Euro im Monat kam

Psychoaktiv hat im Schnitt 300.000 Downloads im Monat, doch Werbekunden meiden das Thema Drogen. Stefanie Bötsch begann deshalb mit Mitgliedschaften, erst zögerlich und mit Versprechen, die sie zusätzliche Arbeit kosteten. Eine offene Kampagne, höhere Preise und Pakete für Arbeitgeber brachten sie zum Zeitpunkt des Gesprächs auf rund 1.100 Euro im Monat.

Mit Stefanie Bötsch (Suchttherapeutin, macht den Podcast Psychoaktiv) · Video 52:16 · Als Podcast hören

Downloads im Monat im Schnitt (zum Zeitpunkt des Gesprächs, Herbst 2025)
300.000
der Hörer:innen zahlen für eine Mitgliedschaft (zum Zeitpunkt des Gesprächs)
0,35 %
im Monat nach der Kampagne im April 2025, Ziel waren 1.000 €
870 €
im Monat aus Mitgliedschaften, ungefähr (zum Zeitpunkt des Gesprächs)
1.100 €

Beim Abspielen lädt das Video von YouTube. Dabei gelten die Datenschutzregeln von Google.Auf YouTube ansehen

Transkript lesenAutomatisch erstellt und bereinigt

0:00Stefanie Bötsch und ihr Podcast Psychoaktiv

Justus Mache: Heute spreche ich mit Stefanie Bötsch. Sie ist Podcasterin bei uns und betreibt den Psychoaktiv-Podcast. Der Grund für unsere Aufnahme ist ein erfreulicher: Stefanie hat vor Kurzem die 1.000 Euro bei den Mitgliedschaften geknackt, und deshalb dachte ich, ich spreche mit ihr. Ein weiterer Grund ist eine E-Mail, die sie mir geschrieben hat. Auch über die wollen wir heute in Teilen sprechen. Steffi, grüß dich.

Stefanie Bötsch: Schön, dass ich da bin. Ich freue mich sehr.

Justus Mache: Ich würde gern für die Hörer:innen noch einmal durchsprechen: Was ist dein Podcast, worum geht es da, und wie und warum hast du dich entschieden, Mitgliedschaften zu verkaufen?

Stefanie Bötsch: Ich habe einen Drogenpodcast. Psychoaktiv ist ein wissenschaftlicher Drogenpodcast. Ich spreche alle zwei Wochen über Drogenkonsum und Sucht, mit dem Ziel, dass jeder meiner Hörer jedes Mal ein bisschen schlauer herauskommt und Drogen differenzierter versteht. Bei dem Thema ist häufig ein extremes Schwarz-Weiß-Denken am Start, und genau das möchte ich mit meinem Podcast aufweichen. Ich habe jetzt schon über 120 Folgen zu Drogen. Leute sagen immer, es gibt nicht so viel zu sagen. Das stimmt nicht. Ich habe unfassbar viel zu Drogen zu sagen. Ich bin wahrscheinlich auch der größte in der Branche, aber man muss fairerweise sagen (lacht): Die Konkurrenz bei wissenschaftlichen Drogenpodcasts ist sehr überschaubar. Es gibt zum Beispiel etwas öffentlich-rechtlich Gefördertes. Es gibt immer wieder Podcasts zur Sucht, die einen großen Blick auf die Perspektive der Betroffenen legen, und es ist toll, dass es die gibt. Ich bin aber ein Wissenschaftspodcast. Bei mir geht es darum, suchttherapeutische Themen und Drogenthemen auf Basis der Studien und Erkenntnisse aufzufächern, die es gibt.

2:18300.000 Downloads, aber nicht „brand safe“

Stefanie Bötsch: Ich bin selbst Suchttherapeutin und arbeite seit zehn Jahren in der Suchthilfe. Das war der Hintergrund. Psychoaktiv gibt es seit fünf Jahren, und vor 14 Monaten, nein, nicht mehr ganz, im Juli letzten Jahres habe ich beschlossen, rund um meinen Podcast Mitgliedschaften zu verkaufen. Der Grund dafür ist schlicht, dass Psychoaktiv keine sehr gute finanzielle Lage hat, obwohl der Podcast sehr groß ist. Als Benchmark: Ich habe im Schnitt 300.000 Downloads im Monat und 50.000 bis 60.000 Hörer laut meiner App. Ich bin bei Podcaster. Da könnte man sagen: super Grundlage, um Werbung zu verkaufen. Das ist auch der Punkt, ab dem man bei den Vermarktungsfirmen hereinkommt; die wollen immer ein Mindestmaß an Hörern. Ich bin auch im Kontakt, habe mich sehr bemüht und hatte dieses Jahr auch mal ein paar. Aber leider lässt sich mein Thema absolut gar nicht vermarkten. Es gibt etwas, das nennt sich Brand Safety, und ich bin nicht brand safe. (lacht)

Stefanie Bötsch: Es ist auch kein Podcast, in dem es darum geht, dass alles ganz schlecht ist. Es ist eine sehr ausgewogene Berichterstattung über Drogen. Ich verteufle nichts, und ich sage auch Dinge wie: Diese Substanz hat kein hohes Abhängigkeitspotenzial. Das ist alles schwierig, und deswegen ist es unfassbar schwer, meinen Podcast zu vermarkten. Ich war schon mit sehr vielen Vermarktern im Kontakt. Es gibt Leute, die sagen: Wir nehmen dich gar nicht erst auf, das tun wir uns nicht an. Es ist uns eigentlich kack, dass dein Podcast groß ist und auf Interesse stößt.

4:20Vom Hobby zur Selbstausbeutung

Stefanie Bötsch: Bei mir ist es so, wie es vielleicht vielen Podcasts geht, vor allem denen, die zu meiner Zeit angefangen haben: Es war mein Hobby. Ich liebe die Sucht- und Drogenforschung. Als ich wegen Corona aufgehört habe, auf Raves und Festivals Drogenaufklärung zu machen, habe ich gesagt: Ich mache die Arbeit jetzt als Podcast weiter. Über Finanzierung habe ich gar nicht nachgedacht. Ich wurde von Anfang an ein bisschen von dem Projekt hier in Frankfurt gefördert, wo ich wohne. Nach zwei Jahren habe ich dann einen automatisierten Werbevertrag mit dem Adserver aufgesetzt. Kurz und knapp kann man sagen: Ich verdiene, glaube ich, nicht mal Mindestlohn für die Zeit, die ich in den Podcast stecke.

Stefanie Bötsch: Man muss auch sagen, dass ein Wissenschaftspodcast brutal aufwendig ist. Ich arbeite schon 20 Stunden die Woche an dem Podcast, obwohl nur jede zweite Woche eine Folge herauskommt. Die Recherche ist mit KI ein bisschen leichter geworden, weil man Textzusammenfassungen aus Papern schneller bekommt. Früher habe ich alles komplett von Hand zusammengefasst, das ist noch mal Arbeit. Auch wenn das eine Erleichterung gebracht hat: Ich recherchiere 10 bis 20 Stunden pro Folge, das ist der größte Teil. Dann kommen noch Aufnahme, Schnitt und Distribution dazu, und damit ist man bei einer 50-Prozent-Stelle. Das habe ich alles neben meiner Arbeit gemacht und kam dann noch auf die coole Idee, ein Fachbuch zu schreiben.

Stefanie Bötsch: Ich war ein Jahr im Sabbatical. Davor hatte ich 60-, 70-Stunden-Wochen, von denen die Hälfte unbezahlt war. Wer schon mal ein Fachbuch geschrieben hat, weiß, dass das in den Bereich unterbezahlter Arbeit fällt. Zu viel Enthusiasmus für die Wissenschaft. Dann stand ich da, war in meinem Sabbatical und habe gemerkt: Es gibt zwei Entscheidungen. Ich glaube, ich mache das mit der Selbstständigkeit, wenn ich von meinem Sabbatical nach Hause komme. Ich bin jetzt diesen Mai zurückgekommen. Aber wenn ich das mache, dann muss ich anfangen, Psychoaktiv wie einen Job zu behandeln, und das heißt, es muss Geld verdienen. Mir war ohnehin klar, dass ich die Situation wie vor dem Sabbatical nicht mehr aufrechterhalten konnte. Das war selbstausbeutend ohne Ende. Ich habe neulich mein altes Tagebuch gefunden, in das man Ziele für ein Jahr hineinschreiben konnte. Da stand drin: wieder Spaß an meiner Freizeit finden. Ich fand das so hart, als ich das gelesen habe. That's how I felt. (lacht) Das war völlig an der Grenze. Jetzt habe ich ganz schön ausgeholt, aber ich glaube, ein bisschen Backstory ist da nicht ungünstig.

