Lektion 3 von 11 · Newsletter starten und Geld verdienen

Angst vor dem Anfangen: Was hilft gegen Perfektionismus und Aufschieben?

Hinter der Angst vor dem Anfangen steckt meist das Hochstapler-Syndrom. Es führt zu Perfektionismus, Totplanen und Aufschieben. Dagegen hilft ein kleiner Anfang: Deine erste Ausgabe muss nicht perfekt sein, denn lesen werden sie zunächst vor allem Freund:innen und Familie. Jeder Monat, den du wartest, kostet dich Einnahmen, die nicht wiederkommen.

Video 17:36Lesezeit 6 Min.Mit Johannes Heim und Sebastian EsserStand:

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0:00Warum so viele nicht anfangen: das Hochstapler-Syndrom

Johannes Heim: Hallo zusammen! Wir sind hier mit Sebastian Esser, einem der Gründer von Steady, und wollen uns mit der Frage beschäftigen: Warum ist es für viele Leute so schwer, mit einem Steady-Projekt für ihr eigenes Projekt anzufangen, zum Beispiel für ihren Podcast, ihren YouTube-Kanal oder einen Webcomic auf Instagram?

Sebastian Esser: Hallo Johannes! Das ist tatsächlich eine super relevante Frage. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es ganz viele Leute gibt, die sich vorstellen können, ein unabhängiges Medienprojekt zu starten, aber aus irgendwelchen Gründen nicht anfangen. Wir beide sind schon eine ziemliche Weile damit beschäftigt, Leuten zu helfen, genau diesen Schritt zu tun. Ich glaube, wir haben inzwischen ganz gute Erfahrungen gesammelt und Theorien entwickelt, warum das so ist. Vielleicht hilft das auch den Leuten, die hier zuhören, darüber hinwegzukommen und einfach anzufangen.

Johannes Heim: Auf jeden Fall. Wie du schon sagst, wir haben da Theorien. Wir haben vielleicht noch keine statistisch signifikanten Ergebnisse zu den Themen gesammelt. Aber wir hören natürlich bestimmte Dinge immer wieder als Argumente, warum das nicht funktionieren kann, warum die Leute denken, dass es nicht funktioniert, oder welche vermeintlichen Probleme auftauchen werden, wenn sie es machen. Was gibt es denn da für prominente Beispiele, die wir schon oft gehört haben?

Sebastian Esser: Na ja, der Klassiker ist, dass man sagt: Ja, aber ich muss erst mal dies, das und jenes machen. Da müssen erst mal tausend Dinge passieren, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann loszulegen. Und wenn man da genau zuhört: alles, nur nicht den ersten Schritt.

Johannes Heim: Wie bitte?

Sebastian Esser: Alles, nur nicht den ersten Schritt. Was da wirklich dahintersteht, da bin ich mir inzwischen relativ sicher, ist ein Syndrom oder ein Problem, das, glaube ich, alle Medienmacher:innen teilen: das Hochstapler-Syndrom. Wir sind alle tief drin überzeugt, dass es ein schreckliches Missverständnis ist, dass wir erfolgreich sind, und dass das nichts mit Leistung, Wissen oder Talent zu tun hat. Der typische Gedankengang ist: Man hält mich für kompetenter, als ich in Wirklichkeit bin. Und wenn eines Tages rauskommt, dass ich das alles gar nicht so kann, wie ich hier tue, dann stehe ich als Betrüger da und bin geliefert, professionell bankrott sozusagen. Ich glaube, dieses Hochstapler-Syndrom kennen alle Medienmacher:innen, und es ist relativ verheerend. Vielleicht können wir darüber reden, was man dagegen tun kann.

