Lektion 3 von 13 · Mitgliedschaft aufbauen

Hat dein Projekt Potenzial für eine Mitgliedschaft?

Dein Projekt hat Potenzial für Mitgliedschaften, wenn du regelmäßig veröffentlichst, eine Community hast, die immer wiederkommt, und etwas bietest, das es nur bei dir gibt. Als Faustregel zahlen rund 5 Prozent deines Publikums etwa 5 Euro, wenn du sie fünfmal fragst. Ob es klappt, weißt du erst, wenn du es versuchst.

Video 14:58Lesezeit 5 Min.Mit Sebastian EsserStand:

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0:00Hochstapler-Effekt: Warum du es ausprobieren solltest

Viele fragen sich, ob ihr Projekt überhaupt für Mitgliedschaften geeignet ist. Ob ihr Publikum wirklich bereit ist, für das zu zahlen, was sie ohnehin machen würden, was ihnen großen Spaß macht und am Herzen liegt. Ich würde sagen, das ist Ausdruck von etwas, das wir, glaube ich, alle kennen: dem Hochstapler-Effekt. Man geht immer davon aus, dass man selbst etwas nicht so gut macht. Und wenn andere es näher betrachten und dafür Geld zahlen sollen, also bekennen sollen, wie wertvoll sie es finden, dann kommt heraus, dass wir gar nicht so gut sind, wie wir die ganze Zeit vorgegeben haben.

Da kann ich wirklich nur sagen: Versucht es bitte. In 99 Prozent der Fälle stimmt das mit dem Hochstapler-Effekt nicht. Die Leute wollen euch Geld geben, sie brauchen aber eine Möglichkeit dazu. Zumindest würde ich es ausprobieren, denn es ist auch nicht so schlimm, wenn es nicht funktioniert. Man weiß es vorher nicht so genau.

Welche Hinweise gibt es denn, dass dein Projekt sich gut für Mitgliedschaften eignet? Ein gutes Zeichen ist schon mal, dass du hier bist. Offensichtlich hast du den Eindruck, das könnte passen. Wenn du diese Frage schon ein bisschen im Hinterkopf hast, dann funktioniert das nach meiner Erfahrung, nach Gesprächen mit ganz vielen Leuten wie dir und mir, schon irgendwie. Man muss nur genau herausfinden, wie es am besten funktionieren kann.

Voraussetzung ist natürlich, dass du regelmäßig Content produzierst, also Inhalte, Texte, Videos, Audios. So hat man als User eine Art Regelmäßigkeit, und es kann eine Beziehung entstehen zwischen dir und deinem Publikum, deinen einzelnen Usern, damit die irgendwann auch bereit sind, dafür zu zahlen. Regelmäßig heißt mindestens einmal im Monat, super wäre einmal wöchentlich. Ich würde es aber eher regelmäßig machen als so oft wie möglich. Einmal die Woche ist fast genug, mehr sollte es möglicherweise nicht sein.

2:05E-Mail-Verteiler, Reichweite und die 5-Prozent-Faustregel

Total super ist es, wenn du schon einen E-Mail-Verteiler von deinem Publikum hast. Wenn du also von möglichst vielen Leuten die E-Mail-Adresse kennst und damit die Möglichkeit hast, sie ganz direkt zu kontaktieren. Wenn das nicht der Fall ist, ist das nicht schlimm. Aber es ist ein super Signal dafür, dass sich dein Projekt besonders gut für bezahlte Mitgliedschaften eignet.

Natürlich ist es gut, wenn du eine möglichst große Social-Media-Reichweite hast, wenn auf deiner Website sehr häufig wiederkehrende Besucher vorbeikommen, wenn es viele Downloads deines Podcasts gibt, viele Views auf deinem Videokanal und so weiter. Idealerweise gibt es eine relativ große Community von Leuten, die regelmäßig mit deinen Inhalten oder mit dir selbst interagieren.

