Lektion 1 von 6 · Leserbindung und Reichweite

Wie findest du die Zielgruppe für deine Publikation?

Deine Zielgruppe findest du, indem du deine Annahmen regelmäßig mit Fakten abgleichst. Katrin Jahns empfiehlt drei Wege: Leite aus deinen Daten Hypothesen ab, schau dir Konkurrenz und Vorbilder genau an und prüfe die Hypothesen mit Umfragen und Gesprächen bei deinem bisherigen Publikum.

Video 6:11Lesezeit 4 Min.Mit Katrin JahnsStand:

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0:00Wer hier spricht

Hi, mein Name ist Katrin Jahns, und ich berate große Unternehmen und kleine Publisher zu den Themen Marketing und Strategie. Ich habe mit Sebastian einige Jahre bei Steady zusammengearbeitet. Ich habe selbst einen journalistischen Hintergrund, habe aber später auch sehr viele Jahre im digitalen Marketing gearbeitet.

Es ist mir deshalb nicht nur ein berufliches, sondern tatsächlich auch ein höchstpersönliches Anliegen, hochwertigen Content im Internet zu fördern. Denn davon gibt es zwar viel, aber er wird gern mit Müll überflutet. Deshalb möchte ich das tolle Marketingwissen, das für viele große Konzerne so leicht zu bekommen ist, auch zu den kleinen Publishern und Creatorn rüberbringen.

0:42Fokus statt alle Richtungen: Kennst du deine Zielgruppe?

Viele Publisher teilen ein Problem: Sie haben sehr wenig Zeit. Deshalb ist es sehr wichtig, sich auf die richtigen Dinge zu fokussieren. Sei nicht das italienische Restaurant, das auch Sushi und Schnitzel hat, sondern sei das italienische Restaurant mit der besten Pizza der Stadt.

Okay. Bevor du also in Sachen Marketing in alle Richtungen gleichzeitig schießt, schau dir erst einmal deine Zielgruppe an. Denn sehr viele Kund:innen, mit denen ich rede, kennen ihre Zielgruppe gar nicht so richtig. Das passiert sogar ganz großen Firmen.

Viele Publisher suchen ihr Publikum in Menschen, die genauso sind wie sie selbst. Das ist anfangs gar nicht so schlimm, aber es ist meistens auch nicht korrekt. Ich habe oft erlebt, dass Menschen aus allen Wolken gefallen sind, weil sich ihre Vorstellung von ihrer Zielgruppe überhaupt nicht mit dem gedeckt hat, was in der Realität wirklich da ist.

Deshalb ist es wichtig, dass du regelmäßig einen kleinen Reality Check machst und deine Mutmaßungen mit den Fakten abgleichst. Es gibt mehrere Wege, das zu tun. Ich stelle dir heute drei davon vor.

1:45Erster Weg: Know your data

Der erste Weg ist: Know your data. Und keine Sorge, du musst dafür kein Vollprofi sein. Was verraten deine Statistiken über dein Publikum? Wer öffnet deinen Newsletter zum Beispiel mehrmals? Mailchimp zum Beispiel verrät das. Wie enden die Mailadressen deiner Leads? Verraten diese Endungen vielleicht etwas über ihren Arbeitsplatz? Wie heißen deine Leads? Ihre Namen könnten etwas über die Generation sagen, aus der sie stammen.

Bist du eher ein Wochenend-Publisher, oder wird dein Content mehr unter der Woche konsumiert? Das verrät viel darüber, ob du mehr im Business-Kontext unterwegs sein solltest oder eher Freizeitthemen behandelst. Leite aus diesen Erkenntnissen ein paar Eigenschaften ab, die du später als Hypothesen an deiner echten Zielgruppe testen kannst.

Als Nächstes: Blicke 15 Minuten in deine Vergangenheit. Was waren deine Goldmomente? Was hat richtig gut funktioniert, und wo hast du total Zuwachs erlebt? Schau dir ganz genau an, was hier richtig gelaufen ist und wo das stattgefunden hat. Kannst du dieses Ereignis irgendwie replizieren?

Welche Beiträge oder Episoden von dir liefen besonders gut, und was verraten die Themen über deine Zielgruppe? Sammle die Top 50 Beiträge und leite daraus drei Hypothesen über deine Zielgruppe ab. Wenn deine Ergebnisse aus irgendwelchen Gründen, zum Beispiel wegen Ads, ein bisschen verwaschen sind, dann schau dir die Verweildauer an, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

Versuch es mit einer Art Keyword-Analyse: Schreib dir zehn Keywords auf, die deiner Meinung nach zu deinem Projekt passen, und schau, was du dazu für Ergebnisse bei Google, Reddit, Facebook und überall sonst bekommst. Und schau, was für Menschen sich da so herumtreiben.