7:39Schwankende Werbung und der ignorierte Steady-Account

Stefanie Bötsch: Dann habe ich gesagt: Okay, was kann ich noch machen? Auf die Werbeeinnahmen kann ich mich nicht verlassen, weil sie sehr schwanken. Gerade Host Reads, mit denen man im Prinzip das meiste Geld verdient, sind am allerschwierigsten. Über den Adserver habe ich laufende Einnahmen, auf die ich mich als Minimum verlassen kann. Das ist super, und Podcaster macht einen tollen Job. Aber um meine Stunden zu decken, bräuchte ich durchgehend Host Reads, und die bekomme ich nicht.

Justus Mache: Wäre es rechnerisch möglich gewesen zu sagen: Ich skaliere den Podcast so, dass er dreimal so viele Hörer:innen hat, um die Werbeeinnahmen nach oben zu bringen? Oder hättest du dann zu sehr in populistische Themen gehen müssen?

Stefanie Bötsch: Na ja, Justus, ich habe eine Million Werbeplätze jeden Monat. Wenn ich die verkauft bekomme, habe ich überhaupt kein finanzielles Problem. Die Monate, in denen ich Werbeverträge habe, sind super. Aber wenn ich dann wieder sechs Monate gar keine Werbeverträge habe, sind die Monate doch nicht so super. Der normale Adserver plus ein Host Read deckt, je nachdem, wie viele Kontakte gekauft wurden, durchaus meine Kosten für den Monat. Aber dann kommen wieder drei, vier Monate nichts, und dann ist es schon wieder im Arsch. Es liegt also nicht an der Größe. Ich kriege meine Werbeplätze nicht verkauft. Das Potenzial ist da.

Justus Mache: Na gut. Dann hast du darüber nachgedacht, wie du den Podcast außerhalb von Werbung monetarisieren kannst.

Stefanie Bötsch: Genau. Wie werde ich unabhängig davon? Beim Werbemarkt für Podcasts habe ich auch das Gefühl, der denkt sich jedes Jahr etwas Neues aus. Lustig ist: Ich habe meinen ersten Steady-Account schon nach ein oder zwei Jahren gemacht, also richtig früh, und ihn dann ignoriert. Ich habe mich nicht getraut, ihn auch nur zu benennen. Ich dachte: Nee, das kann ich nicht machen. Ich war noch überhaupt nicht in dem Mindset, Mitgliedschaften zu verkaufen. Dafür beiße ich mir jetzt unfassbar in den Arsch. Ein riesengroßer Aspekt dieser Steady-Reise war die Frage: Warum zur Hölle habe ich mich nicht früher ordentlich um meine Finanzierung gekümmert? Es ist schön, dass es ein Hobby war und dass ich da so hinten dran stand, und es war die Zeit, wie sie war. Aber ich glaube, Psychoaktiv wäre nicht in so eine prekäre Lage gekommen, hätte ich von Anfang an ein bisschen wirtschaftlicher gedacht.

Stefanie Bötsch: Ihr sagt ja auch häufig, dass man kein Projekt ewig aufrechterhalten kann, wenn es keine finanzielle Grundlage hat. Das habe ich ganz hart erfahren: Die Maschinerie der Content Creation oder der Podcast Creation kann einen auslaugen, wenn du dir dafür nicht die Zeit nehmen kannst, weil du kein Geld damit verdienst. Dann hast du nur deine Freizeit, und irgendwann schreibst du in dein Tagebuch: Ich will wieder Spaß an meiner Freizeit haben. Ich habe zu 90 Prozent in der Drogenberatung gearbeitet und bin fast jeden Tag nach Hause gegangen, um noch zwei bis drei Stunden zu recherchieren. Ich hatte vier Tage Arbeit, freitags habe ich mein Fachbuch geschrieben, samstags wurde aufgenommen, und sonntags habe ich es häufig geschafft, mir freizunehmen, aber eher selten.

Justus Mache: Und unabhängig davon, wie viel du verdienst: Hast du das Gefühl, du genießt deine Freizeit jetzt gerade?

Stefanie Bötsch: Ja, voll.

Justus Mache: Super.

Stefanie Bötsch: Selbstständigkeit ist großartig. Ich muss natürlich sagen, ich bin gerade in der luxuriösen Lage, noch einen Monat Gründungszuschuss zu bekommen. Das ist eine schöne Zeit, in der man noch nicht so einen Druck verspürt. Aber auch der Spaß an Psychoaktiv ist aktuell ein ganz anderer. Ich liebe das Projekt, und dass ich schon an dem Punkt stand aufzuhören, finde ich krass. Psychoaktiv war die komplette Grundlage meiner Karriere und ist es immer noch. Und dann zu sagen: Nee, sorry, man muss auch Grenzen ziehen. Da stand ich auf jeden Fall.

Justus Mache: Da standst du wahrscheinlich im April, Mai 2024. Da haben wir telefoniert, da warst du noch unterwegs. Ich erinnere mich an Calls ins Ausland.

Stefanie Bötsch: Genau, von überall her. In Malaysia haben wir, glaube ich, das erste Mal gesprochen. Irgendwann habe ich gesagt: Okay, ich brauche etwas anderes. Und dann bin ich auf Steady gekommen, weil da schon mein Newsletter war.

12:40Bonusinhalte, Growth College und die Scheu vor dem Geld

Justus Mache: Wie hast du vor dem Release gedacht: Was brauchen die Leute? Wie wolltest du das angehen? Was hast du dir überlegt, wie du deine Mitgliedschaften vermarktest und verkaufst?

Stefanie Bötsch: Ganz klassisch war meine Idee natürlich, Bonusfolgen und Bonusartikel zu machen. Das ist spannend, weil ich viel mit meinem Freund darüber gesprochen habe; wir waren ewig lang mit dem Auto unterwegs. Er hat immer betont: Steffi, pass auf, was du machst. Du kannst nicht noch mehr machen, wenn die Grundarbeit auch nicht bezahlt ist. Es ist total irre: Mein Podcast ist nicht finanziert, ich brauche dafür Geld, und um ihn zu finanzieren, arbeite ich noch mehr. Aber ich bin ganz ehrlich: Für mich war es fast unmöglich, nichts Bonusmäßiges anzubieten, weil es sich angefühlt hat, als hätte ich nichts zu verkaufen. Das ist auf jeden Fall eine Sache, die ich anders machen würde, wenn ich zurückspulen könnte. Ich würde mit einer einzigen Mitgliedschaft starten, die nur ein Support-Level hat. Also sagen: Es geht hier nur um Unterstützung, ich brauche das, und alles andere nicht. Das wäre die Realität gewesen, das hätte abgebildet, wie es damals war. Aber ich habe das damals nicht über mich gebracht. Dass ich schon vor Jahren einen Steady-Account hatte und nie etwas gemacht habe, lag daran, dass ich von vornherein dachte: Das will ich gar nicht.

Stefanie Bötsch: Bevor ich überhaupt etwas gemacht habe, habe ich euer komplettes Steady Growth College durchsucht. Ich verstehe gar nicht, warum ihr das nicht mehr in den Mittelpunkt rückt. Jedem, der mir sagt, er überlegt, Steady zu machen, schicke ich euer Growth College, und dann heißt es: Oh, das habe ich noch gar nicht gesehen.

Justus Mache: Müssen wir bessere Werbung dafür machen.

Stefanie Bötsch: Das ist so ein krasser Service, dass ihr im Prinzip eine komplette Steady-Video-Fortbildung bereitstellt. Ich bin so ein Nerd, ich google alles immer so krass. Ich habe, glaube ich, alles auf eurer Seite angeschaut, und irgendwann kam ich aufs Growth College.

Justus Mache: Gebe ich durch, gebe ich weiter.

Stefanie Bötsch: Das ist echt toll. Das habe ich mir erst mal angeschaut, und das habe ich auch gebraucht. Dieses Anfeuern: Du kannst das, du schaffst das, du musst dich dafür nicht schämen, das ist nicht betteln. Also ein paar Mindset-Sachen geradezurücken, aber auch strategisch über alles nachzudenken und sich dem Thema anzunähern, um überhaupt ins Tun zu kommen. Um nicht wieder einen Account zu erstellen und ihn dann drei Jahre zu ignorieren. Damit habe ich mich sehr viel beschäftigt. Ein Tipp, der bei mir richtig hängen geblieben ist: Man muss seine Mitgliedschaft richtig publik machen. Man muss es so hinstellen, dass jeder, der meinen Podcast hört, gar nicht daran vorbeigehen kann. Dass klar ist, dass das zu Psychoaktiv gehört, oder zu welchem Podcast auch immer, und dass es wirklich alles durchdringt. Das ist so eine Überwindung, wenn man wie ich am liebsten gar nicht darüber reden möchte.