Johannes Heim: Genau, das ist eine ganz wichtige Sache, das haben wir schon oft gehört. Die Leute sehen einerseits natürlich an ihrer Zuhörer-, Zuschauer- oder Leserschaft, dass sie offensichtlich ein Publikum haben. Aber da findet irgendwie ein Disconnect statt, der es ihnen oft nicht erlaubt, den Erfolg, den sie offensichtlich schon haben, darauf zu übertragen, dass ihr Projekt auch mit einem finanziellen Erfolg verbunden sein kann. Wie du gesagt hast: Die Leute haben das Hochstapler-Syndrom, obwohl sie Erfolg haben, und sagen sich vielleicht sogar: Na ja, die Leute wollen mir vielleicht zuhören oder zuschauen, aber das heißt noch lange nicht, dass sie etwas dafür zahlen würden. Dabei haben wir relativ verlässliche Zahlen dazu, wie man von der Zuschauerschaft und so weiter darauf schließen kann.

3:25Die erste Ausgabe muss nicht perfekt sein

Sebastian Esser: Erst mal glaube ich, dass es damit zusammenhängt, dass es psychologisch schwierig ist, Geld für etwas anzunehmen, das wir ständig machen, bei Social Media, per E-Mail und so weiter: nämlich ins Internet publizieren. Es fühlt sich nicht so an, als ob meine Gedanken, Recherchen und Analysen wichtiger sein sollten als all das, was ich quasi kostenlos in unendlicher Menge geliefert bekomme. Dafür zahlt doch kein Mensch, denkt man.

Sebastian Esser: Und das Schlimme ist, was sich daraus als Konsequenz ergibt. Das sollte, glaube ich, jede und jeder, die hier zuhören, an sich selbst überprüfen: Es muss etwas ganz Besonderes sein, was ich mache. Es muss perfekt sein. Und das ist ganz schlimm, denn es muss nicht perfekt sein. Ich kenne überhaupt kein Medienprodukt, das perfekt ist. Was ist ein perfekter Artikel, eine perfekte Podcast-Episode, ein perfekter Newsletter? Das gibt es nicht, und ganz bestimmt nicht bei der ersten Ausgabe. Man muss sich da reingrooven, man muss es finden. Das hat ja auch ganz viel mit Kommunikation und Austausch zu tun. Meiner Meinung nach geht es viel eher um Authentizität: dass man sich überhaupt erst mal ein bisschen anfreundet und eine Beziehung zu dem Menschen hinter dem Medium aufbaut. Dabei steht so etwas wie Perfektion total im Weg. Sich von diesem Gedanken zu verabschieden, wäre schon mal ein erster Schritt: zu sagen, meine erste Ausgabe muss nicht perfekt sein.

Sebastian Esser: Man kann sich auch überlegen: Wenn man den ersten Newsletter schreibt, den ersten Podcast veröffentlicht, sein Magazin ins Internet stellt oder seinen Blog freischaltet, wie viele Leute werden den denn sehen? Man kann erst mal damit anfangen, es seinen engsten Freunden zu zeigen, vielleicht seiner Familie. Das bewegt sich im ein- bis zweistelligen Bereich, und das sind Leute, die man persönlich kennt. Sich klarzumachen, dass dieser Riesenschritt wahrscheinlich erst mal ziemlich klein ist, das ist das Erste.

Sebastian Esser: Es kann natürlich auch gut sein, dass du schon längst angefangen hast, eine große Community und Reichweite aufzubauen, ganz viel publizierst und dich dann entscheidest, ein Mitgliedschaftsprogramm darauf aufzubauen. Dann ist das natürlich etwas anderes. Aber auch an der Stelle würde ich empfehlen, einfach mal anzufangen, und zwar nicht mit einem Knall. Also nicht zu überlegen: Ich mache jetzt eine riesige Kampagne. Sondern es einfach einzuführen, vielleicht einmal darauf hinzuweisen: Es gibt jetzt auch die Möglichkeit einer bezahlten Mitgliedschaft. Also klein denken, keinen perfekten, riesigen Aufschlag machen, sondern sich langsam reingrooven. Das ist, glaube ich, die beste Methode gegen diesen Perfektionismus.