3:28Zweiter Weg: Schau dir die Konkurrenz an

Mein zweiter Tipp: Schau dir deine Mitstreiter:innen, deine Konkurrenz, deine Inspiration ganz genau an. Wer sind ihre Fans? Was kommentieren die so? Folge ihnen. Was läuft bei deiner Konkurrenz oder Inspiration richtig gut, und was wurde vielleicht wieder eingestellt? Was wird viel gepusht?

Du wärst überrascht, wenn du wüsstest, wie viele Firmen nicht einmal ihre Konkurrenz im Auge behalten und nicht einmal deren Newsletter abonniert haben. Mach es nicht wie die. Du musst das Rad als kleiner Publisher wirklich nicht neu erfinden. Schau dir an, wo die Großen unterwegs sind und wo sie sich eher zurückhalten. Leite daraus ab, wo du vielleicht eine Nische für dich finden kannst oder ob du genau das Modell besser imitieren solltest.

4:10Dritter Weg: Interagiere mit deinem Publikum

Mein dritter und letzter Punkt: Interagiere mit deinem bestehenden Publikum. Das wurde in diesem Kurs schon wirklich viel gesagt, aber ich kann nur immer wieder darauf hinweisen: Mach Umfragen, all the time. Umfragen helfen dir, deine Zielgruppe und dein Publikum wirklich kennenzulernen.

Frag dein Publikum: Wie bist du auf mich aufmerksam geworden? Welches Bedürfnis erfüllt meine Publikation für dich? Wie informierst du dich sonst noch über mein Thema? Auf welchen Social-Media-Plattformen bist du aktiv? Teste die Hypothesen, die du am Anfang aufgestellt hast, direkt an deinem bestehenden Publikum, und schau, wie du darüber noch mehr Leute finden kannst, die ähnlich drauf sind.

Bitte Fans von dir um einen Anruf. Wenn du Millennial bist wie ich, macht dir das wenig Spaß. Aber du wirst sehen: Es macht Spaß, wenn du es machst. Und du wirst überrascht sein, wie viele deiner Fans, oder generell wie viele Menschen, bereitwillig darüber erzählen wollen, woher sie dich kennen und was sie an deiner Arbeit schätzen. Und es wird wirklich gut für dein Ego sein.

Antworte deinen Fans immer. Fordere neue Fans dazu auf, dir nach der Willkommensmail zum Beispiel ein kleines Hallo zu schreiben. Einerseits hilft dir das, dass deine Mails nicht im Spam landen. Andererseits kommst du sofort in den Dialog. Fordere in einer Podcast-Episode zum Beispiel dazu auf, unter deinem letzten Instagram-Post zu dieser Episode einen Kommentar abzugeben.

Je mehr du im Austausch mit deinem bestehenden Publikum bist, desto besser wirst du verstehen, nach welchen Leuten du weiter Ausschau halten musst.

5:42Zusammenfassung

Fassen wir also noch einmal ganz schnell zusammen: Know your data. Behalte deine Zahlen im Blick und leite daraus Informationen über deine Zielgruppe ab. Schau dir deinen Markt und deine Mitstreiter:innen oder Inspirationen genau an. Und interagiere mit deinem bestehenden Publikum. Das wird dir helfen, den richtigen Fokus zu finden und dich dort aufzuhalten, wo die Menschen sind, die sich wirklich für dich interessieren.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Viele Medienmacher:innen suchen ihr Publikum unter Menschen, die so sind wie sie selbst; gleiche diese Vorstellung regelmäßig mit den Fakten ab.
  2. Leite aus deinen Statistiken Hypothesen ab: Wer öffnet deinen Newsletter mehrmals, wie enden die Mailadressen, werden deine Inhalte eher am Wochenende oder unter der Woche genutzt?
  3. Sammle deine 50 erfolgreichsten Beiträge oder Folgen und leite daraus drei Hypothesen über deine Zielgruppe ab.
  4. Beobachte Konkurrenz und Vorbilder: Wer sind ihre Fans, was läuft gut, was wurde eingestellt, und wo halten sich die Großen zurück?
  5. Prüfe deine Hypothesen mit Umfragen und Anrufen bei Fans und antworte deinem Publikum immer.

