Du hast wenig Zeit und viele Kanäle, und überall könnte Publikum warten. Bevor du in alle Richtungen zugleich wirbst, kläre, wer dich tatsächlich liest oder hört. Katrin Jahns beriet zur Zeit des Videos große Unternehmen und kleine Medienmacher:innen in Fragen von Marketing und Strategie. Im Video zeigt sie drei Wege, wie du deine Zielgruppe findest.
Warum deine Vorstellung von der Zielgruppe oft danebenliegt
Katrin fasst es in ein Bild: Sei nicht das italienische Restaurant, das auch Sushi und Schnitzel anbietet. Sei das italienische Restaurant mit der besten Pizza der Stadt. Wer wenig Zeit hat, muss sich auf die richtigen Dinge konzentrieren, und dafür musst du wissen, für wen du arbeitest.
Genau das wissen viele nicht. Laut Katrin kennen sehr viele ihrer Kund:innen ihre Zielgruppe kaum, selbst sehr große Firmen. Viele Medienmacher:innen suchen ihr Publikum unter Menschen, die so sind wie sie selbst. Für den Anfang ist das nicht schlimm, meistens stimmt es aber nicht. Katrin hat oft erlebt, dass Menschen aus allen Wolken fielen, weil ihre Vorstellung nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte.
Prüf deshalb regelmäßig, ob deine Vermutungen mit den Fakten übereinstimmen. Dafür gibt es drei Wege.
Erster Weg: Lies deine Daten
Du musst dafür kein Profi sein. Deine Statistiken verraten schon viel über dein Publikum. Stell dir diese Fragen:
- Wer öffnet deinen Newsletter mehrmals? Newsletter-Tools wie Mailchimp zeigen dir das.
- Wie enden die Mailadressen deiner Abonnent:innen? Die Endungen können etwas über ihren Arbeitsplatz verraten.
- Wie heißen sie? Vornamen können etwas über die Generation sagen.
- Wann werden deine Inhalte genutzt? Wirst du vor allem am Wochenende gelesen oder unter der Woche? Das zeigt dir, ob dein Thema eher beruflich gefragt ist oder eher in die Freizeit gehört.
Leite daraus ein paar Eigenschaften ab. Das sind noch keine Gewissheiten, sondern Hypothesen, die du später an deinem Publikum prüfst.
Nimm dir dann 15 Minuten für einen Blick zurück. Was waren deine Sternstunden? Was hat besonders gut funktioniert, wann hast du deutlich Zuwachs bekommen? Schau genau hin, was damals gut lief und wo, und frag dich, ob du es wiederholen kannst.
Katrin hat dafür eine Faustregel. Sammle deine 50 erfolgreichsten Beiträge oder Folgen, schau, welche Themen sich darin zeigen, und leite daraus drei Hypothesen über deine Zielgruppe ab. Sind die Zahlen unscharf, zum Beispiel weil Werbung sie verzerrt, dann schau auf die Verweildauer, wenn du sie messen kannst.
Ein weiteres Werkzeug ist eine kleine Stichwortanalyse. Schreib zehn Begriffe auf, die zu deinem Projekt passen, such danach bei Google, Reddit und Facebook und schau, welche Menschen sich dort tummeln.
Zweiter Weg: Schau dir Konkurrenz und Vorbilder an
Beobachte deine Mitstreiter:innen, deine Konkurrenz und deine Vorbilder genau. Folge ihnen und achte auf diese Punkte:
- Wer sind ihre Fans, und was kommentieren sie?
- Was läuft bei ihnen besonders gut?
- Was wird viel beworben, und was wurde wieder eingestellt?
Laut Katrin würde es dich überraschen, wie viele Firmen ihre Konkurrenz nicht im Blick haben und nicht einmal deren Newsletter abonniert haben. Mach es besser. Du musst das Rad nicht neu erfinden. Schau, wo die Großen aktiv sind und wo sie sich zurückhalten. Daraus leitest du ab, ob es eine Nische für dich gibt oder ob du ein Modell besser nachmachst. Wie du herausarbeitest, was nur du bietest, liest du in Finde dein Alleinstellungsmerkmal.
Dritter Weg: Sprich mit deinem Publikum
Einen Rat wiederholt Katrin gern: Mach Umfragen, und zwar ständig. Sie helfen dir, dein Publikum kennenzulernen. Vier Fragen schlägt sie vor:
- Wie bist du auf mich aufmerksam geworden?
- Welches Bedürfnis erfüllt meine Publikation für dich?
- Wie informierst du dich sonst noch über mein Thema?
- Auf welchen Social-Media-Plattformen bist du aktiv?
Prüf damit die Hypothesen aus deinen Daten und überleg, wie du mithilfe der Antworten mehr Leute findest, die ähnlich ticken. Wie du eine Umfrage aufsetzt und auswertest, zeigt auch die Lektion Preise festlegen.
Geh noch einen Schritt weiter und bitte Fans um ein Telefonat. Die Vorstellung macht vielleicht zunächst wenig Freude, aber laut Katrin macht es Spaß, sobald du es tust. Du wirst überrascht sein, wie bereitwillig Menschen erzählen, woher sie dich kennen und was sie an deiner Arbeit schätzen. Auch deinem Ego tut das nach Katrins Erfahrung gut.
Antworte deinen Fans immer, und lade sie ausdrücklich zum Gespräch ein:
- Im Newsletter: Bitte neue Abonnent:innen, dir auf die Willkommensmail kurz Hallo zu schreiben. So landen deine Mails seltener im Spam, und ihr seid sofort im Gespräch. Mehr zu den ersten Mails nach der Anmeldung liest du in Newsletter-Abonnenten gewinnen.
- Im Podcast: Bitte in einer Folge darum, unter deinem Instagram-Beitrag zu dieser Folge einen Kommentar zu hinterlassen.
Je mehr du mit deinem Publikum im Austausch bist, desto besser verstehst du, nach welchen Menschen du weiter suchen musst.
Die drei Wege auf einen Blick
| Weg | Was du tust | Was du davon hast |
|---|---|---|
| Lies deine Daten | Statistiken auswerten, die 50 erfolgreichsten Beiträge sammeln, Stichwortanalyse | Drei Hypothesen über deine Zielgruppe |
| Beobachte den Markt | Fans, Erfolge und Lücken von Konkurrenz und Vorbildern ansehen | Deine Nische oder ein Modell zum Nachmachen |
| Sprich mit deinem Publikum | Umfragen, Telefonate, auf jede Antwort reagieren | Geprüfte Hypothesen und Hinweise, wo du mehr Leute findest |
So findest du deinen Schwerpunkt und verbringst deine Zeit dort, wo die Menschen sind, die sich tatsächlich für dich interessieren.
