Fast alle Medienmacher:innen fragen sich vor dem Start einer Mitgliedschaft, was ihre Mitglieder für ihr Geld bekommen sollen. Dahinter steckt oft die Sorge, von nun an zusätzliche Inhalte für Zahlende produzieren zu müssen. Das musst du nicht. Gute Gegenleistungen sind wenige, klar beschriebene Angebote, die deinen Mitgliedern etwas bedeuten und dich wenig zusätzliche Arbeit kosten. Sebastian Esser zeigt im Video, welche das sein können und wo die Fallen liegen.
Brauchst du überhaupt Gegenleistungen?
Diese Frage kommt zuerst. Manchmal machst du dir mit Gegenleistungen nur selbst Stress, und deine Arbeit allein wäre Grund genug.
Fragt Steady in Umfragen und Interviews, warum Menschen ein Projekt unterstützen, kommt immer wieder dieselbe Antwort: Sie wollen, dass du weitermachst und nicht aufhörst. Das ist der wichtigste Grund für eine Mitgliedschaft.
Es kommt darauf an, wie du das sagst. Mach dich nicht klein und tu nicht so, als stündest du kurz vor dem Ruin. Sag nüchtern, wie es ist: Dein Projekt funktioniert nur, wenn sich genug Leute finanziell beteiligen. Sonst arbeitest du umsonst, und dann geht es nicht weiter. Um Hilfe betteln musst du nicht. Sebastian Esser schlägt eine Formulierung in diesem Ton vor:
Leute, das funktioniert nur, wenn es genug Mitglieder gibt. Im Moment sind es X Mitglieder, ich brauche aber Y. Wenn du in der Lage und willens bist, das zu unterstützen, dann mach es jetzt.
Wie du so einen Aufruf in eine Aktion einbettest, zeigt die Lektion zur Kampagne für deine Mitgliedschaft.
Ein bis drei Gegenleistungen reichen
Finde heraus, welche ein bis drei Gegenleistungen deinen Leuten tatsächlich etwas wert sind, statt möglichst viel in deine Pakete zu packen.
Zu viele Versprechen schaden dir auf zweierlei Weise:
- Sie wecken Misstrauen. Eine lange Liste wirkt wie eine Wundertüte. Man versteht nicht, was man bekommt, und das Angebot kommt einem seltsam vor.
- Die Leute verschieben die Entscheidung. Wer sich deine Gegenleistungen ansieht, ist kurz davor, Mitglied zu werden. Ist das Angebot unübersichtlich, denkt er: Das mache ich später. Aber später kommt nie, denn beim nächsten Besuch ist das Angebot genauso unübersichtlich.
Selten lehnt jemand dein Angebot ab. Häufiger bleibt unklar, warum es für ihn persönlich reizvoll sein könnte. Halte deshalb die Liste kurz und die Texte knapp, und beschreib jede Gegenleistung aus Sicht des Nutzens.
Denk von deinen Mitgliedern aus, nicht von dir
Gegenleistungen sollten sich nicht nach deinen Zielen richten, auch nicht danach, was du noch leisten kannst oder ohnehin schon hast. Maßgeblich ist allein, was deine Mitglieder von dir wollen.
Weil du tief in deinem Projekt steckst, ist die Antwort schwerer zu erkennen, als es klingt. Hör genau hin: Wonach fragt deine Community von sich aus? Was brauchen deine Leser:innen und Hörer:innen, und wie kannst du ihnen dabei helfen?
Gegenleistungen, die wenig zusätzliche Arbeit machen
Von einem rät Sebastian Esser klar ab, nämlich zusätzliche Inhalte nur für Mitglieder zu produzieren. Das ist doppelte Arbeit für einen Kreis, der anfangs sehr klein ist. Bei 20 oder 50 Mitgliedern wird jede zusätzliche Episode und jeder zusätzliche Text schnell zur Last. Außerdem wollen deine Mitglieder meist nicht mehr vom Gleichen; sie mögen, was sie schon bekommen.