6:08Klein starten statt aufschieben

Johannes Heim: Und das ist beim Start eines Steady-Projekts nicht anders als beim Start des Projekts an sich. Man kann auch da am Anfang sagen: Hey, liebe Freunde, liebe Verwandte, ich habe jetzt auch eine Option, dass man mich direkt unterstützen kann. Das ist vollkommen legitim. Genauso wie man am Anfang mit seinem Podcast oder YouTube-Kanal Klinken putzt, kann man auch beim Steady-Projekt ein bisschen Klinken putzen. Und wir haben festgestellt, dass mit wachsender Zuhörer- oder Leserschaft die Steady-Projekte dahinter in der Regel organisch mitwachsen. Im Endeffekt besteht immer eine Relation zwischen der Menge an Leuten, die einem folgen, und dem Anteil der Leute, die bereit sind, einen direkt zu unterstützen. Und das verhält sich, Big-Data-mäßig könnte man fast sagen, über verschiedenste Projekte sehr ähnlich. Es geht nur darum, eine kritische Masse an Followern zu überschreiten, dann klappt in der Regel auch anteilig das Steady-Projekt. Das ist fast schon ein Naturgesetz.

Sebastian Esser: Was sich aus diesem Perfektionismus und allem, was du gerade aufgezählt hast, auch ergibt: Viele Leute, mit denen wir über ein mögliches Steady-Projekt oder ein neues Medienprojekt sprechen, haben das Gefühl, dass ihnen noch alles Mögliche fehlt. Sie brauchen noch Softwareentwickler:innen, Designer:innen, mehr Mitarbeitende, mehr Zeit, mehr Geld, mehr Wissen, mehr von allem. Es fehlt immer irgendwas. Es muss perfekt sein. Was sollen die Leute denken, wenn das hier nicht perfekt aussieht oder wenn etwas noch nicht so ist, wie ich es mir in meinen Träumen vorstelle oder wie ich es von anderen kenne?

Sebastian Esser: Das Problem ist, dass ich mich damit nie sicher fühlen werde. Es wird nie einen Zustand geben, in dem man das Gefühl hat: Okay, das ist jetzt genau so, wie es gehört. Da fehlt immer irgendwas. Durch diese ganzen psychologischen Hürden baut man etwas auf, das zum Gegenteil dessen führt, warum man anfangen wollte. Es führt nicht dazu, endlich loszulegen, die Ärmel hochzukrempeln und etwas Neues zu machen, sondern dazu, dass man alles Mögliche macht, nur nicht anfangen. Stichwort Prokrastination, ein Lieblingswort von mir.

Sebastian Esser: Man schiebt die vielen Dinge, die angeblich fehlen, immer weiter auf: Es fehlt der Name, dann das Logo, was sind die Preise, was sind die Pakete? Dafür ist auch dieser Kurs da: dass wir alle, die daran teilnehmen, an die Hand nehmen, nach und nach durchgehen, diese Probleme lösen und möglicherweise auch neue Probleme vorwegnehmen. Aber wenn man nicht konkret an kleinen Dingen arbeitet, schiebt man es immer weiter hinaus. Wir merken immer, dass es erst heißt: Das dauert vielleicht noch bis nächsten Monat, noch ein paar Wochen. Und dann weiß ich schon: Okay, das wird jetzt garantiert noch ein Jahr dauern. Völlig unnötig.

9:55Warten ist teuer

Sebastian Esser: Das Problem daran ist: Zeit ist an dieser Stelle tatsächlich Geld. Je früher du mit einem Mitgliedschaftsprogramm anfängst, desto mehr Monate vergehen, in denen du schon Geld verdienst. Am Anfang wahrscheinlich wenig, aber das baut sich nach und nach auf. Das dauert auch, denn niemand wird sofort zahlen, wenn er zum ersten Mal hört, dass man zahlen kann. Das heißt: Je später man anfängt, desto mehr Geld verliert man auch, weil die Monate, die vergehen, nie wiederkommen.

