Lektion 7 von 11 · Newsletter starten und Geld verdienen

Newsletter monetarisieren: Welche Einnahmequellen gibt es?

Mit einem Newsletter verdienst du Geld, indem deine Leser:innen zahlen oder Firmen dafür bezahlen, sie mit Werbung zu erreichen. Möglich sind Mitgliedschaften, Abos mit Paywall, Anzeigen und Sponsoring, Spenden sowie eigene Produkte und Dienstleistungen. Für die meisten unabhängigen Medienmacher:innen eignet sich eine Mitgliedschaft am besten, weil sie Bindung und exklusiven Nutzen verbindet; Anzeigen lassen sich gut dazunehmen.

Lesezeit 6 Min.Mit Sebastian EsserStand:

Das Wichtigste in Kürze

  1. Es gibt zwei Grundwege: Dein Publikum zahlt selbst, oder Firmen zahlen dafür, dein Publikum zu erreichen.
  2. Mitgliedschaften verbinden die Bindung an eine Mission mit exklusivem Nutzen, deshalb kündigen Mitglieder selten.
  3. Als Faustregel zahlen rund 5 Prozent deiner Follower im Schnitt 5 Euro im Monat, wenn du sie fünfmal gefragt hast.
  4. Für Anzeigen reicht eine kleine Reichweite, wenn deine Zielgruppe für Werbekunden klar umrissen ist.
  5. Spenden bringen wenig, weil kaum jemand mehr als einmal zahlt; eigene Produkte lohnen sich, wenn du gefragte Expertise hast.

Mit einem Newsletter Geld zu verdienen, geht auf zwei grundsätzlichen Wegen. Entweder zahlt jemand dafür, deinem Publikum Werbung zu zeigen. Oder dein Publikum zahlt selbst. Mitgliedschaften, Paywalls, Sponsoring, Spenden, Kurse und Beratung sind Spielarten dieser beiden Wege. Welche davon zu dir passt, hängt davon ab, warum Menschen deinen Newsletter lesen und wie viele es sind.

Der Newsletter selbst ist dafür eine gute Grundlage. Er landet dort, wo die meisten Menschen ohnehin jeden Tag nachsehen, im E-Mail-Postfach. Anmelden kostet einen Klick, ohne App-Download und ohne Registrierung. Darauf weist Heiko Scherer hin, der lange Apps für Verlage gebaut hat. Und zwischen dir und deinen Leser:innen steht als einzige Technik eine E-Mail-Adresse, keine Plattform, die über deine Reichweite bestimmt. Die Adressen nimmst du mit, wohin du willst.

Bindung und Nutzen: zwei Fragen ordnen alle Modelle

Sebastian Esser sortiert die Geschäftsmodelle für digitale Inhalte mit zwei Fragen. Teilen deine Leser:innen eine Mission mit dir, also eine Haltung, eine gemeinsame Leidenschaft oder das Interesse an dir als Person? Und haben sie einen exklusiven Nutzen, wenn sie zahlen, etwa Texte hinter einer Paywall, einen Download oder eine Veranstaltung?

Daraus ergeben sich vier Modelle:

  • Bindung ohne exklusiven Nutzen führt zur Spende.
  • Nutzen ohne Bindung führt zum klassischen Abo mit Paywall.
  • Fehlt beides, bleibt nur Werbung.
  • Bindung und Nutzen zusammen ergeben eine Mitgliedschaft.

Ausführlich erklärt das die Lektion Membership-Modell. Für Newsletter kommen zwei Wege hinzu: Sponsoring als besondere Form der Werbung und eigene Produkte oder Dienstleistungen, für die der Newsletter Leser:innen gewinnt.

Die Einnahmequellen im Überblick

Einnahmequelle Wer zahlt Stärken Schwächen Passt, wenn …
Mitgliedschaft Leser:innen, monatlich oder jährlich Mitglieder bleiben auf Steady im Schnitt rund 30 Monate Du musst aktiv verkaufen und Reichweite aufbauen deine Leser:innen eine Mission mit dir teilen
Abo mit Paywall Leser:innen, für exklusive Inhalte Klarer Gegenwert Viele kündigen, du konkurrierst mit großen Verlagen dein Inhalt allein sein Geld wert ist
Anzeigen und Sponsoring Unternehmen Schon mit kleiner, genau umrissener Zielgruppe möglich Akquise kostet Zeit, Vertrauen kann leiden Werbekunden deine Zielgruppe erreichen wollen
Spenden Leser:innen, meist einmalig Du musst keine Gegenleistung liefern Wenige zahlen, selten mehr als einmal du eine sehr große Reichweite hast
Produkte und Dienstleistungen Leser:innen oder Firmen, einzeln Wenige Käufer:innen reichen Zusätzliche Arbeit neben dem Newsletter du Expertise hast, für die es Nachfrage gibt