Was groß ist, ist natürlich Definitionssache. Da verweise ich auf unsere Daumenregel: 5 Prozent deines Publikums werden bezahlen, wenn du sie fünfmal fragst, und zwar ungefähr 5 Euro. Mit anderen Worten: Wenn du dir ausrechnest, dass 5 Prozent mal 5 Euro zu wenig sind, dass du also mit der Größe dieser Community nicht den Umsatz erreichen kannst, den du dir wünschen würdest, dann ist es vielleicht noch ein bisschen zu früh. Oder du fängst erst mal an und musst deine Erwartungen herunterschrauben. Das sagt aber nichts darüber aus, dass es grundsätzlich nicht geht.

3:28Alleinstellungsmerkmal und persönliches Auftreten

Sehr wichtig oder eine Idealvoraussetzung wäre auch ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt irgendetwas, das du besser kannst, anders machst, länger oder häufiger als andere Leute. Also dein Alleinstellungsmerkmal, dein USP, dein Unique Selling Point: Irgendetwas an dir und deinem Projekt bekommt man nur bei dir. Im Zweifel ist das auch deine Persönlichkeit, dein besonderer Schreib- oder Sprechstil. Es muss gar nichts Abgefahrenes sein. Aber es muss klar sein, dass es nicht austauschbar ist, dass es einen besonderen Charakter hat und einen besonderen Wert, der durch die Inhalte selbst entsteht.

Und dann wäre es immer gut, wenn du bereit bist, dein Gesicht zu zeigen, wenn du als Person in Erscheinung trittst. Also wenn du nicht eine abstrakte Marke bist, die sich lieber im Hintergrund hält und nur über ihre Inhalte sprechen will, sondern wenn du bereit bist, persönlich als Mensch in Erscheinung zu treten. Denn erst das ermöglicht deinem Publikum eine persönliche Bindung.

4:28Acht Gründe, warum Menschen Mitglied werden

Ich gebe dir eine Auswahl von acht Gründen, warum Leute Mitglied werden. Vielleicht erfüllst du jetzt schon eines dieser Kriterien, das wäre jedenfalls eine ideale Voraussetzung.

Ein möglicher Grund, warum Leute zahlen, ist Accountability. Sie möchten möglicherweise etwas in ihrem Leben ändern, oder sie konsumieren deine Inhalte, weil sie etwas von dir lernen wollen. Um wirklich etwas zu ändern, ist es immer gut, wenn man das nicht alleine machen muss. Vielleicht hast du auch schon mal einen Onlinekurs gebucht oder ein Buch gekauft, um dir etwas beizubringen. Wenn man dann alleine damit ist, auch wenn man wirklich überzeugt ist, das jetzt machen zu wollen, ist es schwierig, sich zu disziplinieren. Dann hilft es immer, wenn man das mit anderen zusammen macht. Wenn du dafür eine Art Rahmen bieten kannst, wäre das eine Möglichkeit, so ein Produkt zu gestalten.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Leute Fans von dir sind. Weil du vielleicht schon ganz lange Inhalte produzierst und die Leute dich so gut kennen und so toll finden, dass sie quasi Fans sind. Wenn sie das nicht sind, ist das nicht so schlimm, aber solche Fälle gibt es.

Die dritte Möglichkeit wäre, dass du Anleitung gibst. Dass die Leute tatsächlich etwas bei dir lernen wollen und sich erhoffen, bei dir etwas dazuzulernen. Ich selbst habe einen Newsletter namens Blaupause, da geht es genau um die Themen, über die ich hier auch spreche. Das ist ein ganz guter Grund, um Leute zu einer bezahlten Mitgliedschaft zu konvertieren.

Das Vierte wäre emotionale Unterstützung. Wenn sich jemand in einer bestimmten Lebenssituation nicht gut fühlt, weil er ein bestimmtes Problem hat, oder vielleicht auch kein Problem, sondern bestimmte Interessen und Fähigkeiten, und einfach spüren will, dass es andere Leute gibt, die das verstehen. Die spiegeln, dass man nicht alleine ist. Durch das Lesen von Texten, das Hören von Episoden oder das Anschauen von Videos kann man sich versichern, dass man nicht völlig verrückt ist, sondern dass es da draußen eine Community von Leuten gibt und eben dich als Medienmacher:in, die mit diesem Thema etwas anfangen können.