Besser eignen sich die Gegenleistungen in der folgenden Tabelle. Wähle daraus ein bis drei aus. Weitere Ideen sammelt der Artikel Gegenleistungen für deine Mitglieder im Hilfe-Center von Steady.
| Gegenleistung | So kann es aussehen |
|---|---|
| Exklusive Inhalte | Texte, Podcast-Episoden, Newsletter oder das Archiv nur für Mitglieder. Mit Steady als Paywall oder per RSS-Feed, den Mitglieder auch auf Spotify hören. |
| Früher Zugang | Die neue Podcast-Episode oder den Newsletter ein paar Tage früher. Eilige Neuigkeiten per SMS oder WhatsApp-Kanal. |
| Blick hinter die Bühne | Ein ungeschnittenes Interview oder ein Interview zu einem Text, das du ohnehin aufgenommen hast. |
| Exklusiver Community-Raum | Eine WhatsApp-, Slack- oder Facebook-Gruppe, eine Instagram-Liste „Enge Freunde“. |
| Mitreden | Kommentare, Abstimmungen und Direktnachrichten nur für Mitglieder. |
| Persönlicher Kontakt | Zoom-Calls oder Events, online und im echten Leben. |
| Exklusive Funktionen | Zum Beispiel eine werbefreie Version deines Angebots. |
| Nennung und Sponsoring | Neue Mitglieder am Ende einer Episode erwähnen. Unternehmen als Partner oder Sponsor sichtbar machen. |
| Rabatte | Auf eigene T-Shirts oder Bücher, oder gegenseitige Ermäßigungen mit befreundeten Projekten. |
Zwei davon verdienen einen genaueren Blick. Material von hinter der Bühne gibt Mitgliedern das Gefühl, einen VIP-Ausweis zu besitzen: Sie wissen, wo sich die Band nach dem Auftritt aufhält. Das allein kann Menschen schon zum Zahlen bewegen.
Ein exklusiver Community-Raum zieht einen Zaun um deine Community. Mitglieder merken, dass sie unter Gleichgesinnten sind, dass nicht jeder hereinkommt und sie offen sprechen können. Wähle den Ort, an dem sich deine Community ohnehin aufhält; für dich bedeutet das kaum Mehrarbeit. Wollen deine Leute vor allem mitreden, kannst du bei Steady die Kommentarfunktion für Newsletter, Posts oder Episoden öffnen. Kommentieren können dort nur zahlende Mitglieder.
Die Grundidee hinter diesem Modell erklärt die Lektion Was ist ein Membership-Modell?.
Physische Extras helfen, sind aber nicht der Kern
Eine Postkarte, eine Zeichnung oder eine gedruckte Fassung deiner digitalen Inhalte kann eine Hürde im Kopf senken. Viele fragen sich vor dem Kauf, was sie dafür in der Hand halten werden. Ein kleines physisches Extra kann dann den Ausschlag geben.
Es kann aber auch nach hinten losgehen:
- Wenn es teuer wird. Herstellung und Versand kosten Geld, und die Arbeit dafür frisst den Nutzen auf.
- Wenn es beliebig wirkt. Kram, der offensichtlich nichts wert ist, weckt Misstrauen gegen dein ganzes Angebot. Mitglieder fühlen sich dann hereingelegt.
Physische Extras sind in Ordnung, sollten aber nie im Vordergrund stehen. Sie sind nicht der Grund, warum Leute zahlen.
Bedenke vorher die Praxis. Für den Versand brauchst du die Postanschrift deiner Mitglieder, und Porto, Material und die Arbeit mit den Adressen fallen einem gern auf die Füße. Bei Steady kannst du in den Einstellungen festlegen, dass Mitglieder gleich nach der Zahlung nach ihrer Postadresse gefragt werden.
Bei Gewinnspielen gibt es eine Grenze. Die Teilnahme gegen Geld zu verkaufen, wäre Glücksspiel ohne Erlaubnis. Kostenlose Gewinnspiele sind erlaubt, Dinge verlosen kannst du also trotzdem.
Stehen deine Gegenleistungen, kommt der Preis an die Reihe. Darum geht es in Preise für deine Mitgliedschaft festlegen.