Du hast wenig Zeit und viele Kanäle, und überall könnte Publikum warten. Bevor du in alle Richtungen zugleich wirbst, kläre, wer dich tatsächlich liest oder hört. Katrin Jahns beriet zur Zeit des Videos große Unternehmen und kleine Medienmacher:innen in Fragen von Marketing und Strategie. Im Video zeigt sie drei Wege, wie du deine Zielgruppe findest.

Warum deine Vorstellung von der Zielgruppe oft danebenliegt

Katrin fasst es in ein Bild: Sei nicht das italienische Restaurant, das auch Sushi und Schnitzel anbietet. Sei das italienische Restaurant mit der besten Pizza der Stadt. Wer wenig Zeit hat, muss sich auf die richtigen Dinge konzentrieren, und dafür musst du wissen, für wen du arbeitest.

Genau das wissen viele nicht. Laut Katrin kennen sehr viele ihrer Kund:innen ihre Zielgruppe kaum, selbst sehr große Firmen. Viele Medienmacher:innen suchen ihr Publikum unter Menschen, die so sind wie sie selbst. Für den Anfang ist das nicht schlimm, meistens stimmt es aber nicht. Katrin hat oft erlebt, dass Menschen aus allen Wolken fielen, weil ihre Vorstellung nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte.

Prüf deshalb regelmäßig, ob deine Vermutungen mit den Fakten übereinstimmen. Dafür gibt es drei Wege.

Erster Weg: Lies deine Daten

Du musst dafür kein Profi sein. Deine Statistiken verraten schon viel über dein Publikum. Stell dir diese Fragen:

  • Wer öffnet deinen Newsletter mehrmals? Newsletter-Tools wie Mailchimp zeigen dir das.
  • Wie enden die Mailadressen deiner Abonnent:innen? Die Endungen können etwas über ihren Arbeitsplatz verraten.
  • Wie heißen sie? Vornamen können etwas über die Generation sagen.
  • Wann werden deine Inhalte genutzt? Wirst du vor allem am Wochenende gelesen oder unter der Woche? Das zeigt dir, ob dein Thema eher beruflich gefragt ist oder eher in die Freizeit gehört.

Leite daraus ein paar Eigenschaften ab. Das sind noch keine Gewissheiten, sondern Hypothesen, die du später an deinem Publikum prüfst.

Nimm dir dann 15 Minuten für einen Blick zurück. Was waren deine Sternstunden? Was hat besonders gut funktioniert, wann hast du deutlich Zuwachs bekommen? Schau genau hin, was damals gut lief und wo, und frag dich, ob du es wiederholen kannst.

Katrin hat dafür eine Faustregel. Sammle deine 50 erfolgreichsten Beiträge oder Folgen, schau, welche Themen sich darin zeigen, und leite daraus drei Hypothesen über deine Zielgruppe ab. Sind die Zahlen unscharf, zum Beispiel weil Werbung sie verzerrt, dann schau auf die Verweildauer, wenn du sie messen kannst.

Ein weiteres Werkzeug ist eine kleine Stichwortanalyse. Schreib zehn Begriffe auf, die zu deinem Projekt passen, such danach bei Google, Reddit und Facebook und schau, welche Menschen sich dort tummeln.

Zweiter Weg: Schau dir Konkurrenz und Vorbilder an

Beobachte deine Mitstreiter:innen, deine Konkurrenz und deine Vorbilder genau. Folge ihnen und achte auf diese Punkte:

  • Wer sind ihre Fans, und was kommentieren sie?
  • Was läuft bei ihnen besonders gut?
  • Was wird viel beworben, und was wurde wieder eingestellt?

Laut Katrin würde es dich überraschen, wie viele Firmen ihre Konkurrenz nicht im Blick haben und nicht einmal deren Newsletter abonniert haben. Mach es besser. Du musst das Rad nicht neu erfinden. Schau, wo die Großen aktiv sind und wo sie sich zurückhalten. Daraus leitest du ab, ob es eine Nische für dich gibt oder ob du ein Modell besser nachmachst. Wie du herausarbeitest, was nur du bietest, liest du in Finde dein Alleinstellungsmerkmal.

Dritter Weg: Sprich mit deinem Publikum

Einen Rat wiederholt Katrin gern: Mach Umfragen, und zwar ständig. Sie helfen dir, dein Publikum kennenzulernen. Vier Fragen schlägt sie vor:

  1. Wie bist du auf mich aufmerksam geworden?
  2. Welches Bedürfnis erfüllt meine Publikation für dich?
  3. Wie informierst du dich sonst noch über mein Thema?
  4. Auf welchen Social-Media-Plattformen bist du aktiv?