Punkt Nummer fünf wäre ein gemeinsames Ziel. Wenn es zum Beispiel eine Forderung gibt oder eine Überzeugung, auf die ihr gemeinsam hinarbeiten könnt. Wenn du zum Beispiel sagst: Bis Ende nächsten Jahres möchte ich, dass diese politische Veränderung passiert. Das ist natürlich immer eine sehr gute Ausgangsbasis für eine bezahlte Community oder ein Mitgliedschaftsangebot. Denn dann ist schon klar, dass es ein Narrativ gibt. Da kann eine Geschichte erzählt werden, da ist klar, worauf es hinausläuft, und man will dabei sein bei diesem Abenteuer zu einem gemeinsamen Ziel. Dazu gibt es die Sicherheit, dass andere Leute dieses Ziel verfolgen und etwas Ähnliches wollen wie ich. Dann funktioniert das gut.

Sechste Möglichkeit: Inspiration. Es kann sein, dass deine User:innen daran interessiert sind, ihr Leben etwas zu bereichern, indem sie auf neue Ideen kommen oder immer wieder neue Dinge kennenlernen. Das ist eine gute Voraussetzung, weil du ihnen dann versprechen kannst, dass du immer wieder Inspiration in ihr Leben bringst. Das ist ein sehr gutes Wertversprechen, weil das den meisten Leuten etwas wert ist. Gerade wenn sie auf der Suche nach Inspiration sind, ein bisschen festhängen, nicht weiterkommen oder sich auch langweilen.

Dazu passt auch der siebte Punkt, nämlich Spaß. Wenn du Unterhaltung und Spaß versprechen kannst, und das möglicherweise auch viel mit deiner Persönlichkeit zu tun hat, dann ist das wieder eine gute Voraussetzung dafür, ein Mitgliedschaftsangebot zu starten.

Der letzte Punkt wäre, wie soll ich sagen, Skill Development: dass man sich gemeinsam auf den Weg macht, um etwas zu lernen. Dass du den Leuten nach und nach etwas beibringst und sie den Eindruck haben, dass sie eine Art Lernweg an deiner Seite gehen können. Denn dann wissen sie ganz genau, wofür sie zahlen. Das überschneidet sich ein bisschen mit dem Punkt Anleitung, ist aber etwas anderes. Beim einen bist du eher eine Art Coach, beim anderen stellst du Lerninhalte zur Verfügung.

Wenn du jetzt bei einem oder mehreren dieser Punkte genickt hast, dann ist das ein sehr gutes Zeichen dafür, dass sich Mitgliedschaften sehr gut für dein Projekt eignen.

9:14Bedeuten Mitgliedschaften mehr Arbeit?

Was mich viele Leute dann noch fragen: Bedeuten Mitgliedschaften mehr Arbeit für dich? Musst du jetzt zum Beispiel mehr Inhalte produzieren? Da würde ich sagen: Es ist schon mehr Arbeit, aber das bedeutet nicht, dass du mehr Inhalte produzieren musst oder gar solltest. Die Leute haben auch nur begrenzt Zeit. Der Wert, den du ihnen schaffst, ist nicht, dass sie mehr vom Gleichen bekommen, sondern dass das eine andere Qualität bekommt.

Und natürlich ist es mehr Arbeit, weil die Vermarktung und die Konvertierung von Usern zu Mitgliedern Arbeit ist. Dafür gibt es aber auch eine Belohnung, nämlich Geld. Und über das Geld hinaus ist es etwas ganz Besonderes, eine Mitgliedschafts-Community hinter sich zu haben. Das wirst du erleben: Es hilft einem auf der monetären Ebene weiter, und man profitiert auf vielen anderen Ebenen auch.