Justus Mache: Das kann ich dir spiegeln. In meiner Arbeit in beratender Funktion für Publisher bei uns ist der größte Teil in den meisten Fällen edukativ: den Publishern zu verklickern, dass ihre Inhalte es wert sind, dass Leute dafür Geld bezahlen, und dass sie sich nicht schämen müssen. Es ist nicht betteln, wenn du sagst: Ihr könnt mir gern Geld geben. Die nächste Botschaft ist dann meistens: in irgendeiner Art Bonusinhalte. Das ist bei ganz vielen so, und da haben wir noch nicht den Hebel gefunden, das irgendwie zu automatisieren. Du kannst es im Growth College sagen und auf eine Webseite schreiben: Hey, ist nicht so schlimm. Aber viele wollen nicht glauben, dass es okay ist zu sagen: Leute können mir Geld geben für die Arbeit, die ich mache. Das zieht sich durch beinahe alle Publikationen, dass die Publisher nicht glauben, dass sie Geld kriegen dürfen.

17:15„Ich habe doch Spotify“: Aufklärung über Finanzierung

Stefanie Bötsch: Deswegen finde ich es auch cool, dass ihr diesen Podcast jetzt wiederbeleben wollt. Ich habe Erfahrungsberichte und Snippets gelesen, und es hat mir geholfen, stumpf zu lesen, dass andere es auch tun. Ich wünsche mir eigentlich an keinem Punkt, in den USA zu sein. Aber was die Sensibilität dafür angeht, dass Creator Arbeit machen, wünsche ich mir das manchmal sehr aus den USA her. Bei uns ist das, glaube ich, deutlich zäher. Da steht dieser Punkt: Hey, ich habe es doch die ganze Zeit umsonst bekommen. Bei Hörern und Hörerinnen gibt es auch viel Fehlinformation, zum Beispiel: Ich habe ein Spotify-Pro-Abo, du kriegst doch Kohle von Spotify oder von Apple. Oder: Warum höre ich Werbung in deinem Podcast? Ich habe doch Spotify Pro. Super, Spotify zahlt Podcastern keinen Cent. Spotify macht eher die Podcastszene kaputt. Ups. (lacht)

Stefanie Bötsch: Man hat einen richtig edukativen Auftrag, erst mal zu sagen: Hey, wie funktioniert eigentlich meine Finanzierungswelt als Podcaster? Und man möchte immer betonen: Es geht nicht um Bereicherung. Ich würde mich richtig freuen, wenn ich mit Psychoaktiv richtig viel Kohle verdienen würde, weil ich dann eine wissenschaftliche Mitarbeiterin einstellen würde. Absoluter Traum. Ich würde jemanden für Social Media einstellen. Ganz ehrlich, wenn Psychoaktiv finanziell durch die Decke gehen würde, fände ich das nur geil, und ich würde das sehr krass in die Qualität von Psychoaktiv investieren. Wie krass wäre das denn? Ich würde mir extrem wünschen, dass Psychoaktiv finanziell richtig steil geht. Davon bin ich meilenweit entfernt. Aber: mehr Ressourcen, mehr Qualität im Podcast. Fertig.

19:21Der leise Start: das erste Mitglied, Newsletter und Website

Justus Mache: Wenn wir noch mal zu deinem Launch zurückschauen, ich habe hier parallel so einen Graphen aus dem Backend aufgerufen: Wie hast du es damals gemacht und kommuniziert, wie ging das los?

Stefanie Bötsch: Okay, wie ging das damals los? Ich habe in meinem Podcast angefangen …

Justus Mache: Entschuldigung, dass ich kurz unterbreche: War das dann schon mit Bonusfolge und Bonusartikel?

Stefanie Bötsch: Boah, das ist eine gute Frage. Wie war das am Anfang? Ich habe zum Start nicht riesengroß gelauncht. Meinen ersten Launch hatte ich erst ein Dreivierteljahr später, als ich gemerkt habe: Es wächst nicht schnell genug, ich muss meine Strategie ändern. Erst mal musste ich den Zeh ins Wasser tippen und schauen. Ich habe mir klar vorgenommen, es auf meinen Kanälen zu kommunizieren, aber noch nicht groß zu launchen. Das Schöne war, das weiß ich noch wie heute: Einer meiner Zuhörer hat sofort eine Mitgliedschaft gekauft, obwohl ich den Link, glaube ich, erst irgendwo eingefügt hatte. Ich war noch dabei vorzubereiten, dass er überall steht. Das fand ich so schön.

Justus Mache: Kanntest du den vorher schon?

Stefanie Bötsch: Nicht persönlich, nee. Ich habe ihn neulich zufällig getroffen. Aber das war für mich so krass. Das war die erste 3-Euro-Mitgliedschaft. Ich habe mit 3 Euro angefangen, natürlich erst mal mit dem Allergeringsten. Da konntet ihr mich erst mal nicht überreden, höher zu gehen; darüber können wir gleich noch reden. Es war richtig schön für mich, dass ich es noch nicht mal sagen musste und jemand 3 Euro für mich ausgegeben hat. Ich glaube, es war auch gleich ein Jahrespaket, also schon 36 Euro. Das war wie eine Last, die abfällt: Okay, es gibt anscheinend Leute, denen es das wert ist. Das war mir sehr wichtig. Das war toll.

Stefanie Bötsch: Dann habe ich angefangen, es über meinen Newsletter zu verbreiten. Den hatte ich schon bei euch. Das fand ich total praktisch, denn Psychoaktiv hat kein Geld, also geht man dahin, wo man Newsletter kostenlos verschicken kann. Den hatte ich, glaube ich, ein Dreivierteljahr vorher angefangen. Darüber habe ich es publiziert. Ich habe eine Website, die ich sehr pflege und auf der ich zu allen Podcastfolgen Artikel schreibe. Da ist es überall verlinkt. Ich habe zum Beispiel auch eure Integrationen genutzt, um darauf hinzuweisen. Und ich habe es einmal im Podcast erklärt, mit Werbefreiheit, und habe, glaube ich, gesagt, dass ich sicher auch mal Bonusfolgen oder Bonusartikel machen werde.

Stefanie Bötsch: Mein Freund hat mir zum Glück ausgeredet, Versprechungen wie „jeden Monat“ zu machen. Das konnte ich nicht leisten, vor allem, weil wir im Camper unterwegs waren und häufig kein Internet hatten. Es war ohnehin ein absolut wilder Ritt, auf meiner Campingreise den Podcast aufrechtzuerhalten. Deshalb gab es erst mal maßgeblich die Werbefreiheit, und ich glaube, da stand auch so etwas wie: Es gibt auch mal Bonusfolgen und Bonusartikel, schauen wir mal. Ich habe es nicht geschafft, keine Versprechungen zu machen, weil ich das Gefühl hatte, es braucht eine Legitimität, um nach Geld zu fragen. Da kam ich nicht heraus. Und es war nicht ehrlich, was heißt nicht ehrlich? Ich habe auch früh Bonusfolgen und Bonusartikel gemacht. Aber es war insofern nicht ehrlich, als der Grund ja war, dass Psychoaktiv nicht finanziert ist und diese Arbeit finanziert werden muss. Und sie wird nicht finanziert, wenn ich noch mehr Arbeit mache. Das funktioniert nicht.

23:360,35 statt 5 Prozent: Hypothesen zur Zahlungsbereitschaft

Stefanie Bötsch: So habe ich angefangen. Es ist schon alles ein bisschen gewachsen, aber ich erinnere mich an Telefonate mit dir, in denen du meintest: Na ja, Steffi, für so viele Hörer und Downloads wächst es ganz schön wenig. Das hat mich wahnsinnig unter Druck gesetzt. Das soll überhaupt keine Front sein, aber das ist ja eure Annahme: 5 Prozent deiner Hörer und Hörerinnen sind bereit, dich zu unterstützen. Deswegen wollte ich auch dieses Interview machen, denn bei mir sind es 0,35 Prozent, die aktuell bezahlen, also unter 1 Prozent. Und ich habe über die Zeit sehr viel Arbeit hineingesteckt. Es ist deutlich weniger bei mir, und ich habe mehrere Hypothesen, woran das liegen kann. Soll ich sie dir mal raushauen?