Prüf damit die Hypothesen aus deinen Daten und überleg, wie du mithilfe der Antworten mehr Leute findest, die ähnlich ticken. Wie du eine Umfrage aufsetzt und auswertest, zeigt auch die Lektion Preise festlegen.

Geh noch einen Schritt weiter und bitte Fans um ein Telefonat. Die Vorstellung macht vielleicht zunächst wenig Freude, aber laut Katrin macht es Spaß, sobald du es tust. Du wirst überrascht sein, wie bereitwillig Menschen erzählen, woher sie dich kennen und was sie an deiner Arbeit schätzen. Auch deinem Ego tut das nach Katrins Erfahrung gut.

Antworte deinen Fans immer, und lade sie ausdrücklich zum Gespräch ein:

  • Im Newsletter: Bitte neue Abonnent:innen, dir auf die Willkommensmail kurz Hallo zu schreiben. So landen deine Mails seltener im Spam, und ihr seid sofort im Gespräch. Mehr zu den ersten Mails nach der Anmeldung liest du in Newsletter-Abonnenten gewinnen.
  • Im Podcast: Bitte in einer Folge darum, unter deinem Instagram-Beitrag zu dieser Folge einen Kommentar zu hinterlassen.

Je mehr du mit deinem Publikum im Austausch bist, desto besser verstehst du, nach welchen Menschen du weiter suchen musst.

Die drei Wege auf einen Blick

Weg Was du tust Was du davon hast
Lies deine Daten Statistiken auswerten, die 50 erfolgreichsten Beiträge sammeln, Stichwortanalyse Drei Hypothesen über deine Zielgruppe
Beobachte den Markt Fans, Erfolge und Lücken von Konkurrenz und Vorbildern ansehen Deine Nische oder ein Modell zum Nachmachen
Sprich mit deinem Publikum Umfragen, Telefonate, auf jede Antwort reagieren Geprüfte Hypothesen und Hinweise, wo du mehr Leute findest

So findest du deinen Schwerpunkt und verbringst deine Zeit dort, wo die Menschen sind, die sich tatsächlich für dich interessieren.

Häufige Fragen

Wie finde ich die Zielgruppe für meine Publikation?

Gleiche deine Vermutungen mit Fakten ab. Leite zuerst aus deinen Statistiken und deinen erfolgreichsten Beiträgen ein paar Hypothesen ab. Schau dir dann an, wer Konkurrenz und Vorbildern folgt. Zum Schluss prüfst du die Hypothesen mit Umfragen und Gesprächen bei deinem bisherigen Publikum.

Wie definiere ich die Zielgruppe für meinen Newsletter?

Schau in die Statistiken deines Newsletter-Tools. Mailchimp zeigt dir zum Beispiel, wer deinen Newsletter mehrmals öffnet. Die Endungen der Mailadressen können etwas über den Arbeitsplatz verraten, die Vornamen etwas über die Generation. Und ob dein Newsletter eher am Wochenende oder unter der Woche gelesen wird, sagt dir, ob dein Thema eher beruflich gefragt ist oder eher in die Freizeit gehört.

Welche Fragen sollte ich meinem Publikum in einer Umfrage stellen?

Katrin Jahns schlägt vier Fragen vor: Wie bist du auf mich aufmerksam geworden? Welches Bedürfnis erfüllt meine Publikation für dich? Wie informierst du dich sonst noch über mein Thema? Auf welchen Social-Media-Plattformen bist du aktiv?

Was mache ich, wenn meine Zahlen durch Werbung verzerrt sind?

Schau dir die Verweildauer an, wenn du sie messen kannst. Zusätzlich hilft eine kleine Stichwortanalyse: Schreib zehn Begriffe auf, die zu deinem Projekt passen, such danach bei Google, Reddit und Facebook und schau, welche Menschen sich dort tummeln.

Warum sollte ich meine Konkurrenz beobachten?

Du musst das Rad nicht neu erfinden. An Konkurrenz und Vorbildern siehst du, welche Fans sie haben, was gut läuft und was eingestellt wurde. Daraus leitest du ab, ob du eine Nische besetzt oder ein bewährtes Modell besser nachmachst.

Passt dazu

Coach

Katrin Jahns

Beraterin für Marketing und Strategie

Katrin kommt aus dem Journalismus, war Director of Marketing bei Steady und berät heute zu Marketing und Strategie. Im College erklärt Katrin, wie du deine Zielgruppe findest und mit wenig Budget wächst.