Du solltest dir also ein ganz kleines bisschen Business-Denken aneignen. Dafür bist du in diesem Kurs schon mal genau richtig. Man muss jetzt nicht Vermarktungsexpertin werden oder einen MBA machen. Das meiste kann man sich entweder schon denken, oder wenn man es einmal geordnet hört, wie zum Beispiel hier im Steady Growth College, dann kann man es sich sehr gut aneignen, ohne dass es wahnsinnig schwer zu verstehen ist. Und wir nehmen dich da an die Hand und helfen, wo es geht.

Der zweite wichtige Punkt ist, dass du bereit sein solltest, sehr häufig, nämlich eigentlich immer, wenn du Inhalte veröffentlichst, auf dein Mitgliedschaftsprogramm hinzuweisen. Der wichtigste Grund, warum ein Mitgliedschaftsprogramm nicht funktioniert, ist, dass die Leute gar nicht wissen, dass es das gibt, weil die Medienmacher:innen es sich nicht angewöhnt haben, immer wieder darauf hinzuweisen.

Dabei ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass viele Leute eine andere Wahrnehmung von deinem Projekt haben als du selbst. Als User ist man natürlich viel weniger damit beschäftigt als als Medienmacher:in. In deinem Kopf bist du die ganze Zeit am Senden und gehst den Leuten total auf die Nerven mit deinen Inhalten. Für sie bist du dagegen ein Punkt in ihrem endlosen Content-Stream, hoffentlich einer, auf den sie sich freuen. Aber sie müssen wirklich immer wieder darauf hingewiesen werden, dass sie die Möglichkeit hätten, einem Mitgliedschaftsprogramm beizutreten, Mitglied zu werden, und warum das eine gute Idee sein sollte.

Das ist eigentlich keine Arbeit, sondern eine grundsätzliche Haltung: Du sagst, okay, dieses Projekt funktioniert unter anderem durch Mitgliedschaften, und das bin ich auch bereit, immer wieder mitzukommunizieren.

12:07Abrechnung, Produktionsdruck und Pausen

Um Dinge wie Buchhaltung, Rechnungslegung und so weiter musst du dich zum Glück erst mal nicht kümmern. Darum kann sich Steady kümmern, dafür gibt es uns gerade. Wir übernehmen sozusagen alle Funktionen, die sonst eine Produktionsfirma, ein Verlag, ein Sender oder ein Auftraggeber für dich erledigen würde. Mit anderen Worten: Du musst dich nicht um Mehrwertsteuer, Zahlungsdienstleister und Rechnungslegung kümmern, sondern bekommst von uns einmal im Monat eine Gutschrift und eine Überweisung. Am Ende des Jahres hast du zwölf Gutschriften, alles säuberlich aufgelistet und abgerechnet, und damit kannst du dein normales Einkommen versteuern, wie du es sonst auch machen würdest.

Auf der anderen Seite musst du schon in Kauf nehmen, dass es einen gewissen Druck mit sich bringt zu produzieren, vor allem wenn man eine zahlende Community hinter sich hat. Wahrscheinlich kennst du das ohnehin, dass man nicht immer Lust hat, mehr Content zu produzieren. Das kann manchmal ganz schön ermüdend sein, gerade weil man sich als Medienmacher:in oft alleine fühlt. Dieser Druck steigt noch mal ein bisschen, wenn man diesen Teufel auf der Schulter sitzen hat, der sagt: Aber die Leute zahlen doch dafür.

Da kann ich dich beruhigen. Die Leute zahlen zwar dafür, dass du Content produzierst. Aber wenn du zum Beispiel in den Sommerurlaub fährst, wird sich überhaupt niemand beschweren. Es gibt ganz viele Medienmacher:innen, die zu Steady kommen und sagen: Was mache ich denn jetzt, ich brauche wirklich mal eine Pause, ich möchte vier bis acht Wochen keine Inhalte nachliefern. Es gibt diesen Begriff Creator-Burnout: Es ist manchmal so ermüdend, dass man eine Pause braucht. Wir haben noch nie gehört, dass sich dann irgendjemand von den Mitgliedern beschwert hat. Die tragen das mit. Das Wichtige dabei ist, dass man transparent ist und es erklärt. Dann wird auch niemand kündigen. Das funktioniert nach meiner Erfahrung immer.