Justus Mache: Ja, das wäre sehr gut.

Stefanie Bötsch: Einmal das Thema Community. Mein Podcast wird sehr krass gehört, und ich treffe auch immer sehr begeisterte Hörer. Aber meine Zuhörerschaft hat nicht dieses eine Verbindende, außer vielleicht dem Interesse an differenzierter Aufklärung zu Drogen und Sucht. Ich habe die Angehörigen, deren Kinder konsumieren. Mich hat ein 60-Jähriger angeschrieben und gemeint: Wir wurden immer so schlecht über Drogen aufgeklärt, ich habe noch nie Drogen genommen, jetzt höre ich deinen Podcast, weil ich diese Wissenslücke schließen möchte. Voll geil, ich liebe es. Das ist der Spirit meines Podcasts. Aber der hat vielleicht sehr wenig mit der Person zu tun, deren Partner gerade richtig viel konsumiert. Dann habe ich einen großen Berg an Fachkräften, von Ärzten über Sozialarbeiter und Krankenpflege bis zu Lehrerinnen. Und dann natürlich die Konsumierenden selbst: die Leute, die aus Genuss und Spaß konsumieren, die Probleme entwickelt haben, die schon abstinent sind und sich damit stabilisieren.

Stefanie Bötsch: Es gibt viel kleinere Podcasts, zum Beispiel aus der Sucht, die eine ganz großartige Community haben, weil die Leute sich auf diesem Genesungsweg verbinden. Das ist etwas ganz anderes, als wenn du ein Informationspodcast bist. Das ist meine eine Hypothese. Man sagt ja, eine starke Community ist dafür wichtig. Ich habe definitiv begeisterte Hörer. Viele, die auf meinen Podcast stoßen, sagen: Ich höre den einmal durch und dann gleich noch mal. Aber es fehlt dieses Gefühl, ein ganz wichtiges Zahnrad in etwas zu sein, wie bei einem Genesungspodcast. Es ist etwas anderes zu sagen: Ich fühle mich in meiner Genesung viel besser oder ich bin jetzt abstinent, als: Ich fühle mich sehr viel informierter über Drogen. Das ist ein anderer Prozess, der hat eine andere emotionale Wertigkeit. Das heißt nicht, dass er nicht wichtig ist, aber es ist ein anderer Prozess.

26:43Wer eigentlich zahlen müsste: Arbeitgeber und Staat

Stefanie Bötsch: Dann sind beide auch der Meinung, dass eigentlich jemand anders zahlen müsste. Die Fachkreise sagen, es müsste mein Arbeitgeber zahlen, weil es Fortbildung ist. Und Betroffene sagen, das müsste der Staat zahlen, weil es Prävention ist. Beide Argumente habe ich in meinen Umfragen schon mehrmals gehört. Ich habe auch Leute, die zahlen und sagen: Ich finde eigentlich, das müsste mein Arbeitgeber bezahlen, oder: Das müsste staatlich gefördert werden. Warum muss ich für meine Prävention bezahlen, warum für meine Fortbildung? Ich versuche deshalb jetzt, direkter an Arbeitgeber heranzugehen und genau diesen Punkt aufzumachen. Ich habe auch meine ersten zwei Arbeitgeberpakete, bei denen Arbeitgeber gesagt haben: Okay, wir sehen ein, wenn unsere Arbeitnehmer Psychoaktiv hören, bilden sie sich in ihrer Freizeit fort, also fördern wir das. Das finde ich richtig stark, weil ich das tatsächlich richtig finde. (lacht)

Stefanie Bötsch: Für Betroffene kann ich leider nichts anderes machen. Es ist sehr schwer, meinen Podcast über Förderung zu finanzieren, weil ich nicht gemeinnützig bin. Und meinen Podcast gemeinnützig zu machen, ist ein Schnack, das ist mir zu kompliziert. Diesen ganzen Weg zu gehen, das ist wieder etwas, mit dem ich mich komplett auseinandersetzen müsste. Ich habe noch nie einen Verein gegründet. Vielleicht ist es nicht so schwer, aber es ist trotzdem wieder ein Weg, den ich gehen muss, und mir platzt der Kopf von Sachen, die ich neu lernen darf. Und nur wenn ich gemeinnützig bin, kann ich mich auf Förderungen bewerben.

Justus Mache: Vor allem mit diesen Arbeitgeberpaketen würde das natürlich in die Richtung gehen, dass du mehr Inhalte bieten müsstest, die das nutzbar machen: richtige Lernkurse, Audiolernkurse oder in welcher Form auch immer.

Stefanie Bötsch: Das habe ich jetzt.

Justus Mache: Ah ja, okay. Sind die Bonusfolgen Teil dieser Arbeitgeberpakete, wie hast du die eingebaut?

29:00Die Kampagne im April

Stefanie Bötsch: Genau. Vielleicht gehen wir noch mal kurz einen Schritt zurück, weil ich erst in den letzten zwei Monaten mein komplettes Angebot überarbeitet habe. Zurück zum ersten Launch: Im April dieses Jahres habe ich gelauncht, und damit konnte ich meine Mitgliederzahl verdoppeln. Wie habe ich das gemacht? Vor dem Launch war ich an dem Punkt: Okay, cool, Steady wächst ein bisschen. Nach Steuern und nach eurem Abzug kamen am Ende 200 bis 300 Euro bei mir herein. Damit habe ich noch nicht mal ein Viertel von einer Folge finanziert. So geht das nicht. Dazu kam natürlich der Blick darauf, dass ich bald heimkomme. Ich kam auch aus einer unfassbar langen Werbeflaute. Ich habe 2024 nicht viel verdient, da ging nichts. Dann habe ich gesagt: Okay, dann kommuniziere ich das jetzt so an meine Zuhörer. Vorher war es eher: Hier, keine Ahnung, werdet Mitglied.

Stefanie Bötsch: Ich begrüße bis heute alle neuen Mitglieder namentlich in meinem Podcast; so starten wir jede Folge. Das finde ich sehr wichtig. Es muss immer klar sein, dass es dieses Mitgliedschaftsprogramm gibt.

Justus Mache: Gibst du den Leuten die Wahl, ob sie genannt werden, oder werden sie genannt, wenn sie kaufen?

Stefanie Bötsch: Sie werden mit Vornamen genannt. Anonymität ist bei mir extrem wichtig, aber beim Vornamen denke ich: okay. Dann habe ich einen Monat lang extrem intensiv auf allen Kanälen erklärt, dass Psychoaktiv so, wie es finanziert ist, nicht weitergemacht werden kann. Dass ich viel zu wenig Geld damit verdiene und selbstständig sein werde, wenn ich nach Hause komme, weil ich mir die Zeit für Psychoaktiv nehmen soll. Und wenn Psychoaktiv nicht seinen Teil einbringt für die Zeit, die es in Anspruch nimmt, dann kann es so nicht weitergehen. Das war auch schwer. Als ich das für mich ausgesprochen habe, und das passierte deutlich vor April, ging es mir erst mal richtig schlecht. Psychoaktiv ist meine absolute Leidenschaft. Aber manchmal kann es auch vorbei sein, wo man sagt: Ich habe das fünf Jahre gemacht, es waren schöne fünf Jahre. Aber es ist kein Hobby mehr. Es ist schon sehr, sehr lange kein Hobby mehr. Für mich war es wichtig zu verstehen: Psychoaktiv ist mein Beruf. Ich liebe meinen Beruf und bin extrem leidenschaftlich darin, aber er muss auch seinen Teil zum monatlichen Gehalt beitragen.

Stefanie Bötsch: Also habe ich diese Kampagne gemacht. Einen Monat lang habe ich über Newsletter, Podcast und Instagram, durchgehend auch mit Stories, ganz intensiv kommuniziert. Das war eine sehr anstrengende Zeit, weil es sich ein bisschen nach Betteln angefühlt hat, ganz ehrlich. Weil man so einen harten Weg einschlägt. Es war auch ein Prozess von alles oder nichts, und das war so gemeint. Für mich war klar: Die Situation ist nicht gut genug für Psychoaktiv. So geht es nicht, und ich kann nicht in dieser kleinteiligen Entwicklung darauf warten, dass er sich besser finanziert. Ich habe mein Ziel nicht erreicht. Ich wollte im April schon die 1.000 Euro knacken, weil ich gesagt habe, 1.000 Euro sind mein erstes Finanzierungsziel. Ich bin, glaube ich, bei 870 herausgekommen.