Johannes Heim: Ja, wenn man Gelegenheiten ausgelassen hat, bei denen man über das Steady-Projekt hätte reden oder es erwähnen können. Wir haben festgestellt, dass es bei den meisten Leuten ein paar Erwähnungen braucht, bis sie sagen: Stimmt, ich höre diesen Podcast dauernd, ich gucke diesen YouTube-Kanal dauernd, eigentlich könnte ich die Person auch unterstützen. Es gibt auch ein paar Leute, die das sofort machen, aber die meisten brauchen ein bisschen. Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig anzufangen. Denn das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass nicht viel passiert. Am Anfang kommen vielleicht nicht viele Leute dazu, wenn man noch kleiner ist. Aber die Menge an Steady-Unterstützer:innen und das Geld, das durch sie kommt, wachsen mit dem Projekt weiter.

Johannes Heim: Um noch mal kurz darauf zurückzukommen: Wir kennen das wirklich aus Erfahrung mit Medienmacher:innen, die schon sehr erfolgreich sind und schon Geld mit dem verdienen, was sie machen, und sich trotzdem nicht vorstellen konnten, dass das funktioniert. Die waren dann zum Glück oft positiv überrascht. Diese Leute machen im Endeffekt genau das, was du gerade gesagt hast: Obwohl sie schon so erfolgreich sind, gehen sie an ihren eigenen Kram viel kritischer heran als an etwas anderes. Sie gucken Youtuber, hören Podcasts, lesen Blogs, die alle auch nicht perfekt sind, aber irgendeine Sache wahnsinnig gut machen und wahnsinnig nahbar sind. Da akzeptiert man sogar die Unzulänglichkeiten, weil sie das Ganze so echt machen und deutlich von klassischer Medienproduktion abheben, im Fernsehen, im Kino oder meinetwegen bei einem Hörspiel. Genau das reizt die Leute an den Projekten, die auf Seiten wie Steady sind. Gerade deswegen macht es vielleicht gar keinen Sinn, der Perfektion hinterherzueilen, weil sie die Sache nicht besser macht. Das ist eher etwas, das man umarmen sollte: Genauso wie mein Steady-Projekt vielleicht nicht perfekt ist, ist mein Projekt nicht perfekt. Und das macht es auf eine Art zum perfekten Produkt für die Leute, die mir folgen.

12:21Fang einfach mal an

Sebastian Esser: Ja. Und stattdessen haben wir wirklich immer wieder erlebt, dass Medienmacher:innen eine große Community aufgebaut haben, die eigentlich nur darauf wartet, endlich auch zahlen zu dürfen, also einen Ort zu finden, an dem sie ihre Wertschätzung ausdrücken kann. Objektiv betrachtet, wenn man dich oder mich fragt, kann da mit einem erfolgreichen Mitgliedschaftsprogramm eigentlich gar nichts schiefgehen. Aber es passiert. Bei Steady gab es echt schon häufiger einen Zeitpunkt, an dem wir gesagt haben: Okay, dann müssen wir jetzt aufgeben. Weil wir genau wissen, es kommt irgendwann ein Moment, meistens leider ein Katastrophenmoment. Das kann ein übles Ereignis sein wie das Wegbrechen von Werbung, eine Klage oder eine Steuernachzahlung, nach dem die Medienmacherin oder der Medienmacher keinen anderen Ausweg mehr sieht, als die Nutzer:innen wirklich zu aktivieren. Dann schaffen es manche, diese Schwäche zuzulassen, auch auf die Gefahr hin, als Hochstapler:in enttarnt zu werden.

Sebastian Esser: Das ist schade, will ich noch mal sagen. Und dazu dienen jetzt diese Minuten in diesem Video: euch, die ihr hier zuhört, davon zu überzeugen. Schenkt euch das! Keine Ahnung, Johannes, wir sind beide keine Therapeuten. Ich will auch nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man ein Hochstapler-Syndrom loswird. Ich kann euch nur sagen: Wir haben im Laufe der Jahre sehr viel Erfahrung damit gesammelt. Deshalb möchte ich an die Rationalität appellieren, an die Vernunft. Und was wir auch tun können: von ganz vielen anderen angeblichen Hochstapler:innen erzählen, die damit sehr erfolgreich sind. Warten ist eben teuer.