Ansonsten sind Mitgliedschaften nicht aufwendiger als andere Erlösströme. Es lohnt sich total, einmal am Anfang seine Hausaufgaben zu machen, und das tust du gerade, indem du dieses Growth College durchläufst oder dir zumindest ein paar Videos herauspickst. Denn du erntest relativ schnell Früchte, weil das sehr langfristig funktioniert und im Vergleich zu anderen Einkommensquellen sehr stabil ist. Und vor allem, weil man sich ein paar Dinge angewöhnt: Wenn das Produkt einmal funktioniert, die Kommunikation steht und du dir angewöhnst, immer wieder darauf hinzuweisen, dann ist es nach einer Weile gar nicht mehr so viel Arbeit. Dann ist es eine Sache, die man nebenbei mitmacht und die mehr oder weniger von selbst läuft.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Lass dich vom Hochstapler-Syndrom nicht bremsen und probier Mitgliedschaften aus; ein Fehlschlag ist nicht schlimm.
  2. Wer mindestens einmal im Monat veröffentlicht und eine Community hat, die wiederkommt, bringt gute Voraussetzungen mit.
  3. Ein E-Mail-Verteiler ist ein klares Plus, weil du dein Publikum direkt erreichst.
  4. Du brauchst ein Alleinstellungsmerkmal und solltest als Person sichtbar sein.
  5. Mitgliedschaften machen etwas mehr Arbeit, laufen aber auf Dauer stabil, wenn du regelmäßig auf sie hinweist.

Viele Medienmacher:innen fragen sich, ob ihr Projekt für Mitgliedschaften taugt und ob ihr Publikum für etwas zahlen würde, das sie ohnehin machen, weil es ihnen Freude bereitet und am Herzen liegt. Die Chancen stehen besser, als du denkst. Sebastian Esser erklärt im Video, an welchen Hinweisen du dein Potenzial erkennst und was eine Mitgliedschaft im Alltag für dich bedeutet. Wenn du noch nicht weißt, wie das Modell grundsätzlich funktioniert, lies zuerst Was ist ein Membership-Modell?.

Warum dich Zweifel nicht bremsen sollten

Hinter der Frage steckt oft das Hochstapler-Syndrom. Du hältst deine Arbeit für nicht gut genug. Sollen Leute dafür Geld zahlen, so die Angst, fliegt auf, dass du gar nicht so gut bist, wie du die ganze Zeit vorgegeben hast.

Sebastian Esser rät, es auszuprobieren. In 99 Prozent der Fälle trügt das Gefühl. Die Leute wollen dir Geld geben, ihnen fehlt nur die Möglichkeit dazu. Ob es klappt, weißt du vorher nie genau, und wenn es nicht klappt, ist das nicht schlimm.

Schon dass du dich mit der Frage beschäftigst, ist ein gutes Zeichen; offenbar ahnst du, dass es passen könnte. Nach der Erfahrung aus vielen Gesprächen mit Medienmacher:innen geht es dann in den meisten Fällen gut. Offen ist nur, auf welche Weise es für dich am besten funktioniert.

Diese Hinweise sprechen für dein Projekt

Prüfe dein Projekt an diesen Punkten. Je mehr davon zutreffen, desto besser sind deine Voraussetzungen.

