Auf deiner Website entscheidest du bei jedem Text, ob er kostenlos bleibt oder hinter die Paywall kommt. Aus diesen Einzelentscheidungen ergibt sich dein Modell. Für kleine Medien kommen drei Wege in Frage: Einzelne Texte stehen dauerhaft hinter der Paywall, Texte stehen nur für einige Tage dahinter, oder alles bleibt kostenlos. Welcher passt, hängt davon ab, was du exklusiv anbieten kannst, wie schnell deine Themen veralten und wie treu deine Leser:innen sind. Ob sich eine Paywall für dich schon lohnt, klärt die erste Lektion dieses Kurses.
Was Steady auf deiner Website anbietet
Seit September 2026 hat Steady eine Paywall, und sie lässt sich nicht wegklicken. Du setzt im Text eine Markierung, alles danach sehen nur zahlende Mitglieder. Eine Einstellung, die alle Texte auf einmal hinter die Paywall stellt, gibt es nicht. Jede Markierung setzt du einzeln. Dazu kommen zwei Ergänzungen:
- Registration Wall. Unter deinen Paketen steht eine kostenlose Option. Wer noch nicht zahlen will, liest den aktuellen Text gegen seine E-Mail-Adresse weiter und wird kostenloses Mitglied. Das geht einmal pro Person und nur für Leute, die noch nie Mitglied waren.
- Kompakte Paywall. Sie ist eine Zeile hoch und verdeckt nur einen Abschnitt oder ein einzelnes Element, etwa ein Video oder einen Download. Eine kostenlose Freischaltung bietet sie nicht.
Auf deiner Website öffnet jede bezahlte Mitgliedschaft alle Texte hinter der Paywall. Zugang nach Paket gibt es dort nicht, nur bei Posts auf Steady. Wie du Steady-Code, Plugin und Markierung einrichtest, steht in Wie bindest du Steady auf deiner eigenen Website ein?
Warum Steady auf harte Paywall und Registration Wall setzt
Steady hat drei Monate lang harte und weiche, also wegklickbare, Paywalls verglichen. Harte brachten 0,81 bezahlte Mitgliedschaften pro 1.000 Paywall-Ansichten, weiche 0,02. 84 Prozent der Publikationen mit weicher Paywall gewannen in dieser Zeit kein einziges zahlendes Mitglied. Die weiche Paywall ließ fast alle weiterlesen, ohne dass sie sich entscheiden mussten. Deshalb hat Steady sie abgeschafft. Die Einzelheiten stehen in der Lektion Paywall-Modelle und im Hilfe-Center unter Die Paywall und Registration Wall.
Die Registration Wall fängt auf, was die harte Paywall abweist. Wer zögert, hinterlässt eine Adresse, statt die Seite zu verlassen, und du kannst später wieder fragen. Ein Modell, bei dem alle eine feste Zahl Texte im Monat kostenlos lesen, bietet Steady nicht an. Die Registration Wall übernimmt einen Teil seiner Aufgabe: Neue Leser:innen lesen einen Text, ohne zu zahlen, und du erfährst, wer sie sind.
Die drei Modelle im Vergleich
| Modell | So setzt du es mit Steady um | Passt, wenn | Was es kostet |
|---|---|---|---|
| Paywall für ausgewählte Texte | Markierung in exklusiven Texten und festen Reihen, Registration Wall an | du regelmäßig Stücke hast, deren Wert Leser:innen kennen | Texte hinter der Paywall erreichen weniger Menschen |
| Paywall auf Zeit | Markierung setzen und nach einigen Tagen von Hand entfernen | deine Themen schnell veralten und später noch Leser:innen finden sollen | Feste Handarbeit jede Woche |
| Ohne Paywall | Keine Markierung; Announcement-Layer und Mitgliederseite werben, kompakte Paywall für einzelne Extras | du eine große, treue Leserschaft per Newsletter erreichst | Viele lesen, wenige zahlen; du musst regelmäßig fragen |
Der Standard: Paywall für ausgewählte Texte
Für die meisten kleinen Projekte passt eine harte Paywall auf einem Teil der Texte. Die Mehrheit bleibt kostenlos und bringt neue Leser:innen. Für Zahlende reservierst du, was es nur bei dir gibt: eigene Recherchen, eine feste Kolumne, eine Reihe, auf die Leute warten. Bei Übermedien steht eine Kolumne immer hinter der Paywall und bringt regelmäßig neue Abos, weil die Leser:innen wissen, was sie erwartet. Welche Texte dahinter gehören und wo der Schnitt sitzt, klärt die nächste Lektion, Was kommt hinter die Paywall, und wo setzt du den Schnitt?
Schalte die Registration Wall dazu ein. In der Paywall stehen deine Pakete oben, die kostenlose Option darunter. Für einzelne Artikel kannst du sie abschalten, etwa für ein Stück, das du ausschließlich Zahlenden vorbehalten willst.