Sebastian Esser: Ich habe schon häufiger von Leuten, die inzwischen bei Steady tatsächlich erfolgreich sind, gehört, dass der Satz, den ich jetzt gleich sagen werde, sehr wichtig für ihre Karriere als unabhängige Medienmacher:innen war. Dieser Satz lautet: Fang einfach mal an. Ich entschuldige mich wirklich, dass das ein bisschen nach einer Plattitüde klingt. Aber schenkt euch das alles. Fang an!

14:48Was im schlimmsten Fall passiert und wie es weitergeht

Johannes Heim: Wir haben das wirklich erlebt: Es gibt keinen relevanten negativen Backlash aus irgendeiner dieser Aktionen. Das Negativste, was wir erlebt haben, ist, dass etwas nicht funktioniert hat, und das war eher die Ausnahme. Selbst dann ist nur nichts passiert, und man hatte keinen wirklichen Verlust. Im Gegenteil, man hatte trotzdem einen Gewinn und kann sagen: Okay, das hat vielleicht doch nicht für mich funktioniert. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür war relativ niedrig. In den meisten Fällen hat es sich für die Leute in einem größeren oder kleineren Rahmen wirklich rentiert.

Johannes Heim: Und zwar auch in Situationen, wie du sie gerade beschrieben hast, wenn etwas Unerwartetes passiert. Das hatten wir während Corona: Auf einmal kamen Leute, die erst gesagt hatten, ich glaube, das brauche ich nicht, oder das ist okay, aber nichts für mich. Die haben dann festgestellt, dass ein Einkommensstrom sehr schnell wegbrechen kann. Dafür ist so etwas wie Steady sehr gut, weil es eine gewisse Konsistenz und Nachhaltigkeit gibt, mit der man rechnen kann. Viel mehr als mit irgendwelchen Schüben, wenn man mal auf eine Lesung geht oder für Musik auf Tour und dann wieder nicht. Mit Steady hat man einen konstanten Einkommensstrom.

Johannes Heim: Wir haben auch viele Leute, die gesagt haben: Na ja, ich bekomme ja schon ein bisschen Geld, ich verkaufe mal ein T-Shirt oder ein Buch. Die denken dann oft, das kannibalisiert sich vielleicht. Aber sie übersehen, dass es ganz viele Leute gibt, die die Medienmacher:innen, die sie so schätzen, mit einem etwas niedrigschwelligeren Angebot unterstützen wollen. Dafür ist so etwas wie Steady einwandfrei.

Sebastian Esser: Genau. Mit diesem kleinen Pep-Talk beginnen wir jetzt unsere Reise. Ihr könnt euch sicher sein, dass in den nächsten Folgen nach und nach mehr Substanz hinzukommt, was das Hands-on angeht, also wie das jetzt ganz konkret geht. Wir nehmen euch an die Hand und helfen euch mit dem Anfangen. Wenn ihr wollt, fangt heute an, oder schaut noch ein paar unserer Videos. Wir leiten euch Schritt für Schritt hindurch: Wie finde ich das Problem? Wie finde ich meine Mission? Was ist mein Versprechen? Wie mache ich daraus die richtigen Preise? Wie konvertiere ich überhaupt Leute? Wie sieht mein Marketing aus? Was für Inhalte sollte ich anbieten, und wie häufig? Durch all diese Fragen werden wir uns in den nächsten Videos durchpflügen. Bis hierhin bedanke ich mich erst mal bei dir, Johannes. Wir werden uns sicher noch ab und zu in weiteren Videos wiedersehen. Bis dann!

Johannes Heim: Ich hoffe doch sehr. Bis dann!

Das Wichtigste in Kürze

  1. Hinter der Angst vor dem Anfangen steckt oft das Hochstapler-Syndrom, also das Gefühl, andere hielten dich für kompetenter, als du bist.
  2. Kein Medienprodukt ist perfekt, die erste Ausgabe schon gar nicht; deine Leser:innen suchen Authentizität.
  3. Deine erste Ausgabe lesen vor allem Freund:innen und Familie; der vermeintlich große Schritt ist in Wahrheit klein.
  4. Arbeite an kleinen, konkreten Aufgaben, statt darauf zu warten, dass Name, Logo, Preise und Pakete zugleich fertig sind.
  5. Warten ist teuer, denn jeder Monat ohne Angebot ist ein Monat ohne Einnahmen, und er kommt nicht wieder.