  • Du veröffentlichst regelmäßig. Texte, Videos oder Audios erscheinen in festem Rhythmus, und so entsteht eine Beziehung zwischen dir und deinem Publikum. Mindestens einmal im Monat sollte es sein, am besten einmal pro Woche. Regelmäßigkeit zählt mehr als Menge; öfter als wöchentlich muss es nicht sein.
  • Du hast einen E-Mail-Verteiler. Kennst du die Adressen möglichst vieler Leute, kannst du sie direkt ansprechen. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Fehlt der Verteiler noch, schließt dich das nicht aus.
  • Deine Community kommt wieder. Ob Reichweite in den sozialen Medien, wiederkehrende Besucher:innen auf deiner Website, Downloads deines Podcasts oder Aufrufe auf deinem Videokanal: Ideal ist eine große Gruppe, die sich regelmäßig mit deinen Inhalten oder mit dir befasst.
  • Du hast ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt etwas, das du besser, anders, länger oder häufiger machst als andere. Das muss nichts Ausgefallenes sein. Oft ist es deine Persönlichkeit oder deine Art zu schreiben und zu sprechen. Hauptsache, dein Projekt ist nicht austauschbar.
  • Du zeigst dein Gesicht. Wenn du als Person auftrittst statt als abstrakte Marke, kann dein Publikum eine persönliche Bindung zu dir aufbauen.

Die Faustregel: 5 Prozent, fünfmal fragen, 5 Euro

Was bei einer Community „groß“ heißt, ist Ansichtssache. Steady arbeitet mit einer Faustregel: 5 Prozent deines Publikums zahlen, wenn du sie fünfmal fragst, und zwar ungefähr 5 Euro.

Rechne das für dein Projekt durch. Kommst du mit deiner Community nicht auf den Umsatz, den du dir wünschst, ist es vielleicht noch etwas zu früh. Oder du fängst trotzdem an und schraubst deine Erwartungen herunter. Gegen Mitgliedschaften an sich spricht das Ergebnis nicht. Wie du später den richtigen Betrag findest, zeigt die Lektion Preise festlegen.

Acht Gründe, warum Menschen Mitglied werden

Menschen zahlen aus unterschiedlichen Gründen. Bedient dein Projekt schon einen davon, hast du eine gute Ausgangslage.

Grund Was dahintersteckt
Verbindlichkeit Deine Leser:innen wollen etwas in ihrem Leben ändern. Allein fällt die Disziplin schwer, in einer Gruppe klappt es besser. Du bietest den Rahmen.
Fans Du produzierst schon lange Inhalte, und die Leute schätzen dich so sehr, dass sie Fans sind.
Anleitung Die Leute wollen von dir lernen. Du begleitest sie eher wie ein Coach.
Emotionale Unterstützung Wer in einer bestimmten Lebenslage steckt oder besondere Interessen hat, will spüren, dass es andere gibt, die das verstehen.
Gemeinsames Ziel Ihr arbeitet zusammen auf eine Forderung oder Überzeugung hin, etwa eine politische Veränderung bis zu einem festen Datum. Das schafft eine Geschichte, bei der man dabei sein will.
Inspiration Dein Publikum sucht neue Ideen. Du versprichst, regelmäßig Inspiration in sein Leben zu bringen.
Spaß Du bietest Unterhaltung, oft eng verbunden mit deiner Persönlichkeit.
Gemeinsames Lernen Du bringst den Leuten Schritt für Schritt etwas bei, sie gehen einen Lernweg an deiner Seite. Hier stellst du Lerninhalte bereit.

Ein Beispiel für Anleitung ist Sebastian Essers eigener Newsletter Blaupause, der dieselben Themen behandelt wie das Growth College und damit zahlende Mitglieder gewinnt. Hast du bei einem oder mehreren Punkten genickt, eignet sich dein Projekt sehr gut für Mitgliedschaften. Welche Gegenleistungen zu deinem Motiv passen, steht in Gegenleistungen für Mitglieder.

Wie viel Mehrarbeit Mitgliedschaften bedeuten

Mitgliedschaften machen etwas mehr Arbeit. Mehr Inhalte musst oder solltest du deshalb nicht produzieren, denn deine Leser:innen haben nur begrenzt Zeit. Was Mitglieder schätzen, ist eine andere Qualität, nicht mehr vom Gleichen.

Die zusätzliche Arbeit steckt in der Vermarktung, also darin, aus Nutzer:innen Mitglieder zu machen. Dafür brauchst du ein wenig kaufmännisches Denken, aber du musst weder Marketing-Expertin werden noch einen MBA machen. Das meiste ergibt sich, sobald du es einmal geordnet gehört hast.