32:55Kosten offenlegen, Kampagne vorbereiten

Justus Mache: Musstest du den Leuten in dieser Kampagne noch mal erklären, wie teuer das ist? Hast du Transparenz an den Tag gelegt, wie viel Arbeit es ist, hast du es ihnen vorgerechnet? Du hast ja schon gesagt: Hey, mit Spotify verdient man nichts. Wussten die das vorher schon, oder hast du in der Kampagne im April noch mal bei null angefangen und noch mehr Karten auf den Tisch gelegt?

Stefanie Bötsch: Ich habe alles offengelegt. Ich habe die Kosten für Psychoaktiv offengelegt. Mein Stundensatz als Therapeutin sind 130 Euro, und für Psychoaktiv habe ich viel weniger angesetzt. Ich dachte: Einen Therapeutenstundensatz setzen wir erst mal gar nicht an. Ich habe, glaube ich, 60 Euro als Stundensatz angegeben und dann versucht hochzurechnen, wie viel das kostet. Es gab auch ein bisschen Gegenwind von Menschen, die fragten, wie ich mir so einen Stundensatz herausnehmen kann. Da denke ich: Ich will jetzt nicht auch noch das Leben als Selbstständige erklären. Die sagen: Der Mindestlohn ist so und so, wie kannst du deinen Stundenlohn so hoch ansetzen? Und ich denke: Well, Selbstständigkeit, Krankenkasse, Steuern. Aber so weit bin ich dann nicht gegangen. (lacht) Ich habe aber versucht, sehr grundlegend zu erklären, wie viel Arbeit draufgeht und wohin die Arbeit geht. Auch, dass der große Teil in die Recherche geht und dass genau das die meisten Leute daran schätzen: dass mein Podcast so krass recherchiert ist. Ein Laberpodcast ist günstiger zu machen, weil du dich nicht vorbereiten musst. Das Skripterstellen ist bei mir ein riesengroßer Teil der Arbeit. Das habe ich in einer E-Mail aufgefächert. Es gab ein bisschen Rückenwind, aber nicht viel.

Justus Mache: Meinst du Gegenwind oder Rückenwind?

Stefanie Bötsch: Gegenwind, sorry. Gegenwind, nicht Rückenwind. Aber der war echt überschaubar. Davor hatte ich viel mehr Schiss. Eine Sache für alle, die eine Kampagne planen, das habe ich auch gerade einer Freundin gesagt, die bei Steady eine Kampagne plant: Eine Kampagne sollte fertig sein, bevor sie losgeht. Der Großteil, alle E-Mails vorgeschrieben, am besten die Instagram-Posts schon vorbereitet. So eine Kampagne ist emotional so anstrengend, ich habe sie als sehr anstrengend empfunden, dass man aufhört, wenn man nicht alles vorbereitet hat. Das ist meine Meinung.

Justus Mache: Ja.

Stefanie Bötsch: Einfach zu sagen: Ich fange jetzt mal eine Kampagne an, das wird nicht klappen. Die muss vorgeplant sein, und am besten ist alles vorbereitet, was herausgeschickt wird, weil man während einer Kampagne auf einer so hohen Kommunikationsschiene ist. Sonst gab es einen Kampagnenpreis von 4,20 Euro. Allgemein war ich da schon relativ schnell auf 5 Euro gegangen. Der Kampagnenpreis war dann 4,20, für die Kiffer unter euch. Das hatte ich für die Kampagne noch, das war so das Gadget. Werbefreiheit und Premium-Feed gab es ja schon. Aber die Kommunikationsgrundlage war ganz klar: Psychoaktiv braucht Kohle, weil sonst das Hauptformat den Bach runtergeht.

36:04Von 3 auf 5 Euro: die Preise

Justus Mache: Letzte Detailfrage dazu: Du hattest also eine Preiserhöhung auf den höheren Preis angekündigt und gesagt, für eine Übergangszeit kriegt ihr es jetzt noch für …

Stefanie Bötsch: Nee, nee. Ich bin relativ schnell mit meinem Preis hochgegangen. Ich habe, wie vielleicht viele Leute, die ängstlich sind, mit 3 Euro gestartet, bin dann auf 4 Euro und relativ zügig auf 5 Euro. Auch das habe ich vom Growth College. Der Aspekt ist: Wie viel sind Leute bereit zu zahlen? Wenn man bei 3 Euro herumkrebst und dann noch Steuern und Abzüge dazukommen, siehst du nie Land. Man zahlt ja zum Beispiel jährlich seine 60 Euro oder so. Wenn man sich das gerade bei Fortbildungen anschaut, mit Blick auf die Fachkräfte: Welche Fortbildung kriegst du für 60 Euro, die so viel Informationstiefe hat? Mir hat zum Beispiel geholfen, auf diesen Jahrespreis zu schauen, wenn Leute Jahresmitgliedschaften abschließen, und zu sagen: Ich bilde ja auch fort, ich mache aktiv Fortbildung. Ich habe ein bisschen in Richtung Fachkräfte geschaut, und es gibt so viele, die das für ihren Job machen. Dann ist das ein fairer Preis. Wenn man die Preise von Fortbildungen kennt, finde ich das völlig in Ordnung.

Justus Mache: Ja, auf jeden Fall.

Stefanie Bötsch: Das hat mir geholfen, den Preis ein bisschen hochzuschrauben. Ich war schon bei 5 Euro, und dann gab es 4,20 Euro während der Kampagne; das waren Jahrespreise. Das finde ich interessant: Die 4,20 wurden gar nicht so häufig gekauft. Meistens wurden die Pakete für 5 oder 10 Euro gekauft. Das war ein spannender Einblick, dass die Leute, die wirklich unterstützen wollen, auch mehr gegeben haben. Das war voll schön, auch diesen Support zu erfahren, auch wenn es anstrengend ist. Seit 14 Monaten arbeite ich auf Hochdruck daran, dass auf Steady überhaupt Geld hereinkommt. Ich bin mit 830 Euro nach Hause gekommen, habe meine Selbstständigkeit gegründet und bin seitdem voll selbstständig.

38:54Das neue Angebot und das Arbeitgeberpaket

Stefanie Bötsch: Dann habe ich mit Hilfe von David Reiter angefangen, mein Angebot noch mal zu überarbeiten. Ich habe inzwischen mehrere Bonusfolgen gemacht, ich glaube, vier oder fünf. Wenn man zurückschaut, ist das jeden zweiten Monat eine Bonusfolge; das fand ich richtig viel, als ich darüber nachgedacht habe. Ich habe mehrere Bonusartikel geschrieben. Was ich zum Beispiel auch habe, sind Hörleitfäden. Darin findet man zum Beispiel alle Folgen zum Thema Grundlagen Sucht schön sortiert, oder alle Folgen zu ADHS und Sucht. Das baue ich nach und nach zu verschiedenen Themen auf. Das ist im größeren 10-Euro-Paket drin, wo wir gerade von Audio-Leitfäden sprachen. Sonst bekommen alle Pakete Zugriff auf Bonusfolgen und Bonusartikel. Und weil ich das schön finde, habe ich mir überlegt, ab und zu ein Webinar zu machen. Das habe ich auch schon einmal gemacht, und im großen Paket kann man sich das Webinar dann noch mal anschauen.

Justus Mache: Auf deiner Webseite irgendwo versteckt, oder alles auf Steady? Ah, auf Steady, okay.

Stefanie Bötsch: Genau. Ich benutze da gerade komplett Steady, weil ich das am überschaubarsten finde. Und dahingehend habe ich auch die Preise noch mal erhöht. Jetzt ist das kleinste Paket 6 Euro und das größte 10 Euro, bei der Jahresmitgliedschaft.

Justus Mache: Bei der Jahresmitgliedschaft, okay. Ich sehe seit Anfang August noch mal ein schönes Wachstum, prozentual wie monetär. Du hast in den anderthalb Monaten von 800 die 1.000 geknackt. Kam das übers Produkt, weil du etwas Neues angeboten hast, oder mit dem gleichen Messaging: Wir wollen Psychoaktiv erhalten?

Stefanie Bötsch: Nee, das kam über den Verkauf des großen Arbeitgeberpakets.

Justus Mache: Ah ja, schön.

Stefanie Bötsch: Aber die 1.000 Euro hatte ich fast schon vorher geknackt, das ist mir wichtig. Jetzt bin ich schon bei 1.100 Euro oder so. Das kam durch das Arbeitgeberpaket.

41:15Nach der Kampagne: Flaute und ein positiver Ton

Stefanie Bötsch: Was vielleicht auch wichtig ist: Nach der Kampagne hat das Wachstum, das ich vorher gewohnt war, erst mal gar nicht mehr stattgefunden. Ich glaube, in einem Monat ist es sogar gesunken. Wenn man bei anderen schaut, die Kampagnen machen, habe ich gehört, dass das normal ist.