Viele Medienmacher:innen könnten einen Newsletter, einen Podcast oder ein anderes unabhängiges Medienprojekt starten. Sie haben eine Idee, oft sogar schon ein Publikum, und fangen trotzdem nicht an. Im Video sprechen Johannes Heim und Sebastian Esser, einer der Gründer von Steady, darüber, woran das liegt und was dagegen hilft. Beide begleiten seit Jahren Menschen, die vor genau diesem Schritt stehen.

Woher die Angst vor dem Anfangen kommt

Der klassische Satz lautet: „Bevor ich loslege, muss ich erst dies, das und jenes erledigen.“ Wer genau hinhört, merkt, dass damit alles gemeint ist außer dem ersten Schritt.

Dahinter steckt laut Sebastian meistens das Hochstapler-Syndrom. Viele Medienmacher:innen sind im Innersten überzeugt, ihr Erfolg beruhe auf einem schrecklichen Missverständnis und nicht auf Leistung, Wissen oder Talent. Sie denken: Die Leute halten mich für kompetenter, als ich bin, und wenn das eines Tages herauskommt, stehe ich als Betrüger:in da.

Das betrifft auch Menschen, die längst Erfolg haben. Johannes beschreibt sie so: Sie sehen an ihrer Leser-, Hörer- oder Zuschauerschaft, dass sie ein Publikum haben, trauen ihrem Projekt aber keinen finanziellen Erfolg zu. „Die Leute hören mir zu, aber zahlen würden sie dafür nicht“, denken sie.

Hinzu kommt ein psychologisches Problem. Wir alle veröffentlichen ständig etwas, im Netz, in sozialen Netzwerken und per E-Mail. Warum sollten ausgerechnet deine Gedanken, Recherchen und Analysen Geld wert sein, wenn es so viel umsonst gibt? Aus diesem Zweifel erwächst die erste Folge des Syndroms.

Die erste Ausgabe muss nicht perfekt sein

Sie heißt Perfektionismus. Wenn Leute schon Geld bezahlen sollen, so der Gedanke, muss es etwas Besonderes sein, am besten etwas Perfektes.

Sebastian hält dagegen, er kenne kein einziges perfektes Medienprodukt. Es gibt keinen perfekten Artikel, keine perfekte Podcast-Folge und keinen perfekten Newsletter, in der ersten Ausgabe schon gar nicht. In dein Format musst du erst hineinfinden. Deine Leser:innen suchen vor allem Authentizität, also einen Menschen hinter dem Medium, zu dem sie eine Beziehung aufbauen können, mit allen Schwächen und Fehlern. Perfektion steht dabei im Weg.

Johannes beobachtet, dass viele Medienmacher:innen mit der eigenen Arbeit viel strenger umgehen als mit der anderer. Sie hören Podcasts, sehen YouTube-Kanäle und lesen Blogs, die alle nicht perfekt sind, aber eine Sache sehr gut machen und nahbar sind. Gerade ihre Unzulänglichkeiten machen solche Projekte echt und unterscheiden sie von der klassischen Produktion für Fernsehen oder Kino.

Hilfreich ist auch eine nüchterne Frage: Wer sieht deine erste Ausgabe überhaupt? Wahrscheinlich deine engsten Freund:innen und deine Familie, ein ein- bis zweistelliger Kreis von Menschen, die du persönlich kennst. Der vermeintliche Riesenschritt ist in Wahrheit ein kleiner.

Totplanen und Aufschieben

Der Perfektionismus hat zwei Geschwister. In seiner Blaupause-Ausgabe zum Thema nennt Sebastian sie Totplanen und Aufschieben.