Am wichtigsten ist, dass du auf deine Mitgliedschaft hinweist, und zwar fast jedes Mal, wenn du etwas veröffentlichst. Mitgliedschaften scheitern am häufigsten daran, dass die Leute nichts von ihnen wissen. Dir selbst kommt es vor, als würdest du ständig senden und allen auf die Nerven gehen. Für dein Publikum bist du ein Punkt in einem endlosen Strom aus Beiträgen. Deshalb braucht es immer wieder den Hinweis, dass man Mitglied werden kann und warum sich das lohnt. Wie du das gebündelt angehst, zeigt die Lektion Kampagne planen.

Was Steady dir abnimmt und was bleibt

Um Buchhaltung, Rechnungen, Mehrwertsteuer und Zahlungsdienstleister kümmert sich Steady. Einmal im Monat überweist Steady dir dein Geld, dazu kommt eine Gutschrift als PDF. Am Jahresende liegen zwölf Gutschriften sauber aufgelistet vor, und du versteuerst dein Einkommen wie gewohnt.

Eines bleibt: Eine zahlende Community setzt dich unter Druck, regelmäßig zu liefern. Brauchst du eine Pause, etwa im Sommerurlaub, wird sich trotzdem niemand beschweren. Medienmacher:innen fragen Steady regelmäßig, ob sie vier bis acht Wochen pausieren dürfen, und von Beschwerden der Mitglieder hat das Team dabei noch nie gehört. Du musst die Pause nur offen erklären.

Unterm Strich machen Mitgliedschaften nicht mehr Mühe als andere Einnahmequellen. Machst du am Anfang deine Hausaufgaben, laufen sie lange und stabil. Steht das Angebot und hast du dir angewöhnt, regelmäßig darauf hinzuweisen, läuft die Mitgliedschaft nach einer Weile fast nebenbei mit.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Mitgliedschaft auch für kleine Projekte?

Rechne es mit der Faustregel durch: Rund 5 Prozent deines Publikums zahlen etwa 5 Euro, wenn du sie fünfmal fragst. Reicht das Ergebnis nicht für den Umsatz, den du dir wünschst, ist es vielleicht noch zu früh. Du kannst trotzdem starten und deine Erwartungen anpassen.

Wie oft muss ich Inhalte veröffentlichen, damit sich eine Mitgliedschaft lohnt?

Mindestens einmal im Monat, ideal ist einmal pro Woche. Regelmäßigkeit zählt mehr als Menge. Öfter als wöchentlich muss es nicht sein.

Muss ich für zahlende Mitglieder mehr Inhalte produzieren?

Nein. Dein Publikum hat nur begrenzt Zeit, mehr vom Gleichen hilft ihm nicht. Was Mitglieder schätzen, ist eine andere Qualität. Mehr Arbeit macht vor allem die Vermarktung, denn du musst regelmäßig auf deine Mitgliedschaft hinweisen.

Kann ich eine Pause machen, wenn Mitglieder für meine Inhalte zahlen?

Das geht. Bei Steady melden sich immer wieder Medienmacher:innen, die einige Wochen pausieren wollen. Beschwerden von Mitgliedern hat das Team dabei noch nie erlebt. Kündige die Pause nur offen an und erklär sie.

Warum zahlen Menschen für eine Mitgliedschaft?

Sebastian Esser nennt acht Gründe: Verbindlichkeit beim Verändern, Fan-Sein, Anleitung, emotionale Unterstützung, ein gemeinsames Ziel, Inspiration, Spaß und gemeinsames Lernen. Trifft einer davon auf dein Projekt zu, ist das ein gutes Zeichen.

Passt dazu

Coach

Sebastian Esser

Gründer von Steady

Sebastian hat Krautreporter mitgegründet, das Magazin, das von seinen Mitgliedern finanziert wird, und schreibt den Newsletter Blaupause. Im College erklärt Sebastian, wie Mitgliedschaften funktionieren.