Wer mit Texten, Podcasts oder Videos im Internet Geld verdienen will, hat nur wenige Wege. Entweder zahlt jemand dafür, deinem Publikum Werbung zeigen zu dürfen, oder dein Publikum zahlt selbst. Welches Modell zu dir passt, hängt von zwei Fragen ab: Wie eng ist dein Publikum an dich gebunden, und welchen Nutzen bekommt es für sein Geld?
Bindung und Nutzen
Bindung heißt, dass dein Publikum etwas mit dir teilt. Das kann eine politische Ausrichtung sein, wie bei der taz oder dem Greenpeace Magazin, oder eine gemeinsame Leidenschaft für einen Fußballverein, ein Hobby, eine bestimmte Nische. Es kann auch das Interesse an dir als Persönlichkeit sein; dann sind deine Leser:innen Fans.
Nutzen heißt, dass Zahlende exklusive Vorteile bekommen. Sie loggen sich ein und kommen an der Paywall vorbei, sie laden etwas herunter oder besuchen eine Veranstaltung. Sie kaufen also eine Dienstleistung oder ein Produkt.
Aus beiden Dimensionen ergeben sich vier Geschäftsmodelle:
| Wenig Bindung | Viel Bindung | |
|---|---|---|
| Viel Nutzen | Abo | Mitgliedschaft |
| Wenig Nutzen | Werbung | Spenden |
Werbung: Du konkurrierst mit TikTok und Instagram
Ohne Bindung und ohne Nutzen zahlt niemand. Erfolgreich können solche Angebote trotzdem sein, nämlich mit Werbung. Dafür musst du Menschen besonders gut zum Klicken bringen, und das ist in den letzten zehn Jahren immer schwieriger geworden.
Denn niemand bindet Menschen so eng wie die Social-Media-Plattformen. Kein Verlag und keine Medienmacherin hält das Publikum jeden Tag eineinhalb Stunden fest, TikTok und Instagram schaffen das. Außerdem wissen sie sehr viel über ihre Nutzer:innen, etwa wie sie sich verhalten und mit wem sie befreundet sind. Deshalb wirkt Werbung dort besser und lässt sich besser verkaufen als bei einer digitalen Zeitung, einer Website oder einem Blog.
Für Sebastian Esser wiegt etwas anderes noch schwerer: Werbung macht Inhalte meist schlechter. Wer von Klicks lebt, produziert irgendwann nur noch, was Klicks bringt, also Clickbait. Spätestens dann stellt sich die Frage, wozu du das überhaupt machst.
Spenden: ein Bekenntnis, das selten wiederkommt
Zahlen Menschen, obwohl sie keinen exklusiven Nutzen bekommen, ist das eine Spende. Die Zahlung ist ein symbolischer Akt: Wer spendet, legt ein Bekenntnis ab und zeigt, dass er es ernst meint. Die Soziologie spricht von Geltungskonsum. Man zeigt nach außen, wer man ist, etwa wenn man einen Baum pflanzt und davon erzählt.
Medien setzen immer seltener auf dieses Modell. Die taz tut es mit ihrem Programm „taz zahl ich“, bei dem Leser:innen aus Solidarität zahlen.
Spenden haben drei Probleme:
- Die Leute zahlen selten mehr als einmal. Wer gespendet hat, glaubt, seinen Teil getan zu haben; jetzt sollen andere ran. Und wer jeden Monat zahlt, während alle anderen umsonst mitlesen, kommt sich dumm vor. Das ist das Trittbrettfahrerproblem.
- Die Summe pro Person bleibt klein. Eine einmalige Spende von 20 Euro kommt der spendenden Person viel vor. Eine Mitgliedschaft für 5 Euro im Monat bringt nach vier Monaten genauso viel ein, danach mehr, und Mitglieder bleiben auf Steady im Schnitt gut zweieinhalb Jahre.
- Die Konversionsrate ist sehr niedrig. Nur ein kleiner Teil des Publikums zahlt, weil sich vielen nicht erschließt, warum sie zahlen sollten, ohne etwas davon zu haben. Das trägt nur mit riesiger Reichweite; der Guardian hat es mit einer Milliardenreichweite auf der ganzen Welt geschafft. Für unabhängige Medienmacher:innen ist das kein gangbarer Weg.