Totplanen. Plötzlich fehlt alles: Softwareentwickler:innen, Designer:innen, mehr Mitarbeitende, mehr Zeit, mehr Geld, mehr Wissen. Und was sollen die Leute denken, wenn es nicht so aussieht wie in deinen Träumen? Tückisch ist, dass ein Teil der Unsicherheit berechtigt ist. Baust du eine Mitgliedschaft auf, beschäftigst du dich auf einmal mit Software, Werbung und Buchhaltung statt mit Schreiben oder Sprechen, und dabei merkst du, was du noch nicht kannst. Das nährt den Perfektionismus, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Aufschieben. Wer sich totplant, krempelt nicht die Ärmel hoch, sondern tut gar nichts. Name, Logo, Preise und Pakete wandern auf später. Erst heißt es „nächsten Monat“, dann „noch ein paar Wochen“, und am Ende ist ein Jahr vergangen. Das Nichtstun bestätigt wiederum das Gefühl, nichts zu können, und so entsteht der zweite Kreislauf.

Aus beiden kommst du heraus, wenn du an kleinen, konkreten Dingen arbeitest. Du musst nicht alles gleichzeitig lösen. Die Lektionen im College nehmen sich die Fragen nacheinander vor, zum Beispiel das Thema deines Newsletters, deine Mission oder die richtigen Preise.

Warum Warten teuer ist

„Warten ist teuer“, sagt Sebastian im Video. In der Blaupause schreibt er den Satz seiner ehemaligen Kollegin Deborah zu. Gemeint ist, dass du umso mehr Monate Geld verdienst, je früher du eine Mitgliedschaft anbietest. Anfangs ist es wenig, aber es summiert sich. Jeder Monat, den du verstreichen lässt, kommt nie wieder. „Ich hätte viel früher anfangen sollen“: Diesen Satz hört Sebastian häufig.

Außerdem zahlt niemand, wenn er zum ersten Mal von einer Mitgliedschaft hört. Die meisten müssen ein paarmal davon hören, bis sie denken: Ich höre diesen Podcast dauernd, ich könnte ihn unterstützen. Wer früh anfängt, hat mehr Gelegenheiten, die Mitgliedschaft zu erwähnen.

Johannes beschreibt eine Beobachtung, die er beinahe ein Naturgesetz nennt: Wächst dein Publikum, wächst in der Regel auch die Zahl deiner Unterstützer:innen, und zwar von selbst. Das Verhältnis zwischen Menschen, die dir folgen, und Menschen, die zahlen, ist über sehr verschiedene Projekte hinweg ähnlich. Hast du eine kritische Masse erreicht, trägt sich anteilig auch die Mitgliedschaft. Wie du diesen Anteil abschätzt, steht in Wie viel Geld kannst du mit Mitgliedschaften verdienen?.

Sebastian erzählt auch von der Kehrseite. Bei Steady hat das Team immer wieder Medienmacher:innen erlebt, deren Community nur darauf wartete, endlich zahlen zu dürfen. Trotzdem geschah nichts. Manche fingen erst an, als eine Katastrophe kam, als etwa die Werbung wegbrach oder eine Klage oder Steuernachzahlung anstand. Erst dann erlaubten sie sich, was sie für eine Schwäche gehalten hatten, nämlich ihr Publikum um Unterstützung zu bitten.

So machst du den ersten Schritt

Sebastian sagt selbst, er sei kein Therapeut und könne niemandem das Hochstapler-Syndrom ausreden. Er appelliert an die Vernunft und gibt einen Satz weiter, der nach Auskunft von Medienmacher:innen, die heute mit Steady erfolgreich sind, wichtig für ihre Laufbahn war: „Fang einfach mal an.“ Frank Joung etwa, der den Podcast Halbe Katoffl macht, sagt, dieser Satz habe ihn überzeugt, seinen Podcast zu starten. So erzählt es Sebastian in der Blaupause.