Justus Mache: Ja, absolut. Da soll man sich nicht wundern.

Stefanie Bötsch: Und jetzt habe ich eher das Gefühl, dass es wieder ein bisschen losgeht.

Justus Mache: Nach unserer Vorstellung gibt es eine Schwelle zwischen Hörer:innen, die Mitglied sind, und denen, die es nicht sind. Manche stehen sehr dicht daran; die kommen quasi von allein, wenn sie nur den Link sehen. Manche stehen ein bisschen weiter weg, und eine emotionale Kommunikation oder eine Kampagne, in welcher Form auch immer, zieht die Leute raumgreifend hinüber in die Mitgliedschaft. Die, die mit der Kampagne zu gewinnen waren, sind dann erst mal weg. Dann müssen entweder normale Hörer:innen wieder in diesen Bereich hineinkommen, oder neue kommen dazu, die gleich dort landen. Das ist absolut normal.

Justus Mache: Was ich als Tipp mit auf den Weg gebe, vor allem, wenn die Kommunikation in die Richtung geht: Wenn wir das und das Ziel nicht erreichen, muss es aufhören. Dann sollte man daraus auch einen positiven Spin entwickeln. In zwölf Monaten, in deinem Fall dann im April, werden sich die Mitgliedschaften wahrscheinlich verlängern. Man sollte es vorher schaffen, nicht die ganze Zeit im Krisenmodus zu sein, sondern zu sagen: Jetzt haben wir das, jetzt können wir positiv in die Zukunft schauen. Weil es diese Baseline an monetärer Unterstützung gibt, kann ich jetzt das machen. Damit die Leute nicht die ganze Zeit denken: Oh, jetzt muss ich das irgendwie mit am Leben halten. Sondern: Schön, dass es da ist. Das heißt nicht, dass es nie wieder vorkommen kann. Aber diesen Rettungsmodus sollte man meiner Meinung nach irgendwann ruhen lassen und die Leute über die normale Mitgliedschaft halten.

Stefanie Bötsch: Was ich jetzt häufig als ganz klare Kommunikation nutze, auch auf LinkedIn, wenn ich über meinen Podcast spreche: Psychoaktiv finanziert sich durch Mitgliedschaften. Es ist ein Community-supported Projekt. Das sage ich immer wieder, auch in jeder Podcastfolge, die kein Interview ist. Du sagst, man sollte aus der Krisenkommunikation herauskommen. Da bin ich auch draußen. Aber to be honest: Aktuell geht es auch, weil jetzt im Herbst die Werbeeinnahmen gut waren. Diese erste Schwelle ist überschritten, aber davon, dass ich sagen würde, Psychoaktiv ist sicher finanziert, bin ich, to be honest, immer noch weit weg. Es braucht weiter Arbeit, aber die Situation ist schon mal nicht mehr so prekär, und das ist gut.

44:32Eine Doku für alle, um die 1.000 Euro zu feiern

Stefanie Bötsch: Um die 1.000 Euro zu feiern, arbeite ich gerade an der ersten … Das habe ich mir bei Kack & Sachgeschichten abgeschaut: Immer wenn sie ein bestimmtes Geldziel erreichen, machen sie für alle ein schönes Format. Ich mache jetzt eine Psychoaktiv-Doku. Ich bin total gespannt, weil die für alle da sein wird. Es wird vier Teile geben, die einen Monat lang jede Woche erscheinen; sonst komme ich ja zweiwöchentlich heraus. Die Mitglieder bekommen aber sofort Zugriff auf alle Teile. Ich finde, das ist auch eine schöne Art der Kommunikation: Ich halte kein Wissen zurück, und alle haben daran teil, dass Psychoaktiv einen Schritt weiter ist. Gleichzeitig macht es auf schöne Art deutlich, dass es das nur gibt, weil es Leute gibt, die mich finanziell unterstützen. Das finde ich eine schöne Art, das allgemein zu feiern, und ein geiles Thema.

Justus Mache: Ich habe noch nie von einem Medienmacher bei uns gehört, dass es Neid innerhalb der Community gibt. Also dass einer sagt: Hey, ich bezahle 10 Euro, warum kann jetzt der 5-Euro-Mensch das auch hören? Finde ich schrecklich. Oder: Warum ist die Folge auf einmal im öffentlichen Feed? Das ist eine Katastrophe. Je nachdem, wie die Leute das aufsetzen: Sobald Community und Unterstützung mit hineinkommen, gibt es Neid innerhalb der Mitgliedschaften und unter den Hörer:innen des gesamten Podcasts eigentlich nicht. Wahrscheinlich gibt es das schon, aber es wurde noch nie angesprochen. Kein Medienmacher hat mir erzählt, dass ein Mitglied gesagt hat, es finde es scheiße, dass jetzt jemand etwas kostenlos hören kann, wofür es selbst bezahlt.

Justus Mache: Okay, dann würde ich sagen, ich bedanke mich. Außer du hast noch etwas in der Hinterhand, das du den Leuten mit auf den Weg geben möchtest, oder ein Learning, das du noch auf dem Zettel hast. Gibt es noch etwas? Habe ich etwas vergessen?

46:35Kein schneller Erfolg: warum sich Dranbleiben lohnt

Stefanie Bötsch: Ihr habt in letzter Zeit viele von diesen sehr großen Erfolgen gezeigt. Das freut mich unfassbar für die Leute, dass es so einfach ging, oder was heißt so einfach, und dass sie sehr schnell eine sehr hohe Mitgliederzahl hatten. Das war bei mir nicht so und ist auch nicht so. Ich habe das Gefühl, dass ich extrem viel für Steady arbeiten muss, damit es sich umsetzt. Ich habe die Hoffnung, dass ich vielleicht in zwölf Monaten über 2.000 bin, und dann spürt man langsam die Veränderung. Der Aufwand für Psychoaktiv ist enorm, und to be honest bräuchte ich eigentlich 5.000 auf Steady, um zu sagen: Okay, jetzt kann ich durchatmen. Aber es ist überhaupt eine zweite Einnahmequelle neben der Werbung, die es möglich macht, ein bisschen Sicherheit zu bekommen und zu planen.

Stefanie Bötsch: Ich finde trotz allem, auch wenn es keine 5 Prozent sind und es nicht einfach geht, dass es sich gelohnt hat dranzubleiben. Aber auch to be honest: Es war für mich nicht fun, sondern auch viel Überwindung, zu lernen, darüber zu reden. Aber es wird einfacher. Ich finde schon, dass es einfacher wird, ehrlich darüber zu reden und dementsprechend dranzubleiben. Man muss aber wirklich etwas dafür tun. Sonst ist es ein Rezept dafür, dass man sehr schnell wieder davon weggeht, wenn man gar nichts oder nur sehr wenig dafür tut oder sehr zaghaft damit umgeht. So nach dem Motto: Alle zehn Folgen sage ich mal kurz: Guck mal, Steady.

Justus Mache: Nur zum Spiegeln für die Hörer:innen, falls sie es mitgekriegt haben: Du meinst die Erfolge von Was bisher geschah und Sendepause Fehlanzeige. Die haben übrigens genau das gemacht, was du in deiner Kampagne im April gemacht hast. Die haben auch gesagt: Wenn wir das und das Ziel nicht erreichen, geht es nicht weiter. Das ist nicht etwas, das ich generell allen Podcastern empfehle. Das ist ein sehr starker Faktor in der Kommunikation, den man größtenteils nur dann einsetzen sollte, wenn man sich wirklich sicher ist, dass es dann so ist. Bei denen hat genau das geklappt, was bei dir geklappt hat, vielleicht mit höherer Conversion Rate; ich weiß nicht, wie viele Hörer:innen die haben. Aber es ist dort genau das passiert, was bei dir passiert ist, mit am Ende mehr Mitgliedern.

49:01Von Anfang an an die Finanzierung denken

Stefanie Bötsch: Absolut. Natürlich sollte man das nicht jedem empfehlen. Aber gerade bei Formaten, die schon länger dabei sind und die vielleicht als Hobby gestartet sind, übermütig und kopflos und überhaupt ohne Geld in Sicht, ist es eine unfassbar reale Situation, dass man irgendwann in diesen Creator-Burnout hineinkommt, weil man merkt: Ich habe nicht wirtschaftlich gedacht. Ich bin halt Suchttherapeutin und keine BWLerin, und ich mache das, weil es meine Leidenschaft ist. Für mich anzuerkennen, dass das nicht vorhandene finanzielle Polster von Psychoaktiv, also die Einnahmen, der Grund sind, warum ich nicht weitermachen kann, war erst mal ein Prozess. Das steht ein bisschen dem entgegen, dass ich gern über Drogen reden möchte und dass das alles ist, was mir wichtig ist. Aber wenn du 20 Stunden die Woche da hineinsteckst, musst du auch an Geld denken.