Abos: Hoher Nutzen, hohe Hürden
Die meisten Verlage haben heute ein Plus-Modell, also ein digitales Abo mit wenig Bindung und viel Nutzen. Sie verkaufen Inhalte und nennen das Paid Content; wer nicht zahlt, steht vor der Paywall. Das funktioniert seit Jahren gut, für die New York Times, die Washington Post, Spiegel, Zeit und vielleicht auch für deine Lokalzeitung.
Für unabhängige Medienmacher:innen ist dieses Modell schwierig. Es trägt nur, wenn das Produkt allein genug wert ist, und ein solches Produkt ist teuer. Ein Abo der Washington Post kostet von Deutschland aus oft nur ein paar Euro, dafür gibt es jeden Tag Journalismus von Tausenden Mitarbeitenden. Zu diesem Preis kannst du allein oder im kleinen Team nichts Vergleichbares bauen. Die Hürden, in diesen Markt einzusteigen, sind zu hoch.
Das zweite Problem ist die Churn-Rate, also der Anteil der Abonnent:innen, die kündigen. Nach Zahlen des Dienstleisters ProfitWell liegt sie bei Abo-Software oft bei 5 bis 10 Prozent im Monat, als grobe Spanne. Diese Leute musst du ständig ersetzen, nur um stabil zu bleiben, ein Rattenrennen. Wer allein für den Nutzen zahlt, wechselt ohne Hemmung, sobald die Konkurrenz günstiger ist. Sebastian nennt Spotify als Beispiel, ein fantastisches Produkt. Bietet Apple Music dasselbe günstiger an, wechseln viele.
Mitgliedschaften: Bindung und Nutzen zusammen
Im vierten Feld steht die Mitgliedschaft, in der beide Dimensionen zusammenkommen. Für unabhängige Medienmacher:innen funktioniert dieses Modell am besten. Es gibt eine Mission wie bei Spenden und einen Nutzen wie bei Abos.
Ein Abo ist ein Tauschgeschäft: mein Produkt gegen dein Geld. Eine Mitgliedschaft geht weiter: mein Produkt und/oder unsere geteilte Mission gegen dein Geld. Das wirkt auf zwei Ebenen:
- Die gemeinsame Sache stiftet Identität. So entsteht eine Community um deine Publikation oder um dich als Person.
- Die exklusiven Vorteile bringen Menschen zum Zahlen. Ein Teil der Community wird Mitglied und zahlt regelmäßig.
Dein Produkt muss dafür nicht mit Spiegel Plus, Zeit Plus oder Spotify konkurrieren. Die emotionale Bindung hält die Mitglieder, der Nutzen bringt sie dazu, regelmäßig zu zahlen.
Das zeigt sich in den Zahlen. Über die gesamte Plattform gerechnet liegt die Churn-Rate auf Steady bei rund 3 Prozent im Monat, deutlich niedriger als bei reinen Abo-Angeboten. Ein durchschnittliches Mitglied zahlt gut zweieinhalb Jahre lang (rund 30 Monate). Deshalb ist der Lifetime Value hoch, also die Summe, die ein Mitglied während seiner gesamten Mitgliedschaft zahlt, selbst wenn deine Preise unter denen teurer Abo-Angebote liegen. Wie du deine Preise festlegst, zeigt die Lektion Preise festlegen.
Wo stehst du heute?
Prüf, in welchem Feld du gerade stehst:
- Kontonummer und PayPal-Knopf: Du sammelst Spenden. Die Leute zahlen meist nur einmal, Lifetime Value und Konversionsrate sind sehr niedrig.
- Möglichst viele Funktionen und exklusive Vorteile: Du verkaufst ein Abo. Allein oder als kleines Team kannst du da kaum mithalten.
- Gar kein Geld: Etwas zugespitzt arbeitest du als unterbezahlte Praktikantin oder unterbezahlter Praktikant für Social-Media-Plattformen, und die verdienen ohnehin genug.
- Bindung plus Nutzen: Du baust eine Mitgliedschaft.
Willst du eine Mitgliedschaft aufbauen, müssen zwei Dinge stimmen. Dein Publikum muss deine Mission ohne jeden Zweifel verstehen, und deine Gegenleistungen müssen ihm etwas wert sein. Biete wenige an und beschreib sie klar. Dann wird ein Geschäft daraus.
Wie viele Menschen in deinem Publikum zahlen könnten, klärt die Lektion Potenzial. Wie gute Gegenleistungen aussehen, zeigt die Lektion Gegenleistungen.