Konkret heißt das:

  • Klein denken. Zeig deine erste Ausgabe zuerst Freund:innen und Familie. Am Anfang lernst du ein neues Handwerk, und dafür brauchst du kein großes Publikum.
  • Klinkenputzen ist erlaubt. So wie du am Anfang Leute auf deinen Newsletter oder Podcast ansprichst, kannst du Freund:innen und Verwandten sagen, dass es jetzt eine Möglichkeit gibt, dich direkt zu unterstützen.
  • Ohne Knall starten, wenn dich ein großer Auftritt lähmt. Hast du schon ein Publikum, musst du keine riesige Kampagne planen. Weise darauf hin, dass es jetzt eine bezahlte Mitgliedschaft gibt, und taste dich heran. Bist du für einen größeren Start bereit, hilft dir Wie startest du deine Mitgliedschaft?.
  • Erwähne dein Angebot regelmäßig. Die meisten Menschen brauchen mehrere Hinweise.
  • Keine Angst vor Kannibalisierung. Auch wenn du schon T-Shirts oder Bücher verkaufst, unterstützen dich viele Menschen lieber über ein niedrigschwelliges Angebot.

Was im schlimmsten Fall passiert

Johannes fasst die Erfahrung von Steady so zusammen: Nennenswerten Gegenwind habe man bei solchen Starts nicht erlebt. Das Schlimmste sei gewesen, dass etwas nicht funktionierte, und das war die Ausnahme. Dann passiert schlicht nichts. Du hast keinen echten Verlust und weißt hinterher mehr. Meistens hat es sich gelohnt, mal mehr, mal weniger.

Dazu kommt, dass Mitgliedschaften stetig Geld einbringen. Lesungen oder Tourneen bringen es in Schüben, andere Einnahmen können wegbrechen. Während der Corona-Zeit kamen deshalb auch Medienmacher:innen zu Steady, die vorher gesagt hatten, das sei nichts für sie.

Häufige Fragen

Warum habe ich Angst, mit meinem Projekt anzufangen?

Oft steckt das Hochstapler-Syndrom dahinter, also das Gefühl, dein Erfolg beruhe auf einem Missverständnis und nicht auf deinem Können. Daraus folgt der Anspruch, alles müsse perfekt sein. Viele Medienmacher:innen kennen dieses Gefühl, auch sehr erfolgreiche.

Wie überwinde ich Perfektionismus beim Start eines Newsletters?

Mach dir klar, dass es keinen perfekten Newsletter gibt, in der ersten Ausgabe schon gar nicht. Leser:innen suchen Authentizität und einen Menschen hinter dem Medium. Außerdem lesen deine erste Ausgabe vor allem Menschen, die du persönlich kennst.

Was hilft gegen Prokrastination bei einem eigenen Medienprojekt?

Arbeite an kleinen, konkreten Aufgaben statt an allem gleichzeitig. Name, Logo, Preise und Pakete musst du vor dem ersten Schritt nicht fertig haben. Wer alles auf einmal lösen will, schiebt den Start oft um Monate oder ein Jahr hinaus.

Was passiert, wenn mein Projekt nicht funktioniert?

Im schlimmsten Fall passiert nichts. Nennenswerten Gegenwind hat das Steady-Team bei solchen Starts nicht erlebt. Dass etwas gar nicht funktionierte, war die Ausnahme, und selbst dann gab es keinen echten Verlust.

Wann sollte ich eine Mitgliedschaft anbieten?

So früh wie möglich. Die meisten Menschen müssen mehrmals davon hören, bevor sie zahlen, und jeder Monat ohne Angebot ist verlorenes Geld. Wächst dein Publikum, wächst in der Regel auch die Zahl deiner Unterstützer:innen.

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Johannes Heim

Sales & Support bei Steady

Johannes kümmert sich bei Steady um Sales und Support und beantwortet die Fragen von Medienmacher:innen. Im College erklärt Johannes, warum der Anfang so schwerfällt und wie du ihn trotzdem schaffst.

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Sebastian Esser

Gründer von Steady

Sebastian hat Krautreporter mitgegründet, das Magazin, das von seinen Mitgliedern finanziert wird, und schreibt den Newsletter Blaupause. Im College erklärt Sebastian, wie Mitgliedschaften funktionieren.