Stefanie Bötsch: Ich glaube, durch genau diesen Prozess gehen viele Medienmacher, die mit wunderbaren Projekten starten, weil es ihre Leidenschaft ist, und kein einziges Mal über Finanzen nachdenken. Wenn jemand zuhört, der gerade ein Projekt startet: Denkt von Anfang an an die Finanzierung, um einem Burnout vorzubeugen. Auch wenn es am Anfang nur 200, 300 Euro sind oder 100 Euro. Fangt damit an, kommt hinein, denkt euch ein Konzept aus und entwickelt es. Wenn man sofort damit anfängt, ist das gleich ein anderer Schnack. Dann muss man hoffentlich nie sagen: Scheiße, ich habe nicht daran gedacht, und wenn ich jetzt nicht etwas ändere, ist es von jetzt auf gleich vorbei. Das ist auch verwirrend für die Leute, die zuhören. Die denken: Was war denn die ganze Zeit? Ja, die ganze Zeit war ich ausgebrannt, und jetzt bin ich am Ende. Überraschung.

Justus Mache: Okay, Steffi, dann kommt jetzt die richtige Abmoderation. Danke für deine Insights und deine Erfahrung, positiv wie negativ. Das ist auch wichtig, falls jemand zuhört, der sich vergleicht und überall nur die großen Erfolge sieht. Das ist vielleicht auch unsere Schuld, weil wir nur die großen Wins öffentlich kommunizieren. Die allermeisten Podcasts, die bei uns sind, können grundsätzlich nicht davon leben. Es ist in den meisten Fällen eine Teilfinanzierung, mindestens parallel zur Werbefinanzierung. Aber genau das, was du erzählst: Es nimmt einem psychologisch ein bisschen die Last von den Schultern, dass es Leute gibt, die einen so unterstützen wollen und sogar Geld dafür geben. Das ist emotionaler Support und gleichzeitig natürlich auch finanzieller. Da bist du nicht allein. Danke, dass du das mit uns geteilt hast.

Stefanie Bötsch: Sehr gern.

Justus Mache: Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag. Tschüss.

Stefanie Bötsch: Wünsche ich dir auch. Tschüss.

Das kannst du übernehmen

  1. Sag offen, wofür du Geld brauchst. Eine reine Unterstützer-Mitgliedschaft ist ehrlicher als Bonusinhalte, für die dir die Zeit fehlt.
  2. Mach die Mitgliedschaft unübersehbar, etwa indem du neue Mitglieder in jeder Folge mit Vornamen begrüßt.
  3. Schreib alle E-Mails und Posts einer Kampagne fertig, bevor sie beginnt.
  4. Wenn deine Hörer:innen finden, andere müssten zahlen, sprich diese anderen an, zum Beispiel Arbeitgeber mit einem eigenen Paket.
  5. Rechne damit, dass das Wachstum nach einer Kampagne stockt, und kehre danach zu einem ruhigen, zuversichtlichen Ton zurück.

Ein großer Podcast ohne Werbekunden

Psychoaktiv ist ein wissenschaftlicher Podcast über Drogenkonsum und Sucht. Stefanie Bötsch ist Suchttherapeutin und arbeitet seit zehn Jahren in der Suchthilfe. Den Podcast gibt es seit fünf Jahren, alle zwei Wochen erscheint eine Folge, zum Zeitpunkt des Gesprächs waren es mehr als 120. Wer zuhört, soll Drogen danach differenzierter verstehen und nicht in Schwarz und Weiß.

An Reichweite fehlt es nicht. Nach Bötschs Angaben kommt Psychoaktiv im Schnitt auf 300.000 Downloads im Monat und 50.000 bis 60.000 Hörer:innen. Für Werbekunden wäre das eine gute Grundlage, doch sie halten Abstand. Das Thema gilt nicht als „brand safe“, als sicheres Umfeld für Marken. Manche Vermarkter nehmen den Podcast gar nicht erst auf. Ein automatisierter Werbevertrag über einen Adserver bringt ein verlässliches Minimum. Host Reads, also Werbung, die die Moderatorin selbst spricht, bringen das meiste Geld, kommen aber selten. Auf gute Monate folgten bisher Monate ohne einen einzigen Werbevertrag.

Der Aufwand ist hoch. Für jede Folge recherchiert Bötsch 10 bis 20 Stunden, insgesamt arbeitet sie etwa 20 Stunden pro Woche am Podcast, so viel wie in einer halben Stelle. Lange tat sie das neben ihrem Beruf in der Drogenberatung und schrieb nebenbei ein Fachbuch. Für die Zeit, die sie in den Podcast steckt, verdiene sie nicht einmal den Mindestlohn, sagt sie. In einem alten Tagebuch fand sie später ihr Ziel aus jener Zeit: wieder Spaß an der Freizeit finden.

Ein zögerlicher Anfang

Einen Steady-Account hatte Bötsch schon nach ein, zwei Jahren angelegt und dann ignoriert. Sie traute sich nicht, nach Geld zu fragen. Im Juli 2024, mitten in einem Sabbatical, entschied sie, Mitgliedschaften zu verkaufen. Vorher arbeitete sie das Steady Growth College durch. Ein Rat blieb hängen: Die Mitgliedschaft muss so präsent sein, dass niemand, der den Podcast hört, an ihr vorbeikommt.

Groß angekündigt hat sie den Start nicht. Sie setzte Links in ihren Newsletter, den sie schon über Steady verschickte, und auf ihre Website, wo zu jeder Folge ein Artikel steht. Im Podcast erklärte sie das Angebot einmal. Das erste Mitglied kam, bevor sie überhaupt darüber gesprochen hatte: ein Hörer, der das kleinste Paket für 3 Euro gleich für ein Jahr buchte.

Ein Fehler aus dieser Zeit beschäftigt sie bis heute. Sie bot Werbefreiheit an und stellte Bonusfolgen und Bonusartikel in Aussicht, weil sie sonst das Gefühl gehabt hätte, nichts zu verkaufen zu haben. Ihr Freund hatte gewarnt, wer für die Grundarbeit kein Geld bekomme, könne nicht noch mehr arbeiten. Rückblickend würde Bötsch mit einer einzigen Mitgliedschaft beginnen, die nur der Unterstützung dient. „Das wäre die Realität gewesen“, sagt sie.

Die Mitgliedschaft wuchs langsam. Nach Steuern und Gebühren kamen 200 bis 300 Euro im Monat herein. Damit war nach ihrer Rechnung nicht einmal ein Viertel einer Folge bezahlt. Nach dem Sabbatical wollte sie sich selbstständig machen und Psychoaktiv wie einen Beruf behandeln. Dafür musste der Podcast Geld einbringen.

Die Kampagne im April 2025

Ein Dreivierteljahr nach dem Start, im April 2025, sagte sie öffentlich, was sie lange für sich behalten hatte. So, wie Psychoaktiv finanziert sei, könne es nicht weitergehen. Einen Monat lang erklärte sie das im Newsletter, im Podcast und auf Instagram, dort fortlaufend auch in Stories. Ihr Ziel waren 1.000 Euro im Monat.

Bötsch legte die Kosten offen. Sie setzte einen Stundensatz von 60 Euro an, weniger als die Hälfte der 130 Euro, die sie als Therapeutin berechnet, und rechnete hoch, was eine Folge kostet. In einer E-Mail erklärte sie, dass der größte Teil der Arbeit in Recherche und Skript fließt. Ein Podcast, für den man sich nicht vorbereiten muss, sei billiger zu machen. Es gab Gegenwind von Menschen, denen der Stundensatz zu hoch erschien, aber viel weniger, als sie befürchtet hatte.

Während der Kampagne gab es einen Aktionspreis von 4,20 Euro bei jährlicher Zahlung; regulär kostete das kleinste Paket damals schon 5 Euro. Den Aktionspreis wählten nur wenige, die meisten nahmen die Pakete zu 5 oder 10 Euro. Bis heute begrüßt Bötsch neue Mitglieder am Anfang jeder Folge mit Vornamen. So weiß jeder, der zuhört, dass es die Mitgliedschaft gibt.