Auch die harte Paywall verkauft allein wenig. Nach Steadys Zahl kommt im Schnitt auf rund 1.200 Paywall-Ansichten eine neue Mitgliedschaft. Zahlen werden vor allem Leute, die dich schon kennen, etwa aus deinem Newsletter. Deshalb gehört zur Paywall immer ein Weg, Adressen zu sammeln.
Der Mittelweg: Paywall auf Zeit
Bei Übermedien stehen Texte in der Regel eine Woche hinter der Paywall, danach kann sie jede:r lesen. Bei Texten zu einem aktuellen Ereignis fiel die Paywall auch schon nach drei Tagen, damit möglichst viele mitdiskutieren können. Stefan Niggemeier sagte im Gespräch, die Regel beruhe auf Abwägung und Bauchgefühl. Der Vorsprung muss groß genug sein, dass Abonnent:innen ihn merken, und der Text soll danach möglichst viele Menschen erreichen. Mehr dazu in der Fallstudie Übermedien.
Das Modell passt zu Themen, die schnell veralten, etwa Medienkritik, Lokalpolitik oder die Debatte der Woche. Zahlende lesen zuerst. Ein Text, der nach einer Woche für alle lesbar wird, kann über Suche und Weitergabe noch neue Leute bringen.
Steady gibt Texte nicht automatisch frei. Du entfernst die Markierung von Hand: den Absatz mit ___STEADY_PAYWALL___ oder den Block „Steady Paywall“ im WordPress-Editor. Damit das nicht untergeht, leg einen festen Tag fest, etwa jeden Montag, und führe eine Liste der markierten Texte mit Datum. Eine Tabelle oder ein Kalendereintrag genügt. Sag deinen Leser:innen offen, wie lange Texte hinter der Paywall bleiben; Übermedien schreibt es auf die eigene Website. Dann verstehen sie die Paywall als Vorsprung für Mitglieder.
Ohne Paywall: wenn die Gemeinschaft trägt
Beim Perlentaucher, einem Onlinemagazin für Kultur und Literatur, sind alle Texte kostenlos lesbar. Ende 2021 nahm er trotzdem rund 9.000 Euro im Monat über Steady ein, von etwa 2.000 Unterstützer:innen. Getragen hat das der Newsletter mit damals 22.000 Abonnent:innen. Etwa zweimal im Jahr bittet das Team dort um Unterstützung, zuerst mit einem Dank, dann mit den Möglichkeiten. Mehr dazu in der Fallstudie Perlentaucher.
Mit Steady setzt du für dieses Modell keine Markierung. Für die Mitgliedschaft werben deine Aufrufe im Newsletter und der Announcement-Layer, der auf deine Mitgliederseite mit den Paketen führt. Den Announcement-Layer sehen auch Mitglieder. Willst du ihnen trotzdem etwas Exklusives geben, legst du einzelne Extras hinter die kompakte Paywall, etwa einen Download oder ein Video, und lässt die Texte kostenlos.
Dieses Modell braucht eine große Liste und Geduld. Ohne Vorteile für Mitglieder wird die Mitgliedschaft zur Spende, und dann zahlen wenige. Welche Vorteile tragen, steht in Gegenleistungen.
Jede Paywall kostet Reichweite
Eine Paywall hält Menschen fern, die dich noch nicht kennen. Eine Studie mit Lokalnachrichtenseiten in Norwegen und Dänemark fand, dass Seitenaufrufe und Besucherzahlen nach dem Start einer Paywall sinken und niedriger bleiben (Olsen u. a., 2020). Google rät, Menschen aus der Suche nicht zu oft vor eine Paywall zu stellen (Google Search Central).
Was neue Leser:innen bringen soll, bleibt deshalb kostenlos: Erklärstücke, Ratgeber, zeitlose Texte, die man über die Suche findet, und alles, was sich verbreiten soll. Übermedien lässt wichtige Texte kostenlos, weil sie mit Paywall nach Niggemeiers Worten „in den seltensten Fällen viral“ gehen. Wer über einen kostenlosen Text kommt, soll dort deinen Newsletter angeboten bekommen; wie das geht, steht in Adressen sammeln. Was Suchmaschinen von Texten hinter der Paywall sehen, hängt davon ab, ob du den Steady-Code oder das WordPress-Plugin nutzt. Das erklärt die nächste Lektion.
So entscheidest du
Drei Fragen führen zum Modell:
- Hast du regelmäßig Stücke, die es nur bei dir gibt? Dann stell diese Texte dauerhaft hinter die Paywall und lass den Rest kostenlos. Das ist der Standard.
- Veralten deine Themen in wenigen Tagen? Dann nimm die Paywall auf Zeit und plane die Handarbeit fest ein.
- Erreichst du eine große, treue Liste und willst alle Texte kostenlos lassen? Dann wirb ohne Paywall und frag regelmäßig.
Bist du unsicher, fang mit dem Standard an. Weil du jede Markierung einzeln setzt, kannst du später umstellen, ältere Texte freigeben oder eine neue Reihe hinter die Paywall stellen. Ändere wenige Dinge auf einmal und vergleiche jede größere Änderung über einige Wochen vorher und nachher. Wie das geht, steht in Zahlen und Tests.