Mitgliedschaften: Bindung und Nutzen zusammen

Für unabhängige Medienmacher:innen empfehlen wir die Mitgliedschaft. Das gemeinsame Interesse stiftet Zusammenhalt, die Vorteile für Mitglieder wecken die Bereitschaft zu zahlen. Weil Mitglieder sich verbunden fühlen, kündigen sie selten. Auf Steady sind es rund 3 Prozent im Monat, ein Mitglied bleibt im Schnitt gut zweieinhalb Jahre. Bei Medien-Abos, die nur auf Nutzen setzen, kündigen nach Angaben des Dienstleisters Profitwell jeden Monat 5 bis 10 Prozent. Wer nur für den Nutzen zahlt, wechselt schnell zu einem günstigeren Angebot.

Was du verdienen kannst, zeigt die Faustregel 3 × 5: Rund 5 Prozent der Menschen, die dir regelmäßig folgen, zahlen im Schnitt 5 Euro im Monat, wenn du sie fünfmal gefragt hast. Erreichst du 10.000 Menschen, sind das 500 Mitglieder und 2.500 Euro im Monat. Die Rechnung im Detail steht in Wie viel Geld kannst du mit Mitgliedschaften verdienen?. Ein Projekt bei Steady anzulegen, kostet nichts; Steady behält 10 Prozent des Umsatzes als Provision.

Für einen Newsletter heißt das in der Regel: Er bleibt zum größten Teil kostenlos, und ein Teil geht nur an zahlende Mitglieder. Wo du den Schnitt setzt und wann du nach Geld fragst, steht in Bezahlnewsletter. Welche Form der Bezahlschranke passt, vergleicht die Lektion Paywall-Modelle.

Anzeigen und Sponsoring

Werbung hat unter Journalist:innen keinen guten Ruf, oft zu Recht. Sebastian Esser hat trotzdem nichts gegen Anzeigen, solange sie die Berichterstattung nicht beeinflussen, klar als Anzeigen erkennbar sind, das Vertrauen der Leser:innen nicht leidet und niemand ihre Daten verkauft. Ein Newsletter hat Werbekunden etwas zu bieten: eine genau umrissene Zielgruppe, die dem Absender vertraut. Für Firmen, die genau diese Menschen erreichen wollen, ist der Streuverlust gering.

Wie wenig Reichweite dafür nötig ist, zeigt Oskar Vitlif. Er verschickt alle 14 Tage einen Newsletter mit Stellenangeboten für junge Journalist:innen, den fast 5.000 Menschen abonniert haben. Geld von seinen Leser:innen wollte er nicht nehmen, weil der Newsletter Hürden in den Beruf abbauen soll. Er verkauft stattdessen Anzeigen, je nach Format für 100 bis 2.000 Euro. Wie du Mediadaten schreibst, Preise festlegst und Kunden findest, steht in Newsletter-Werbung verkaufen.

Spenden, Produkte und Dienstleistungen

Spenden liegen nahe, bringen aber wenig. Wer spendet, zeigt, dass er eine Sache unterstützt. Einen Gegenwert bekommt er nicht, und nach der ersten Zahlung haben viele das Gefühl, ihren Teil getan zu haben. Nun sollen andere zahlen. Deshalb spenden wenige, und selten mehr als einmal. David Reiter, Gründer des Podcast-Studios St. Audio, schätzt, dass ein Podcast mit freiwilligen Spenden erst ab einem Publikum von mehr als 150.000 Menschen auf 3.000 Euro im Monat kommt. Warum dich auch eine Einmalzahlung neben der Mitgliedschaft Geld kostet, erklärt Preise festlegen.