Die Wochen waren anstrengend, es habe sich „ein bisschen nach Betteln angefühlt“. Ihr wichtigster Rat an alle, die eine Kampagne planen, ist deshalb, vorher alles fertig zu haben, alle E-Mails geschrieben und die Instagram-Posts vorbereitet. Wer in einer so belastenden Phase noch schreiben muss, hört nach ihrer Erfahrung auf.

Was es gebracht hat

Die Kampagne verdoppelte die Zahl der Mitglieder. Das Ziel von 1.000 Euro verfehlte Bötsch, am Ende standen nach ihrer Erinnerung rund 870 Euro im Monat. Danach stockte das Wachstum, in einem Monat ging es sogar zurück. Justus Mache, der bei Steady Medienmacher:innen berät, hält das für normal. Eine Kampagne gewinnt alle auf einmal, die kurz vor der Entscheidung stehen. Danach müssen neue Hörer:innen erst wieder an diese Schwelle herankommen.

Zurück aus dem Sabbatical, überarbeitete Bötsch ihr Angebot. Zum Zeitpunkt des Gesprächs kostet das kleinste Paket 6 Euro, das größte 10 Euro im Monat bei jährlicher Zahlung. Alle Mitglieder bekommen Bonusfolgen, bis dahin vier oder fünf, und Bonusartikel. Im großen Paket kommen Hörleitfäden dazu, die Folgen nach Themen ordnen, etwa zu ADHS und Sucht, außerdem die Aufzeichnungen von Webinaren.

Am meisten bewegte eine andere Idee. In ihren Umfragen hört Bötsch immer wieder, für Psychoaktiv müssten andere zahlen. Fachleute verweisen auf den Arbeitgeber, weil es um Fortbildung gehe, Betroffene auf den Staat, weil es Prävention sei. Fördermittel kann sie nicht beantragen, weil Psychoaktiv nicht gemeinnützig ist. Deshalb spricht sie Arbeitgeber direkt an, zwei haben ein Arbeitgeberpaket gekauft. Die 1.000 Euro hatte sie fast erreicht, den Sprung darüber brachte der Verkauf des großen Arbeitgeberpakets. Zum Zeitpunkt des Gesprächs liegt Psychoaktiv bei rund 1.100 Euro im Monat.

Der Anteil der Zahlenden bleibt klein. Steady rechnet als Faustregel damit, dass etwa 5 Prozent eines Publikums zu zahlen bereit sind, bei Psychoaktiv sind es 0,35 Prozent. Bötsch vermutet, dass ihren Hörer:innen das Verbindende fehlt. Angehörige, Fachleute und Menschen, die selbst konsumieren, hören denselben Podcast aus sehr verschiedenen Gründen. Durchatmen könnte sie bei etwa 5.000 Euro im Monat. Trotzdem habe sich das Dranbleiben gelohnt, sagt sie, weil sie mit einer zweiten Einnahmequelle neben der Werbung planen kann. Mache ordnet das ein: Die allermeisten Podcasts bei Steady können nicht allein von Mitgliedschaften leben, für sie sind sie eine Teilfinanzierung neben der Werbung.

Die 1.000 Euro feiert Bötsch mit einer Dokumentation in vier Teilen. Sie erscheint für alle, einen Monat lang wöchentlich, Mitglieder hören alle Teile sofort. So hält sie kein Wissen zurück und zeigt zugleich, wofür die Unterstützung da ist. Die Idee hat sie sich nach eigenen Worten bei dem Podcast „Kack & Sachgeschichten“ abgeschaut.

Was du übernehmen kannst

  • Denk früh ans Geld. Bötsch würde heute von Anfang an an die Finanzierung denken, auch wenn es zunächst nur 100 oder 200 Euro sind. Wer erst in der Not fragt, verwirrt sein Publikum.
  • Verkauf Unterstützung, wenn dir die Zeit für mehr fehlt. Bonusinhalte, die du nebenher produzieren musst, verschärfen das Problem, das die Mitgliedschaft lösen soll.
  • Zeig die Rechnung. Ein bescheidener Stundensatz und die Stunden pro Folge machen verständlich, wofür das Geld gebraucht wird.
  • Bereite die Kampagne vollständig vor und nimm dir einen Monat Zeit, in dem du auf allen Kanälen darüber sprichst.
  • Sprich auch die an, die zahlen sollten. Wenn deine Hörer:innen auf ihre Arbeitgeber verweisen, biete diesen ein eigenes Paket an.
  • Verlass den Krisenton. Mache rät, nach einer Rettungskampagne bald zuversichtlich zu erzählen, was die Unterstützung möglich macht. Bötsch sagt heute bei jeder Gelegenheit, auch auf LinkedIn, dass sich Psychoaktiv durch Mitgliedschaften finanziert.

Mit einer Drohung sollte man vorsichtig sein. Die Ankündigung, ohne Geld sei Schluss, wirkt stark, und Mache empfiehlt sie nur, wenn sie stimmt. Wie du eine Kampagne Schritt für Schritt planst, steht in der Lektion Wie gewinnst du mit einer Membership-Kampagne zahlende Mitglieder?, Ideen für weitere Einnahmen in Wie kannst du mit deinem Podcast Geld verdienen?.

Häufige Fragen

Warum findet ein großer Podcast wie Psychoaktiv kaum Werbekunden?

Weil das Thema Drogen nicht als „brand safe“ gilt, also nicht als sicheres Umfeld für Marken. Manche Vermarkter nehmen den Podcast nach Stefanie Bötschs Worten gar nicht erst auf, obwohl er im Schnitt 300.000 Downloads im Monat hat. Ein Adserver bringt ein verlässliches Minimum, gut bezahlte Host Reads bleiben die Ausnahme.

Wie viele Hörer:innen zahlen bei Psychoaktiv für eine Mitgliedschaft?

Zum Zeitpunkt des Gesprächs 0,35 Prozent, also deutlich weniger als die 5 Prozent, mit denen Steady als Faustregel rechnet. Stefanie Bötsch vermutet zwei Gründe. Ihrem Publikum fehle das Verbindende, und viele fänden, Arbeitgeber oder Staat müssten für Fortbildung und Prävention zahlen.

Was bringt ein Arbeitgeberpaket für einen Podcast?

Es spricht Arbeitgeber an, deren Beschäftigte sich mit dem Podcast fortbilden. Zum Zeitpunkt des Gesprächs hatte Stefanie Bötsch zwei Arbeitgeberpakete verkauft. Der Verkauf des großen Arbeitgeberpakets brachte Psychoaktiv über 1.000 Euro im Monat.

Warum wächst eine Mitgliedschaft nach einer Kampagne zunächst nicht weiter?

Eine Kampagne gewinnt alle auf einmal, die kurz vor der Entscheidung stehen. Danach müssen neue Hörer:innen erst wieder an diese Schwelle kommen. Justus Mache von Steady nennt das normal. Bei Psychoaktiv sank die Zahl nach der Kampagne in einem Monat sogar.

Darf ich in einer Kampagne mit dem Ende meines Podcasts drohen?

Justus Mache rät, das nur zu tun, wenn es stimmt. Die Ankündigung wirkt stark und verpflichtet. Hat die Kampagne Erfolg, solltest du bald wieder zuversichtlich erzählen, was die Unterstützung möglich macht, statt im Krisenton zu bleiben.

Die Methoden dahinter

Gespräch

Justus Mache

Media Maker Success bei Steady

Justus hilft bei Steady Medienmacher:innen dabei, Mitgliedschaften zu starten und dauerhaft zu betreiben. Im College erklärt Justus, wie du Preise, Pakete und Gegenleistungen festlegst.

Weitere Fallstudien

  • Newsletter-Workshop zum Buch

    Anleitung zum Unkreativsein

    Wie Dirk von Gehlen ein Buch in einen Newsletter-Workshop verwandelte

    11 Newsletter-Folgen, eine pro Buchstabe des Worts „Perspektive“, verschickt von Anfang April bis Mitte Juni 2021

    Mit Dirk von Gehlen

  • Unabhängiger Verlag

    Frohmann Verlag

    Wie der Frohmann Verlag Bücher über Subskriptionen auf Steady vorfinanziert

    12 € im Monat für die Subskription der Reihe Kleine Formen, dafür alle drei Monate ein Buch (zum Zeitpunkt des Gesprächs, Dezember 2021)

    Mit Christiane Frohmann

  • Podcast

    Insert Moin

    Insert Moin: Wie ein Spiele-Podcast mit einer Paywall zum Beruf wurde

    3.000 Folgen seit 2010 (zum Zeitpunkt des Gesprächs)

    Mit Manuel Fritsch