Produkte und Dienstleistungen kommen infrage, wenn der Newsletter allein nicht genug Wert stiftet, um Geld dafür zu verlangen, etwa weil du selten verschickst. Dann kann er Leser:innen für etwas anderes gewinnen. David Reiter hat 33 Ideen gesammelt, geordnet nach Preis: Vorlagen und Checklisten, Bücher, Online-Kurse, bezahlte Veranstaltungen, Beratung, Workshops, Vorträge und Mentoring. Dazu kommen Empfehlungen gegen Provision, das sogenannte Affiliate-Marketing. Je höher der Preis, desto weniger Käufer:innen brauchst du. Für 3.000 Euro im Monat reichen zum Beispiel 100 Menschen, die je 30 Euro für einen Kurs zahlen. Seine Liste ist für Podcasts geschrieben, die meisten Ideen gelten auch für Newsletter. Alle 33 stehen in Mit dem Podcast Geld verdienen.

Welches Produkt das sein könnte, wissen oft deine Leser:innen. Sebastian Esser rät, sie in einer Ausgabe zu fragen, was du anbieten müsstest, damit sie anfangen zu zahlen, und um Antwort per Mail zu bitten.

Womit du anfängst

Starte nicht mit allem gleichzeitig. David Reiter empfiehlt, die ein oder zwei Wege zu suchen, die zu deiner jetzigen Phase passen. Jede Idee prüft er mit drei Fragen:

  1. Bringst du zu diesem Thema besondere Expertise mit, und wie groß ist die Nachfrage danach?
  2. Kannst du die Idee schnell aufsetzen und ausprobieren, ohne dich in Vorbereitungen zu verlieren?
  3. Lässt sie sich später von deiner Person trennen, sodass du die Umsetzung abgeben kannst?

Die Wege schließen sich nicht aus. Ein Newsletter kann zahlende Mitglieder haben und Anzeigen verkaufen. Bist du unsicher, beginne dort, wo deine Leser:innen eine Bindung zu dir haben, und rechne mit der Faustregel nach, was dabei herauskommt. Reicht das Ergebnis nicht, brauchst du zuerst mehr Leser:innen. Wie du sie gewinnst, steht in Wie lässt du deinen Newsletter wachsen?

Häufige Fragen

Wie kann ich mit einem Newsletter Geld verdienen?

Es gibt zwei Grundwege: Deine Leser:innen zahlen, oder Firmen zahlen dafür, sie zu erreichen. Daraus ergeben sich Mitgliedschaften, Abos mit Paywall, Anzeigen und Sponsoring, Spenden sowie eigene Produkte wie Kurse, Bücher oder Beratung. Viele Newsletter verbinden zwei davon.

Wie viel kann man mit einem Newsletter verdienen?

Für Mitgliedschaften gilt die Faustregel 3 × 5: Rund 5 Prozent der Menschen, die dir regelmäßig folgen, zahlen im Schnitt 5 Euro im Monat, wenn du sie fünfmal gefragt hast. Bei 10.000 Leser:innen sind das etwa 2.500 Euro im Monat. Davon gehen noch Mehrwertsteuer, Zahlungsgebühren und die Steady-Provision von 10 Prozent ab.

Ab wie vielen Abonnent:innen lohnt sich Werbung im Newsletter?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Oskar Vitlif verkauft Anzeigen in seinem Job-Newsletter mit knapp 5.000 Abonnent:innen für 100 bis 2.000 Euro. Wichtiger als die Größe ist, dass deine Zielgruppe klar umrissen ist und zu den Werbekunden passt.

Sind Spenden für einen Newsletter sinnvoll?

Als Hauptquelle meist nicht. Wer spendet, bekommt keinen Gegenwert und zahlt deshalb selten mehr als einmal. Mit Spenden kommen nur Projekte mit sehr großer Reichweite weit. Eine Mitgliedschaft bringt über die Zeit mehr, denn Mitglieder zahlen auf Steady im Schnitt rund 30 Monate lang.

Muss mein Newsletter hinter eine Paywall?

Nein. Die meisten Bezahlnewsletter bleiben zum größten Teil kostenlos und behalten einen Teil Mitgliedern vor, etwa eine Ausgabe pro Monat oder den zweiten Teil jeder Ausgabe. So kommen weiter neue Leser:innen dazu, aus denen später Mitglieder werden.

Passt dazu

Autor

Sebastian Esser

Gründer von Steady

Sebastian hat Krautreporter mitgegründet, das Magazin, das von seinen Mitgliedern finanziert wird, und schreibt den Newsletter Blaupause. Im College erklärt Sebastian, wie Mitgliedschaften funktionieren.